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Römische Herrschaft (63 v. Chr. bis 395 n. Chr.) Teil 2

Die römische Herrschaft und ihre idumäischen Vasallen in Palästina waren beim jüdischen Volke sehr unbeliebt. Besonders die hohen Steuern und die Benachteiligung der jüdischen Bevölkerung gegenüber den anderen Bevölkerungsgruppen sorgten für Unmut. Außerdem gab es in einigen Städten Auseinandersetzungen zwischen den Griechen und Juden. Es formierte sich zunehmend Widerstand, der sich in Protestaktionen und kleinen Revolten äußerte. Doch die Römer behielten immer die Oberhand. Das Verhältnis zwischen Juden und Römern war ähnlich gespannt wie zuvor jenes zwischen den Juden und den hellenistischen Seleukiden. Doch Roms Herrschaft und Verwaltung war effektiver und erdrückender. So wie unter dem Seleukidenkönig Antiochus IV. der Beschluss, den Jahwe-Tempel in einen Zeus-Tempel umzuweihen, für Aufregung sorgte, so war zwei Jahrhunderte später der Entschluss des römischen Kaisers Caligula, in den Jahwe-Tempel eine Statue von sich selbst – als „göttlichen Kaiser – aufzustellen, der Grund für erneute Aufregung. Immer wieder gab es Zusammenstöße und Auseinandersetzungen. Einige jüdische Gruppen radikalisierten sich. Hierzu gehörten die Zeloten, die Rom mit Waffengewalt aus Palästina vertreiben wollten. Die Zahl der Zwischenfälle nahm zu. Im Jahre 66 n. Chr. brach schließlich eine offene Rebellion aus, die in einem römisch-jüdischen Krieg mündete. Der Auslöser war das Bestreben des Prokurators Gessius Florus, der, zusätzlich zu höheren Steuerforderungen, noch den jüdischen Tempelschatz antasten wollte, um die Staatskasse aufzufüllen. Die Aufständischen konnten die römischen Truppen in Jerusalem schlagen und die Stadt unter ihre Kontrolle bringen. Von Jerusalem ausgehend, breitete sich der Aufstand in ganz Judäa und Galiläa aus. Aus Syrien wurde eine römische Legion geschickt, um den Aufstand niederzuschlagen. Doch sie kehrte erfolglos zurück. Für kurze Zeit konnten die Juden in Judäa und auch in Jerusalem die Luft der Freiheit atmen. Die Erinnerung an die Makkabäer wurde wach. Doch Rom rüstete zum Gegenschlag. Kaiser Nero schickte den römischen Feldherrn (und späteren Kaiser) Vespasian. Er rückte mit einer Streitmacht von etwa 60.000 Soldaten, zur Hälfte Legionäre, zu Hälfte Hilfstruppen, zunächst in Galiläa, dann in Judäa ein. Mit seinen Truppen zog er kreuz und quer durchs Land, um die jüdischen Aufständischen zu jagen. Dabei wurden zahlreiche Orte und Städte zerstört. Bei der Verfolgung und Niederschlagung der Aufständischen kamen auch große Teile der Zivilbevölkerung ums Leben. Als Vespasian 70 n. Chr. römischer Kaiser wurde, befahl er seinem Sohn Titus, den Judäa-Feldzug fortzufahren. Titus oblag schließlich auch die Belagerung Jerusalems. Mehr als 80.000 Soldaten (vier Legionen und Hilfstruppen) ließ Titus vor Jerusalem zusammenziehen. Mit großen Belagerungsmaschinen machten sich die Römer ans Werk und konnten schließlich die Stadt und den Tempelberg einnehmen. Es kam zu großen Zerstörungen. Große Teile der Bevölkerung von Jerusalem wurden getötet oder gefangen genommen.An einigen entlegenen Orten Judäas konnten sich noch jüdische Rebellen halten. So auf der schier uneinnehmbaren Festung Masada am Toten Meer. Doch 73 n. Chr. nahmen die Römer auch diese Hürde. Der römische Befehlshaber Silva ließ einen Wall um die Festung errichten und eine Rampe aufschichten, um die Belagerungsmaschinen gegen das Bollwerk aufzufahren. Als die Lage der Belagerten aussichtslos wurde, nahmen sich alle Menschen auf Masada, auch Frauen und Kinder, das Leben.Auch in den Jahren nach dem römisch-jüdischen Krieg kam es immer wieder zu Aufständen. So auch in den Jahren 115 bis 117 n. Chr. Zu jener Zeit hatte das Römische Reich den Zenit seiner Macht erreicht. Der Kaiser Trajan herrschte über ein Reich, dass von England bis nach Mesopotamien reichte. Allerdings ging die Revolte diesmal nicht von Judäa aus, sondern von der Diaspora der Juden in Nordafrika (Libyen und Ägypten), Zypern und im Nahen Osten, insbesondere in Mesopotamien. In der Kyrenaika, auf Zypern und in Ägyptern waren gewalttätige Auseinadersetzungen zwischen jüdischen und griechischen Bevölkerungsgruppen der Auslöser für die Unruhen. Alle Aufstände konnten von den Römern niedergeschlagen werden. In Judäa selbst brach im Jahre 131 n. Chr. ein neuer Aufstand aus, der bis 135 n. Chr. andauerte. Der Bar-Kochba-Aufstand, nach dem Anführer der Revolte, Simon Bar Kochba, benannt, den einige Juden als Messias betrachteten, breite sich von der Gegend um Jerusalem schnell über ganz Judäa aus. Nach dem Vorbild der Makkabäer agierten die Aufständischen mit einer Guerillataktik und wichen den römischen Legionen aus, um eine offene Feldschlacht zu vermeiden, bei denen sie hoffnungslos unterlegen gewesen wären. Die Römer wurden anfangs dieser Lage nicht Herr, bis der römische Befehlshaber Julius Severus diese Taktik übernahm und nach und nach die Rebellenstützpunkte belagerte und aushungerte und somit den Aufstand erstickte. Auch bei diesem Krieg waren die Verluste unter der jüdischen Bevölkerung groß. Jerusalem war nun vollends zerstört. Die römische Provinz Judäa wurde in Palästina bzw. genauer „Syria Palaestina“ umbenannt. Ein großer Teil der Juden verabschiedete sich in die Diaspora und verließ Palästina. Im weiteren Verlauf des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. entspannte sich die Lage der Juden in Palästina. Es begann eine friedliche Zeit der Pax Romana. Die Städte des Landes bekamen immer mehr römischen Charakter mit klassischen Bauten wie Thermen, Theatern usw. Die Infrastruktur wurde durch den Bau neuer Straßen und Aquädukte verbessert und dem römischen Standard angepasst. Zwar durften die in Palästina verbliebenen Juden bald wieder ihre Religion ausüben, doch war ihr Status als dominierende regionale Bevölkerungsgruppe endgültig verloren. Auch war Jerusalem, das nun in Colonia Aelia Capitolina umbenannte wurde, nicht mehr das Zentrum des Judentums. Die Juden wurden sogar bei Androhung von Todesstrafe daran gehindert, ihre alte Hauptstadt zu betreten. Der Kern der jüdischen Siedlungsgebiete verschob sich nach Galiläa, wo zahlreiche Synagogen errichtet wurden. Entwicklung des frühen Christentums:Während dieser in Palästina mittlerweile etwas ruhigeren Zeit lebten nicht nur mehr Juden in der Diaspora als in ihrer Heimat, wodurch in vielen Teilen des Reiches jüdische Gemeinden entstanden, sondern auch das Christentum, das in Judäa/Palästina seinen Anfang nahm, verbreitete sich im Römischen Reich. Im Reich und insbesondere in den großen Städten durchmischten sich immer Kulturen und Völker, so dass auch der Bedarf und die Neugier nach neuen Religionen und Kulten immer größer wurde. Es gab nicht wenige Römer und Griechen, die ihren Göttern der klassischen Antike überdrüssig waren und nach neuen spirituellen Angeboten suchten. Römische Legionäre brachten von ihren Auslandseinsätzen neue religiöse Ideen und Kulte mit. Darunter den Mithras-Kult aus Persien. Auch der Kult der Isis und des Osiris aus Ägypten fand in vielen Teilen des Römischen Reiches Anhänger. Von allen neuen Religionen dieser Zeit setzte sich das Christentum besonders nachhaltig durch. Nach den Reisen des Paulus und Petrus waren die Ideen des Christentums auch für Nichtjuden in Kleinasien, Griechenland und Italien interessant geworden. In Nordafrika (in der Region um Karthago und in der Kyrenaika), in Südspanien und Ägypten entstanden größere christliche Gemeinden. Besonders in Ägypten verbreite sich das Christentum schnell. Die Reaktion des Reiches auf diese neue Religion war wechselhaft. Mal wurden führende Persönlichkeiten hingerichtet (im 64 wurden Paulus enthauptet und Petrus gekreuzigt) und Christen verfolgt, mal florierten die ersten Gemeinden. Zwar war man in Rom tolerant gegenüber anderen Religionen, doch gab es ein gewisses Unverständnis gegenüber der Ausschließlichkeit, mit der die Christen und Juden nur einen einzigen Gott anbeteten. Für die Anhänger der meisten Religionen jener Zeit war es kein Problem, nebenher auch die römischen Götter anzubeten. Dies schloss die Kaiserkulte mit ein, denn manche römischen Kaiser ließen sich als Götter verehren. Doch die Christen und Juden verweigerten sich, römische Kaiser als Gottheiten anzubeten. Verbunden mit allerlei Gerüchten und Vorurteilen, die man gegen die Christen hegte, kam es zu mehren kleineren Christenverfolgungen unter den Kaisern Nero, Domitian und Trajan, und zu größeren Christenverfolgungen unter Decius, Valerian und Diokletian. Erst das Toleranzedikt von Mailand im Jahre 313 sorgte für endgültige Religionsfreiheit. Unter dem römischen Kaiser Konstantin dem Großen (Regierungszeit 306 bis 337) wurde das Christentum erstmals Religion des Kaiserhauses.


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Auswahl weiterführender Literatur

  • Aharoni, Yohanan und Michael Avi-Yonah, The Macmillan Bible Atlas, Jerusalem und New York 1993 (3. Aufl.).
  • Aharoni, Yohanan und Michael Avi-Yonah, Syria-Palestine II: From the Middle Bronze Age to the End of the Classical World (2200 B.C. – 324 A.D.), Genf 1979.
  • Clementz, Heinrich (Hrsg. u. Übersetzer.), Geschichte des Judäischen Krieges von Flavius Josephus, Stuttgart 2008.
  • Kuhnen, Hans-Peter, Palästina in griechisch-römischer Zeit, (Handbuch der Archäologie, Vorderasien Band II/2), München 1990.
  • Rogerson, John, Land der Bibel, (Weltatlas der alten Kulturen), München 1985.
  • Schäfer, Peter, Geschichte der Juden in der Antike. Die Juden Palästina von Alexander dem Großen bis zur arabischen Eroberung, Stuttgart 2010.
  • Schmoldt, Hans, Biblische Geschichte, Stuttgart 2000

 

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg