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Caesarea Maritima

Zu den schönsten und sehenswertesten archäologischen Stätten Israels gehört Caesarea Maritima, eine zum Nationalpark erklärte Ruinenstadt aus der Zeit der Römer und Kreuzfahrer. Die Stätte liegt malerisch an der Küste des Mittelmeeres.


Video zu Caesarea Maritima - eine Stadt des Herodes nördlich von Tel Aviv - © STERN TOURS

Die antike Ruinenstätte Caesarea Maritima liegt nahe der modernen Stadt Hadera, rund 50 Kilometer nördlich von Tel Aviv und 45 Kilometer südlich von Haifa . Nach ihrer Zerstörung im Mittelalter war Caesarea in Vergessenheit geraten. Viele Jahrhunderte lang war sie ein unbewohnter Ort. Erst im 19. Jahrhundert siedelten wieder Menschen auf ihren Ruinen: arabische Fischer und bosnische Händler. Im Jahre 1873 untersuchten britische Forscher des „Palestine Exploration Fund“ das Areal. Größere Ausgrabungen erfolgten zunächst nicht. Erst nach der Gründung des Staates Israel begann der Antikendienst mit neuen Untersuchungen. Ihr folgten Ausgrabungen durch die Hebräische Universität von Jerusalem . Die Archäologen legten eine erstaunliche Metropole des Altertums frei. Mitten zwischen den antiken Bauten kamen massive gotische Bauten aus der Kreuzfahrerzeit zutage. Die Erforschung der antiken Stätte ist bis heute noch nicht abgeschlossen. Zahlreiche Gebäude, wie das römische Theater, wurden teilrestauriert. Heute ist Caesarea eine beliebte Besichtigungsstätte für Touristen.

Prachtvolle Hafenstadt der Antike

Ursprünglich war der Ort ein kleiner phönizischer Hafen namens Migdal Sharshan. Im 4. Jahrhundert v. Chr. war er als Handelsdependance der Hafenstadt Sidon gegründet worden. Später kam er unter Kontrolle der Hafenstadt Dor. Über Migdal Sharshan wurden Waren aus der gesamten östlichen Mittelmeerregion gehandelt. Die Griechen nannten den Ort Stratonos Pyrgos. Der Hasmönäer Alexander Jannäus, von 103 bis 76 v. Chr. König von Juda und Hoherpriester in Jerusalem, konnte den Hafenort dem Herrscher von Don abkaufen. Damit wurde die Stadt Teil Judäas. Im Jahre 63 v. Chr. rückten römische Legionen nach Palästina vor. Der römische Feldherr Pompeius griff in den innerpalästinischen Bürger- und Erbfolgekrieg ein. Im Verlauf dieses Krieges wurde auch Jerusalem eingenommen. Der Hafenort Migdal Sharshan alias Stratonos Pyrgos wurde ebenfalls römisch. Unter der Herrschaft des Königs Herodes gab Octavian, der später unter dem Namen Augustus Kaiser wurde, den Hafenort an Judäa zurück. Das war im Jahre 31. v. Chr. Herodes ließ zum Dank die Stadt in Caesarea Maritima umtaufen. Mit Herodes begann der Bauboom. In den letzen zwanzig Jahren vor Christi Geburt ließ Herodes aus Caesarea eine der prächtigsten Hafenstädte der Levante werden, die allseits Bewunderung hervorrief. Der Geschichtsschreiber Flavius Josephus behauptete sogar, dass der Hafen von Caesarea größer als der Piräus von Athen gewesen sein soll. Um die Wellen des Meeres zu brechen und den Hafen zu schützen, wurden entlang einer Linie schwere Felsbrocken ins Wasser gelassen und anschließend ein Damm aufgeworfen. Am Hafen wuchs eine typische hellenistische Handelsmetropole heran mit großen Kaianlagen, Hafengebäuden, Palastanlagen und griechisch-römischen Tempeln. Herodes scheute keine Kosten und Mühen. Kostbarste Baumaterialen wurde hergeschafft. Als nach der herodianischen Epoche Judäa endgültig Provinz des Römischen Reiches wurde, avancierte Caesarea zur wichtigsten Hafenstadt. In den Jahren 26 bis 36 n. Chr. residierte in Caesarea Pontius Pilatus als Prokurater von Judäa. Es war derselbe Pontius Pilatus, der später über Jesus Christus richtete. Zur Stadtbevölkerung gehörten Griechen, Phönizier, Syrer, Römer und Judäer. Während eines antirömischen Aufstandes im Jahre 63 n. Chr. kam es in Caesarea zu Massakern an der jüdischen Bevölkerung. Die römischen Truppen verteidigten hauptsächlich die nichtjüdischen, vornehmlich griechischen Bewohner und gingen hart gegen die jüdischen Bevölkerungsteile vor. Tausende kamen ums Leben. Diese Aufstände trugen zur römerfeindlichen Stimmung in Palästina bei, die wenige Jahre später in einen landesweiten Bürgerkrieg mündeten. Nach der Zerstörung Jerusalem s im Jahre 70 n. Chr. durch die Römer wurde Caesarea die offizielle Hauptstadt der römischen Provinz Judäa. Schon ein Jahr zuvor war Neros Feldherr Vespasian in Caesarea zum römischen Kaiser ausgerufen worden. Im 2. Jahrhundert n. Chr. gab es in Caesarea eine der wichtigsten frühchristlichen Gemeinden. In spätrömischer und byzantinischer Zeit wurde die Stadt zu einem Zentrum der Christenheit. Berühmte Theologen, wie Origenes und Eusebius, wirkten und lehrten dort. Die Theologische Schule und Bibliothek von Caesarea genoss einen Ruf, wie außer in Alexandria kaum eine andere im Nahen Osten. Von 613 bis 629 war die Stadt von den Persern besetzt. Unter dem Sasanidenkönig Chosrau II. hatten die Perser Palästina und Ägypten erobert. In Caesarea kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den meist griechischstämmigen Christen und den Juden, die sich teilweise mit den Persern zusammengeschlossen hatten. Für die Juden war die persische Eroberung ein Ventil, mit dessen Hilfe sich soziale Spannungen entluden. Denn in byzantinischer Zeit fühlten sich die Juden von den dominierenden Christen benachteiligt. Doch schon 629 konnte der byzantinische Kaiser Herakleios I. Palästina zurückerobern. 639, nur zehn Jahre nach der byzantinischen Rückeroberung, fiel Palästina mitsamt Caesarea in die Hände der Araber.


Caesarea Maritima ist eine historische Stätte mit berühmten Ruinen - © STERN TOURS

Caesarea im Mittelalter

Im frühen Mittelalter konnte Caesarea nicht an seine alte Bedeutung anschließen. Die Hafenmetropole war zu einer Provinzstadt geworden. Das änderte sich mit den Kreuzfahrern. Im Jahre 1101 wurde Caesarea von den Rittern König Balduins I. erobert. Wie in Jerusalem , kam es auch bei der Einnahme Caesareas zu einem blutigen Gemetzel an der muslimischen Bevölkerung. Unter den Kreuzfahrern wurde Césarée, wie sie die Stadt nannten, wieder zu einer großen Hafenmetropole. Die Kreuzfahrer waren von der Unterstützung aus Übersee abhängig. Der Seehandel mit Venedig und Genua war die wirtschaftliche Existenzgrundlage der Kreuzritterstaaten. Auch wenn die Stadt nicht mehr die flächenmäßigen Ausmaße ihrer antiken Vorgängerin erreichte, wurden dennoch prächtige Bauwerke, insbesondere Kirchenbauten und Befestigungsanlagen errichtet. Zwischenzeitig kam Caesarea unter die Herrschaft Sultan Saladins. Seine Truppen eroberten die Stadt im Jahre 1187 und zerstörten zahlreiche Gebäude und Befestigungswerke. Doch nur vier Jahre später kamen die Kreuzfahrer zurück, diesmal unter dem Banner des Königs Richard Löwenherz von England. Die zerstörten Bauwerke wurden wieder aufgerichtet und die Stadtanlagen erweitert. 1221 fiel die Stadt erneut für kurze Zeit an die Araber. Doch schon 1229 konnte der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. in einem Friedensvertrag mit dem ägyptischen Sultan el-Kamil Teile der alten Kreuzfahrergebiete auf diplomatische Weise zurückgewinnen, darunter auch Caesarea. Um für einen neuen arabischen Eroberungsversuch gewappnet zu sein, wurden die Stadtmauer stärker befestigt als je zuvor. Doch diese Mühen waren umsonst. Denn schon 1265 erobert der ägyptische Mameluken-Sultan Baibars die Stadt. Die Mameluken ließen die Festungen schleifen und die Bauwerke zerstören. Nach wenigen Jahrzehnten war Caesarea eine verlassene Ruinenstätte. Sie blieb es bis zum 19. Jahrhundert.

Kibbuz Sdot Yam

1940 wurde unmittelbar südlich der Ruinenstätte von Caesarea der Kibbuz Sdot Yam gegründet. Die Bewohner des Kibbuz leben von der Fischerei, Plantagenwirtschaft und vom Tourismus in Caesarea Maritima. Seit den 1980er Jahren ist die Firma Caesarstone Sdot-Yam der wichtigste Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber vor Ort. In den Werken des Unternehmens werden Quarzsteinplatten poliert. Das Werksgelände liegt direkt hinter dem römischen Amphitheater.

Besichtigung der Ruinen von Caesarea Maritima

Die Ruinenstätte von Caesarea ist bestens für den Tourismus präpariert. Der Spaziergang durch den archäologischen Park verbindet die Atmosphäre eines großen Freilichtmuseums mit dem einer Erholungsanlage, inklusive Cafè, Restaurant, abgesicherten Wegen und dem Blick aufs offene Meer. Bauhistorisch konnten drei Stadtmauern identifiziert werden. Die äußere stammt aus spätbyzantinischer Zeit. In dieser Epoche hatte die Stadt die höchste Einwohnerzahl und größte Ausdehnung. Die mittlere wurde zur Zeit des Königs Herodes errichtet. Von beiden Stadtmauerringen wurden nur Teilabschnitte ausgegraben und erforscht. Von diesen Mauerabschnitten ist heute nur noch wenig zu sehen. Die flächen dazwischen werden heute für die Landwirtschaft genutzt. Im Gebiet des archäologischen Parks gelegen sowie wesentlich beeindruckender und insbesondere am Stadttor besser erhalten ist die innere Stadtmauer, die aus der Kreuzfahrerzeit stammt. Mit rund 1,2 Kilometer Länge umfasste diese mittelalterliche Mauer ein wesentlich kleineres Areal als die antiken Mauern. Dafür war sie allerdings befestigungstechnisch weitaus mächtiger. Mit ihren Vor- und Rücksprüngen und wuchtigen Bastionen orientierte sich ihre Architektur an den damals vorbildlichen Stadtbefestigungsanlagen Konstantinopels. Ganz im Süden des Areals steht das römische Theater. Die halbrunde Zuschauertribüne wurde umfangreich restauriert und wird heute für Kulturveranstaltungen und Musikfestivals genutzt. Das antike Bühnengebäude ist nicht mehr erhalten. Etwas nordwestlich des römischen Amphitheaters befinden sich am Meeresufer die Ruinen eines kleineren Hippodroms aus der Zeit des Königs Herodes. Insbesondere im südlichen Abschnitt sind noch Teile der Zuschauertribünen erhalten. Ganz im Osten des alten Stadtgebietes von Caesarea (und außerhalb des eigentlichen archäologischen Parks) findet man die Überreste des großen Hippodroms aus römischer Zeit. Der Erhaltungszustand ist allerdings schlecht. Auf der Tribüne der Pferderennbahn konnten bis zu 20.000 Menschen Platz nehmen. Auf einer kleinen Landzunge östliche des römischen Theaters sind Ruinen eines Palastes des Herodes ausgegraben worden. Hier stehen noch einige Säulen aufrecht. Im Zentrum der Ruinenstadt, innerhalb der oben erwähnten Kreuzfahrermauern, befinden sich die meisten noch erhaltenen Gebäude. Dazu gehört die künstliche Akropolis des Herodes. Weil zu einer typisch hellenistischen Stadt eine Akropolis mit Tempel und Palast gehörte, jedoch im Stadtgebiet keine natürlich Erhebung vorhanden war, ließ Herodes eine künstliche Plattform errichten, die von massiven Gewölben getragen wurde. Teile dieser Gewölbeanlagen sind noch erhalten. So war eine Terrasse geschaffen, die dem Augustustempel und Herodespalast eine erhöhte und somit weithin sichtbare Lage verschaffte. Südlich der künstlichen Akropolis wurden die Ruinen der kreuzfahrerzeitlichen Kathedrale des Heiligen Paulus ausgegraben. Bauhistorisch ist sie der Nachfolgebau einer frühmittelalterlichen Moschee, die wiederum auf den Überresten einer spätantiken Basilika errichtet war. Die Mosche mit dem pittoresken Minarett am alten Hafen stammt aus dem 19. Jahrhundert, als sich nach langer Abwesenheit wieder muslimische Fischer und Händler inmitten der Ruinen niederließen. Am Hafen ragt eine schmale Landzunge ins Meer. Auf dieser Landzunge stehen die Überreste alter Kreuzfahrerbauten. Nördlich der Ruinenstätte von Caesarea kann man die Überreste zweier alter Aquädukte besichtigen. Von Herodes stammt der hohe Aquädukt, von dem noch 28 Bögen aufrecht stehen. Über diese Wasserleitung wurde Caesarea mit Süßwasser aus Galiläa versorgt. Aus der römischen Kaiserzeit stammt der tiefere Aquädukt.

Mirco Hüneburg