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Quellregion des Banyas - Nahal Banyas

Der Banyas (Nahal Banyas) ist neben dem Dan und Hazbani einer der drei Quellflüsse des Jordan. Er entspringt am Westhang des Hermon -Gebirges im Norden der Golanhöhen und wird deshalb auch Hermonfluss (Nahal Hermon) genannt. Die landschaftlich reizvolle Quellregion mit ihren archäologischen Denkmälern wurde zum Nationalpark erklärt.

Der Name Banyas (Banjas, arab. Baniyas) leitet sich vom griechischen Wort Paneas ab. Der Name spielt auf den griechischen Hirtengott Pan an, nach dem die Panflöte benannt ist. Pan wurde in der Regel als Mischwesen dargestellt, halb Mensch, halb Ziegenbock. In hellenistischer Zeit stand an der Quelle des Banyas ein Heiligtum dieses Gottes. An dieser Stelle hatte es zuvor bereits eine kanaanitische Kultstätte gegeben, an der eine altsemitische Naturgottheit verehrt wurde.

In der klassischen Antike war das Gebiet zwischen den Seleukiden aus Syrien und den Ptolemäern aus Ägypten umkämpft, bis es schließlich von den Römern besetzt wurde. Der römische Kaiser Augustus überantwortete die Herrschaft über das Gebiet von Banyas dem judäischen Vasallenkönig Herodes den Großen. Unter Herodes wurden in ganz Palästina zahlreiche Städte errichtet oder ausgebaut. Die Bevölkerung nahm zu, ebenso der Reichtum aus dem Handel. In diesem Kontext wurde auch in Banyas eifrig gebaut. Zum Dank ließ Herodes in Banyas einen Tempel für den römischen Kaiser Augustus errichten.

Der Sohn des Herodes, Herodes Philippos, der in den Jahren 4. v. Chr. bis 34 n. Chr. als Gouverneur (genauer gesagt als Tetrarch, d.h. einer von vier Herrschern in Palästina) über diese Region (damals Ituräa genannt) herrschte, benannte den Ort zur Würdigung der römischen Herrscher in Caesarea Philippi um. Herodes Agrippa II., der in der Zeit von 50 bis 70 n. Chr. als römischer Vasallenkönig Judäa regierte und als Oberaufseher des Jerusalem er Tempels ein religiöses Oberhaupt der Juden war, ließ in Banyas / Paneas einen Palast errichten, von dem archäologische Ausgrabungen Ruinenreste zutage gefördert haben. Als in der byzantinischen Spätantike das Christentum zur dominierenden Religion des Nahen Ostens avancierte, wurde die Stadt Bischofssitz. In dieser Zeit wurde der Ort wieder offiziell Banyas / Paneas genannt.

Besichtigung

Zwischen den einzelnen Sehnenswürdigkeiten der Banyas-Quellregion liegen zum Teil mehrere Kilometer. Sie können einzeln mit dem Auto angefahren werden. Allerdings sind die Wege durch die üppig grüne Quellflusslandschaft des Naturreservates mit dem plätschernden Bach und seinen Schilfufern eine ausgiebige Wanderung wert. Rund eineinhalb Stunden Fußmarsch flussabwärts von der Quelle gibt es einen fast zehn Meter hohen Wasserfall. Die Wanderrouten sind bestens präpariert.

Grotte des Pan (Banyas Höhle)

An der Front einer hohen, rötlich schimmernden Felswand öffnet sich eine große Grotte. Hier entspringt der Banyas. Bevor durch ein Erdbeben Felsbrocken abbrachen und den Quellfluss in seinem Lauf aufhielten, kam der Banyas aus der Grotte geflossen. Die Quelle selbst wurde als Heiligtum betrachtet. Statuen und Figuren des Hirtengottes Pan waren hier aufgestellt, Kulte wurden zelebriert. Auffällige Spuren dieses Heiligtums sind die fünf Felsnischen, in denen vermutlich Statuen des Gottes Pan standen. Vor der Felswand mit der Grotte befinden sich die Ruinen des alten Tempels von Herodes dem Großen.

Palast des Agrippa II.

Umgeben von üppiger Vegetation liegen die Ruinenreste des stark zerstörten Palastes von Agrippa II. Die Ruinen stehen größtenteils nur noch wenige Meter hoch an. Es handelt sich um die Fundamente und Mauerreste von Türmen, repräsentativen Räumen und antiken Wasserleitungen. Bisher ist nur ein Teil der Palastanlagen ausgegraben. Agrippa II. war ein Verehrer des römischen Kaisers Nero: Er benannte Bayas bzw. Caesarea Philippi in Caesarea Philippi Neronis um.

Rund 10 Kilometer bzw. etwa 20 Minuten Autofahrt in Richtung Nordosten befindet sich das Ausflugsziel der Nimrodsburg, deren Besichtigung sich hervorragend mit einem Besuch in Banyas kombinieren lässt:

Nimrodsburg (Burg Nimrod, Qala’at Nimrud, Qala’at Subeiba, Mivtzar Namrud)

Auf einem hohen Hügel (800 Meter über dem Meeresspiegel) thront die mächtige Nimrodsburg, eine große mittelalterliche Festung. Sie ist Teil eines eigenen Nationalparks, zu dem auch die umliegende Landschaft gehört. Von den imposanten Ruinen, eingebettet in die Hügellandschaft, hat man eine herrliche Aussicht auf das mehr als 300 Meter tiefer gelegene Tal.

Der Name Nimrodsburg (Qala’at Nimrod) hat keinen realen historischen Bezug. Es handelt sich vielmehr um einen religiösen Erklärungsversuch der dortigen drusischen Bevölkerung, die Ruinen dem altorientalischen König Nimrod zuzuschreiben. In Alten Testament wird er als König von Babylonien und Mesopotamien und als Urenkel Noahs beschrieben. Die Bezeichnung Burg Subeiba (Qala’at Subeiba) bedeutet soviel wie „Burg der Fliege“ und spielt auf eine Sagenanekdote an. Nach ihr soll eine Fliege durch die Nase ins Gehirn des Nimrod gekrochen sein, woran dieser schließlich qualvoll starb.

Vermutlich war der Hügel schon im Altertum sporadisch besiedelt. Spätesten im Hochmittelalter wurde er stark befestigt. Die Architektur der Festung verrät, dass die Festungen der Araber und die Kreuzfahrerburgen in jener Zeit vergleichbar waren, denn sie wechselten häufig den mal arabischen, mal fränkischen Besitzer und wurde ständig umgebaut. Dabei lernten beide Seiten von der jeweiligen Festungsarchitektur das anderen. Von 1126 bis 1130 war die Burg ein Stützpunkt der radikalreligiösen Assassinen, einer Abspaltung der schiitischen Ismaeliten. Anschließend war die Festung für kurze Zeit in der Hand des Kreuzfahrergrafen Renier des Brus, der die Burg als Schutzfeste für das Bistum Banyas ausbauen ließ. Wegen ihrer strategischen Lage war die Festung immer wieder zwischen Kreuzfahrern und Muslimen umkämpft und belagert.

Die meisten Abschnitte der Ruinen, die heute noch zu sehen sind, stammen aus dem 11. bis 13. Jahrhundert. In den Jahren 1229 bis 1230 ließ der ägyptisch-syrische Ayyubiden-Sultan Abd al-Malik al-Aziz Uthman, ein Sohn des Sultan Saladin, die Festung erweitern und ausbauen. Die Ayyubiden waren ein Herrschergeschlecht, das um 1200 ein vorderorientalisches Reich beherrschte, zu dem Ägypten, Ostarabien und Syrien gehörten. Im Jahre 1260 wurde die Festung unter Sultan Baibars I. erneut verstärkt.

Zur Besichtigung: Die Festungsanlage von Nimrod erstreckt sich über eine Länge von rund 430 Meter in südnördliche Richtung. Noch heute imponieren die gewaltigen Überreste der eckigen Bastionen und Türme der Südburg. Etwas kleiner sind die Türme und Bastionen der langen Ostmauer. Die Westmauer ist weniger gut befestigt gewesen, was am steilen Naturabhang des Hügels lag, der einen Angriff von dieser Seite unmöglich machte. Von hier aus führte ein unterirdischer Fluchtweg aus der Burg. Im Norden befindet sich der Donjon, der zentrale Festungsbau der Burg, mit den Überresten der Wohngebäude und Rittersäle. Der nördlichste Rundturm der Burg steht auf einem Felsvorsprung.

Weitere Ausflugsziele in der Nähe:

Wenige Kilometer südwestlich von Banyas sind Tel Dan und die Hula-Ebene sehenswert. Ihr Besuch kann mit einer Rundtour zu den Golan-Höhen und dem Besuch in Banyas ideal verknüpft werden.

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg