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Nazareth

Jesus von Nazareth – Der Name des Messias und der Name seiner Jungendstadt bleiben auf ewig verbunden. Heute ist Nazareth einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Christenheit. Hauptsehenswürdigkeit ist die Verkündigungskirche mit der Mariengrotte.


Video zur Verkündigungskirche von Nazareth - Teil 1 - © STERN TOURS

In der Josefskirche zu Nazareth
Verkuendigungsbasilika in Nazareth
Grotte der Maria in der Verkuendigungsbasilika

Im Herzen Galiläas liegt Nazareth . Nach Nordwesten breitet sich die Jesreelebene aus. Rund 30 Kilometer nordöstlich liegt der See Genezareth. Bis zur Küste nach Akko und Haifa sind es etwa 40 Kilometer. Die Landschaft ist grün und hügelig.

Auf Hebräisch wird der historische Ort „Nazerat“ und auf Arabisch „el-Nasra“ (gesprochen „an-Nasra“ bzw. „en-Nasra“) genannt. Die Mehrheit der rund 80.000 Bewohner sind arabische Bürger Israels. Früher waren sie zumeist Christen. Heute sind sie zu einem Drittel Christen und zu zwei Dritteln Muslime. Unweit des historischen Nazareth liegt eine moderne Stadt namens Nazerat Illit, in der hauptsächlich jüdische Israelis leben. Sie wurde 1957 als jüdische Siedlergemeinde gegründet. Die meisten Touristen und Pilger beschränken ihren Besuch allerdings auf die alte Stadt Nazareth selbst.

Ohne die historische und religiöse Verknüpfung mit der Person Jesu hätte der Ort Nazareth niemals seine heutige Bedeutung erlangt. Denn vor Entstehung des Neuen Testaments ist die Stadt weder urkundlich noch sonst schriftlich bezeugt. Zwar sind archäologische Siedlungsbefunde aus kanaanäischer Zeit belegt, doch war der Ort nicht bedeutend. Das änderte sich erst mit dem Christentum. Die Wallfahrt hatte Nazareth wachsen lassen. Durch den Bau zahlreicher Kirchen und Klöster und den Strom jährlich anreisender Pilger wurde aus dem Dorf eine kleine Stadt, die mit Höhen und Tiefen die letzten zweitausend Jahre überdauert hat.

Die Verkündigungskirche von Nazareth

Nazareth nicht nur der Ort der Kindheit Jesu, sondern auch der Ort der Verkündung seiner Ankunft. Nach christlichem Glauben war der jungen Frau Maria der Erzengel Gabriel erschienen (Lukas 1, 26-38), der als Gesandter Gottes er ihr die Empfängnis und Geburt des Heilands verkündete.


Video zur Verkündigungskirche von Nazareth (Rundgang) - Teil 2 - © STERN TOURS

Wörtlich heißt es im Neuen Testament (Lukas 1, 31-33, in der Übersetzung Martin Luthers): „Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.“ Diese Szene mit dem Erzengel Gabriel und Maria ist seit dem Mittelalter und der Renaissance ein beliebtes Bildmotiv der abendländischen Kirchenkunst. Weltberühmt sind der Dresdner Triptychon des Jan van Eyck oder das Gemälde von Leonardo da Vinci und Andrea del Verrocchio in Florenz.

Nach römisch-katholischer Überlieferung war der Ort der Verkündigung in einer Grotte, auch wenn davon in der Bibel nicht explizit die Rede ist und auch die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kirchenbilder zumeist oberirdische Räumlichkeiten zeigen. Tatsächlich handelt es sich wohl um mündliche Überlieferungen von frühchristlichen Pilgern, denen in Nazareth eine Grotte gezeigt wurde, in welcher Maria zeitweise gewohnt haben soll. Vermutlich war dies eine Höhle, die in der Antike als Vorratskeller eines darüber errichteten Wohnhauses diente. In dieser Grotte wurde ein Altar aufgestellt und darüber eine Basilika errichtet. Dies ist heute der Ort der Verkündigungskirche.

Die Verkündigungskirche (auch Mariae-Verkündigung-Kirche genannt) ist eine der größten Kirchen in Israel. Der heutige Kirchenbau stammt aus dem Jahre 1969. Architekt war der Italiener Giovanni Muzio. Fast zehn Jahre hat der Bau der Kirche gedauert. Doch an ihrer Stelle standen schon vier ältere Vorgängerkirchenbauten. Die älteste wurde in römischer Zeit für die noch kleine christliche Gemeinde im Ort errichtet. Sie war noch im Stile der antiken Synagogen gebaut gewesen. Nachdem das Christentum größere Verbreitung erfuhr und in byzantinischer Zeit zur Staatsreligion avanciert war, wurde Ende des 4. Jahrhunderts eine neue und größere Basilika errichtet. Schließlich wurde zur Zeit der Kreuzfahrer, im 12. Jahrhundert, einen neue, rund 30 mal 70 Meter große Kirche mit dicken Mauern erbaut, die jedoch von den arabischen Eroberern wieder zerstört wurde. Dann, im Jahre 1730, ließen die Franziskaner eine neue Kirche errichten. Doch diese Kirche wurde in den 1950er Jahren abgerissen, um einem größeren Nachfolgebau Platz zu machen.

Die Architektur des modernen Kirchenbaus von 1969 ist ungewöhnlich, modern, aber hervorragend auf den heiligen Ort abgestimmt. Es gibt ein unteres Stockwerk, das man durch das Hauptportal im Westen betritt, und ein oberes Stockwerk. Alte Mauerreste aus der Kreuzfahrerzeit wurden in die modernen Mauern integriert. Obwohl es sich im Grunde um eine dreischiffige Basilika handelt, dreht sich alles um den Zentralbau, in dessen Mitte sich in einem Oktogon die antiken Ruinen mit dem Eingangsbereich zur unterirdischen Mariengrotte und ein moderner Altar für den Gottesdienst befinden. Das obere Stockwerk wird einfach Marienkirche genannt. Hier finden die regulären Gottesdienste statt. Die zentrale Stelle des Hauptbaus wird oben von einer kegelförmigen Kuppel bekrönt. Gemeinden aus aller Welt haben Mosaike, Bildhauerkunst und Fensterdekorationen gespendet. Die gesamte Kirche ist mit ihrem Interieur ein Sammelsurium moderner Kirchenkunst von feinster Güte. Schon die Reliefbilder der drei Portale der Westseite der Kirche, die von dem deutschen Künstler Roland Friedrichsen stammen, sind beeindruckend gestaltet.

An der Nordseite der Kirche steht eine kleine moderne Taufkapelle. Darunter sind archäologische Ausgrabungen aus der Antike zu sehen.

Weitere Kirchen und Klöster in Nazareth

Die Verkündigungskirche repräsentiert die katholische Kirche in Nazareth. Doch auch die anderen christlichen Konfessionen sind mit Kirchen und Klöstern vertreten. Als sehenswerte Beispiele seien folgende aufgeführt:

Die St. Josephs-Kirche (kurz: Josefskirche)

Ein wichtiger Kirchenbau der Franziskaner in Nazareth ist die Josefskirche, die zu Ehren des Vaters von Jesus errichtet wurde. Sie steht, nur rund 200 Meter entfernt, nordöstlich der Verkündigungskirche und wurde, wie selbige, an der Stelle älterer Vorgängerbauten aus der Antike und der mittelalterlichen Kreuzfahrerzeit errichtet. Der Überlieferung nach hatte Josef an diesem Ort seine Wohnung und Zimmermannswerkstatt, in welcher der junge Jesus seine Handwerksausbildung erhielt. Auch hier dient wieder eine kleine Grotte (bis zu 10 Meter lang und fast 5 Meter breit) unterhalb der Kirche als Hinweis auf einen antiken Vorratkeller für das einst darüber stehenden Haus des Josef.

Errichtet wurde die heutige Kirche im Jahre 1914. Der Baustil ist neoromanisch. Er orientiert sich an dem Stil einer typischen antiken Basilika mit dreischiffiger Innengestaltung. Die Innenwände sind undekoriert. Lediglich an der Rückwand der Apsis und der Seitenschiffe sieht man in der Halbkuppel bunte Wandmalereien. Auch die Fenster sind mit buntem Glas ausgestattet. Hauptmotiv der Wandmalerei in der Apsis ist die Darstellung der Heilige Familie: Maria, Josef und der junge Jesus.

Mensa Christi – Kirche

Ebenfalls katholisch und auf die Franziskaner zurückgehend ist die Mensa Christi. Ihr Name verweist auf einen Felsblock, auf dem Jesus und seine Jünger gespeist haben sollen. Dieser Felsblock wird als Mensa Christi, als Tisch Christi verehrt. Die Kirche ist als Kuppelbasilika in ihrem Baustil an die byzantinische Kirchenarchitekturtradition angelehnt. Errichtet wurde sie 1861.

Synagogenkirche

Dis Synagogenkirche befindet sich inmitten der Altstadt von Nazareth im Bereich des Bazarviertels. Sie gehört der Melkitischen Griechisch-Katholischen Kirche an. Die Melkiten waren ursprünglich griechischstämmige Christen, die im Nahen Osten siedelten. Die Kirche der Melkiten ist gespalten: Ein Teil hat sich der römisch-katholischen, ein anderer der griechisch-orthodoxen Kirche angeschlossen. Die Synagogenkirche in Nazareth hat ihren Namen wegen der Ruinen einer kleinen Synagoge erhalten. In dieser Synagoge soll angeblich Jesus gebetet haben. Reste dieser Synagogenruinen sind noch erhalten. Allerdings gibt es die baushistorische Vermutung, dass diese Ruinen erst aus byzantinischer Zeit stammen.

Gabrielskirche

Aus dem Jahre 1767 stammt die griechisch-orthodoxe Gabrielskirche. Es handelt sich um die orthodoxe Variante der Verkündigungskirche. In unmittelbarer Nähe der Kirche befindet sich eine Höhle mit einer Quelle. An dieser Quelle soll der Jungfrau Maria der Erzengel Gabriel erschienen sein. Damit verehren die griechisch-orthodoxen Christen einen anderen Ort als Stätte der Verkündigung als die römisch-katholische Kirche. Die griechisch-orthodoxe Kirche bezieht sich auf eine Überlieferung in dem Protoevangelium des Jakobus, einer frühen christlichen Schrift aus dem 2. Jahrhundert, die insbesondere in den östlichen Kirchen Beachtung fand. Da die Quelle bei der Kirche die einzige Süßwasserquelle des Ortes ist, kann nur sie diejenige sein, auf die sich die Verkündigungserzählung nach Jakobus beruft.

Weitere religiöse Bauten und Institutionen in Nazareth sind unter anderem das Franziskanerinnenkloster, die Basilika zum Jungen Jesus, das Salesianerkloster, die Kirche St. Margarete, die griechisch-orthodoxe Bischofskirche, die Baptistenkirche, die Kirche der (ägyptischen) Kopten, das Franziskanerkloster, das Kloster der Damen von Nazareth, das Karmeliterkloster von Nazareth, die Nazarener-Kirche sowie für die Muslime die Weiße Moschee im Stadtzentrum und dreihundert Meter östlich davon die As-Salam-Moschee.

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg