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Megiddo

Ruinen von Megiddo
Ruinen des alten Stadttores von Megiddo

Israel ist kleines Land mit großer Geschichte . Überall stößt man auf Spuren alter Kulturen und historischer Geschehnisse. Die alten Ruinen mögen auf dem ersten Blick unscheinbar wirken. Doch wenn sie zu erzählen beginnen, ist man ergriffen von den Schicksalen, die sich mit dem Ort verbinden.

Megiddo, rund 35 Kilometer südöstlich von Haifa , ist so ein geschichtsträchtiger Ort. Nicht nur, dass der Ruinenhügel von Jahrtausenden kanaanäischer und israelitischer Siedlungsgeschichte erzählt. Der Blick vom Hügel auf das weite Tal der Jesreelebene verrät auch, dass sich hier das Land großer historischer Schlachten ausbreitet. Die weite Ebene um Megiddo war über Jahrtausende militärisches Aufmarschgebiet, von biblischen Kämpfen bis zum Ersten Weltkrieg. Megiddo ist das Armageddon in der Offenbarung des Johannes, der Ort der Entscheidungsschlacht am Ende aller Zeiten.

Die Ruinen von Megiddo sind Teil eines archäologisch-historischen Nationalparks und UNESCO-Weltkulturerbe. Zum Gelände gehört ein Museum, in dem die Geschichte des Ortes und die historischen Ereignisse der Region dem Besucher anschaulich erörtert werden.

Jesreelebene

Israel ist ein Land der Hügel. Flache Ebenen gibt es nur wenige. Die Jesrseelebene (Ebene Jesreel, Jezreelebene, Jesreeltal) ist die größte des Landes. Im Südwesten wird sie vom Karmelgebirge flankiert. Nach Osten reicht die Ebene bis ins Jordantal. Die Jesreelebene trennt als natürliche Grenze die Hügellandschaften Samarias und Galiläas. Das Tal ist sehr fruchtbar und wird landwirtschaftlich intensiv genutzt.

Tal historischer Schlachten

Im Ersten Weltkrieg war die Landschaft um Megiddo Ort der Schlacht zwischen den Truppen des britischen Generals Edmund Allenby (1861-1936) und der türkischen Armee. Palästina gehörte noch zum Osmanischen Reich, das im Ersten Weltkrieg auf der Seite Deutschlands und Österreich-Ungarns gegen Großbritannien und Frankreich kämpfte. Von Ägypten aus versuchte Großbritannien, über Palästina nach Syrien vorzudringen. Jerusalem war bereits 1917 erobert. Im Osten war Bagdad eingenommen, und aus dem Innern Arabiens drangen die Beduinentruppen unter Fürst Feisal und T.E. Lawrence („Lawrence von Arabien“) gegen die Türken vor. In den Tagen vom 18. bis 19. September 1918 stießen die alliierten Truppen bei Megiddo auf das osmanische Heer. Es kam zur Entscheidungsschlacht um die militärische Vorherrschaft in der Levante. Insgesamt waren fast hunderttausend Soldaten an dieser Schlacht beteiligt. Großbritannien ging als Sieger hervor.

Wie für Feldherren üblich, soll Allenby vor Kampfbeginn einen komplexen Schlachtplan ausgearbeitet haben. Um keine Informationen unberücksichtigt zu lassen, wurden die biblischen und historischen Schlachten studiert. Und derer gab es viele. Die Ebene Jesreel mit ihrer Tallandschaft rund um den Berg Tabor und den Ruinenhügel Megiddo war so berühmt und berüchtigt für Entscheidungsschlachten, dass in der Offenbarung des Johannes (16:16) der Ort der apokalyptischen Endschlacht zwischen Gut und Böse in Armageddon (griechisch für Har Megiddo – „Hügel Megiddo“) verortete wurde. So war es eigentümlich, dass auch die Entscheidungsschlacht an der Nahostfront des Ersten Weltkrieges ausgerechnet hier stattfand.

Auch wenn der Krieg so alt wie die Menschheit ist, so ist von den meisten Schlachten des frühen Altertums wenig mehr bekannt als die Namen der Gegner und die Triumphbotschaft des Siegers. Eine der ersten historischen Schlachten, die der Nachwelt bis ins Detail überliefert ist, fand bei Megiddo im 15. Jahrhundert v. Chr. statt. Es handelt sich um die Schlacht des ägyptischen Pharao Thutmosis III. gegen ein Bündnis der Kanaanäer. Diese Schlacht war offensichtlich sehr bedeutsam, denn ihr genauer Verlauf ist detailgetreu in Hieroglyphenschrift im ägyptischen Tempel von Karnak bei Luxor aufgezeichnet. Auch auf verschiedenen Steinstelen und in einem bedeutenden Tempel im Sudan finden sich schriftliche Aufzeichnungen dieser Schlacht. Der ägyptische Pharao Thutmosis III. war mit seinen Truppen nach Palästina und Syrien gezogen, um abgefallene kanaanäische Vasallenstaaten zu disziplinieren. Bei Megiddo verbündeten sich Anführer der Kanaanäer und Syrer um den Fürsten der Stadt Kadesch. In der Jesreelebene erwarteten sie die heranrückenden ägyptischen Truppen. Der ägyptische Pharao entschied sich, der Überlieferung zufolge, gegen den Rat seiner Offiziere für einen schnellen Direktmarsch durch eine strategisch gefährliche Schlucht im Karmelgebirge, um schnellstmöglich dem Feind entgegenzutreten. Die Gegner erwarteten ihn an zwei anderen Stellen des Tales und waren vom Eintreffen der Ägypter überrascht. Diesen Überraschungserfolg konnten die Ägypter aber nur teilweise nutzen, denn große Teile der Kanaanäer und Syrer flohen in die Stadtbefestigung von Megiddo. Dann folgte die Belagerung der Stadt. Der Pharao ließ sie mit einem Belagerungswall umgeben und versuchte sie auszuhungern. Schließlich gaben die Belagerten auf und ergaben sich dem Pharao. Die reichen Schätze aus der Stadt wurden in den Tempel von Karnak gebracht.

Von den zahlreichen biblischen Schlachten in der Jesreelebene war die Schlacht bei Megiddo um 609 v. Chr. von besonderer Bedeutung. Es war die Schicksalsschlacht des Königs Josia von Juda. Zu jener Zeit herrschte in Ägypten Pharao Necho II., der sein Land am Nil zu neuer Blüte führte. Zur gleichen Zeit erlebte das Babylonische Reich zwischen Euphrat und Tigris (heute Syrien und Irak) einen großen Aufschwung. Das Königreich Juda stand als Pufferstaat zwischen beiden Großmächten. Als die Ägypter durch Palästina nach Syrien zogen, um die Assyrer im Kampf gegen Babylon zu unterstützen, glaubte Josia, sich der heranrückenden Streitmacht mit seinen Kriegern entgegenstellen zu können. Doch sein Heer wurde bei Megiddo von den Ägyptern und ihren griechischen Söldnern aufgerieben. König Josia kam zu Tode. Das Königreich Juda verlor seine Unabhängigkeit. Die folgenden Jahre wurde Palästina zum Spielball der Großmächte und Jerusalem schließlich vom babylonischen König Nebukadnezar erobert.

1799 zog Napoleon Bonaparte mit seinen französischen Truppen durch die Ebene Jesreel. Er war von Ägypten ausgezogen, um in Syrien den Türken entgegenzutreten. Nördlich von Megiddo, in der Nähe des Berg Tabors, kam es zu einer heftigen Schlacht der Franzosen gegen rund 20.000 Mamluken.

Stadtgeschichte des Tells von Megiddo (Tel Megiddo, Tell el-Mutasallim)

Die untersten und somit ältesten Schichten des Siedlungshügels von Megiddo verraten die Lager von jungsteinzeitlichen Jägern und Sammlern. Aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. stammen die ersten Hinweise auf feste Siedlungen und ein Heiligtum. Im frühen 3. Jahrtausend v. Chr., der Frühbronzezeit, war die Siedlung angewachsen und mit einer Befestigungsmauer aus Lehmziegeln umgeben. Es war eine typische kanaanäische Siedlung mit einem Tempel in der Mitte. Der alte Tempel bestand aus einem Hauptraum mit zwei Säulen, einem Eingangsportikus, ebenfalls mit zwei Säulen, und einem runden Hochaltar hinter der Tempelrückwand. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte wurden die Tempelbauten und Stadtbefestigungen erneuert und erweitert. In der mittleren Bronzezeit, d.h. Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr., wurden die Stadtmauer durch zusätzliche Steinwälle verstärkt. Dies war die Zeit der Hyksos, Herrscher über ein Bündnis semitischer Stadtstaaten, die den Handel der Levante und Nordägyptens kontrollierten. Im 15. Jahrhundert v. Chr. eroberte der ägyptische Pharao Thutmosis III. Megiddo. Seitdem war die Stadt, wie die meisten in Palästina, Teil des ägyptischen Hoheitsgebietes. Die Stadtbefestigung von Megiddo blieb noch einige Jahre bedeutsam. Keramikfunde beweisen einen regen Handelsaustausch mit Syrien und den mykenischen Kulturen der Ägäis. Zerstörungshorizonte in den Besiedlungsschichten des 14. Jahrhundert beweisen, dass die Stadt sich von Ägypten abwandte und anschließend durch die Pharaonen zurückerobert werden musste.

Im 11. Jahrhundert v. Chr. (frühe Eisenzeit) wurde die Stadt erneut zerstört und anschließend nur sporadisch wieder aufgebaut. Für zwei Jahrhunderte deuten die Ruinen auf die einfachen Verhältnisse einer landwirtschaftlichen Siedlung hin. Erst im 9. Jahrhundert v. Chr. begann für Megiddo Ort eine neue Blütezeit. Es war die Epoche des frühen Königtums Israel. Nach der assyrischen Eroberung Megiddos im 8. Jahrhundert v. Chr. schwand die Bedeutung des Ortes endgültig.

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg