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Palästina zur Zeit der Kreuzzüge (Teil 2)

Vierter Kreuzzug: Und wieder war es der Papst, der zum Kreuzzug aufrief. Papst Innozenz III. erklärte, die Christen müssten Jerusalem den Heiden wieder zu entreißen. Die Kreuzfahrer selbst einigen sich auf einen Plan Ägypten zu erobern, um die Machtbasis Saladins zu schwächen. Als Transportmittel diente die venezianische Flotte. Doch statt Ägypten zu erobern, zogen die (zum größten Teil französischen) Kreuzfahrer des vierten Kreuzzuges (1202 bis 1204) nach Konstantinopel. Dort belagerten, eroberten und plünderten die Kreuzfahrer die Hauptstadt des byzantinischen Reiches und gründeten das Lateinische Kaiserreich. Davon profitierte auch Venedig, das Interesse an neuen Handelsstützpunkten in der Ägäis hatte. Zu den Stützpunkten auf Kreta und verschiedenen kleinen Inseln erheilt die Stadt noch das Außenhandelsmonopol. Doch dieses Lateinische Kaiserreich hielt nur bis 1261. In Palästina selbst kamen vom vierten Kreuzzug keine Truppen an. Der Papst verurteilte mehrfach das Vorgehen der Kreuzritter gegen andere christliche Staaten: Dies sei nicht im Sinne seines Aufrufs gewesen Fünfter Kreuzzug: Nach der Enttäuschung des vierte Kreuzzugs rief Papst Innozenz III. im Jahre 1213 erneut zu einem Kreuzzug auf. Das Ziel sollte wieder Jerusalem sein. Doch der Kreuzzug begann erst 1217. Und wieder gaben die Kreuzfahrer vor, nach Ägypten zu fahren, um dort das Herz des Ayyubiden-Reiches anzugreifen, in dem nun der Bruder Saladins, al-Adil, herrschte. Diesmal landete das Kreuzfahrerheer tatsächlich in Ägypten. Sie konnten die Hafenstadt Damietta im Delta erobern. 1221 wurde dieses Kreuzfahrerheer im Delta auf dem Weg nach Kairo von den Truppen des Sultans besiegt. Eigentlich hätte der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. den Kreuzfahrern in Ägypten zur Hilfe kommen sollen. Doch sein Kreuzzug wurde aus verschiedenen Gründen immer wieder verschoben. Schließlich, im Jahre 1228, zog Kaiser Friedrich mit seinem Heer los. Dieser Kreuzzug schien eine Wende zu Gunsten der Christen zu bringen. Doch statt durch Kampf und Eroberung konnte Friedrich durch diplomatische Verhandlungen die Herrschaft über Jerusalem zurückerlangen. Die islamischen Staaten der Region standen im Krieg miteinander und hatten kein Interesse an einer langwierigen Auseinandersetzung mit einem großen Kreuzfahrerheer. So konnte Friedrich II. mit dem Sultan al-Kamil (ein Neffe Saladins) einen Vertag aushandeln, der ihm die Oberhoheit über Jerusalem und Bethlehem zubilligte. Politische Auseinandersetzungen in seiner Heimat bewogen ihn bereits 1229 wieder nach Italien zurückzukehren. Nach dem Tode des Sultans al-Kamil begannen die Kämpfe zwischen Muslimen und Kreuzfahrerstaaten erneut. Bereits im Jahre 1244 wurde Jerusalem von den Muslimen zurückerobert. Sechster Kreuzzug: Der sechste Kreuzzug (1248 bis 1250) zog unter der Führung des Königs von Frankreich, Ludwig IX., nach Ägypten. Man wollte nochmals den Versuch wagen, ins Herz des Ayyubiden-Reiches zu marschieren und Ägypten zu erobern, um dadurch Jerusalem frei zu bekommen. Auch diesmal konnte Damietta erobert werden. Doch beim Vormarsch durch das Nildelta kam es 1249 zur Schlacht bei Mansura. Zwar konnten die Kreuzfahrer den Angriff abwehren, mussten aber ihren Vormarsch nach Süden abbrechen. Die Truppen des Sultans setzten dem angeschlagenen Heer nach besiegten es schließlich. Tausende Ritter wurden gefangen genommen oder hingerichtet. Hohe Adlige wurden gegen Lösegeld freigelassen, so auch der König von Frankreich, der mit seinen restlichen Rittern nach Palästina zog und von dort 1254 nach Frankreich zurückkehrte. Ein siebter Kreuzzug (1270) zur Unterstützung der Kreuzfahrerstaaten endete in Tunis, von wo man auf dem Landweg nach Ägypten ziehen wollte, um von dort aus Jerusalem zu befreien. Der französische König IX., der das Unternehmen wieder anführte, starb an der Ruhr. Die Belagerung von Tunis wurde abgebrochen, bevor sie richtig begonnen hatte. Kleinere Kreuzzüge: Die großen Kreuzzüge waren begleitet von kleineren Kreuzzugsbewegungen, die meistens schon auf dem Weg in den Nahen Osten scheiterten. Der Kreuzzugsgedanke war zu einem breiter gefassten Phänomen geworden. Kreuzzugsmotive wurden schließlich auch für die Eroberungen und Missionierungen von Gebieten angeführt, die nicht im Bereich des Heiligen Landes lagen (z.B. der Reconquista Spaniens und der deutschen Eroberung des Baltikums). Auch Aufstände wurden offiziell in Form eines Kreuzzuges niedergeschlagen. Der Kreuzzugsgedanke war in einer stark religiös geprägten Gesellschaft ein ideales Motiv, um Menschen zu einem Feldzug zu motivieren. Im Jahre 1212 hat es sogar einen Kreuzzug der Kinder gegeben, genährt von der Idee, nur unschuldige Kinder (wie das Jesuskind) könnten Jerusalem aus der Hand der Heiden befreien. Es zogen auch viele Jugendliche und junge Erwachsene mit. Dieser Kreuzzug endete auf halbem Wege. Die Schar löste sich auf. Einige schafften es bis nach Italien, wo sie sich in einschifften, um nach Palästina zu kommen. Doch stattdessen wurden sie in Nordafrika als Sklaven verkauft. Das Ende der Kreuzfahrerstaaten: Im Rückblick war von allen Kreuzzügen nur der erste ein Erfolg im Sinne der Kreuzzugsidee, denn nur er führte zur „Befreiung“ Jerusalems und zur Errichtung christlicher Staaten im Heiligen Land. Alle anderen Kreuzzüge waren Bemühungen, den Status Quo wiederherzustellen oder verloren gegangene Gebiete zurückzuerobern. Die mit den ayyubidischen Herrschern abgeschlossenen Verträge, wie etwa jener zum Status Jerusalems, waren bald nicht mehr gültig. Im Jahre 1250 hatte in Ägypten eine neue Macht die Herrschaft an sich gerissen. Die Mamluken (Mamelucken), ehemalige Kriegersklave, stellten eine neue Dynastie. Unter Sultan Baibars (Regierungszeit 1260 bis 1277) begann man mit der systematischen Vertreibung der „Franken“, der europäischen Kreuzfahrer aus der Levante. 1268 wurde, nach 171 Jahren christlicher Herrschaft, Antiochia erobert. Zahlreiche Kreuzfahrerburgen wurden belagert. Die Nachfolger Baibars setzten die Feldzüge fort. Im Jahre 1291 fielen die letzten Kreuzfahrerbastionen in Akko , Tyros, Sidon, Haifa und Beirut und die letzen Kreuzfahrerburgen im Inland. Besonders um die Hafenstadt Akko hatte es noch heftige Kämpfe gegeben. Der Eroberung ging eine lange Belagerung und Beschuss durch Wurfmaschinen voraus. Als die Mamluken in die Stadt eindringen konnten, kam es zu einem großen Blutbad. Ein Teil der Christen konnte mit Schiffen nach Europa fliehen. Viele wurden gefangen genommen, getötet oder in die Sklaverei verkauft. Damit war die Zeit der Kreuzfahrerstaaten im Heiligen Land endgültig zu Ende.Bedeutung der Kreuzzüge: Für die Geschichte Palästinas war die Epoche der Kreuzzüge eine kriegerische Zeit mit zahlreichen Opfern unter der Zivilbevölkerung. Die unzähligen Kämpfe zwischen Christen und Muslimen und die zahlreichen Fehden zwischen den unterschiedlichen Kreuzfahrerheeren zogen auch die Bevölkerung vor Ort in Mitleidenschaft. Die Verluste an Menschenleben unter den Kreuzfahrern waren stets enorm. Schon auf dem Weg ins Heilige Land kam ein Großteil der Heere mit seinem Tross um. Ungewohntes Klima , Kälte, Hitze, Trockenheit, Nahrungsmittelengpässe und andere Versorgungsprobleme, Krankheiten, Gefechte mit Seldschuken, Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Kreuzfahrerheere – all diese Gründe dezimierten die meisten Heere, bevor sie Palästina erreichten. Dies ist einer der Gründe, weshalb die meisten Kreuzzüge entweder scheiterten oder nur Teilerfolge erzielten. Die Entfernung zwischen Mitteleuropa und Palästina war einfach zu groß, um den Nachschub und die Versorgung der Kreuzfahrerheere zu gewährleisten. Da halfen auch die unentwegt eingesetzten Flotten Genuas, Pisas und insbesondere Venedigs nichts. Die Muslime dagegen konnten auf die Unterstützung des größten Teils der autochthonen Bevölkerung im Nahen Osten zählen. Sie konnten schneller Heere rekrutieren und an die „Front“ führen und sich im Falle einer Niederlage ins muslimische Hinterland zurückziehen. Überhaupt war einer der wichtigsten Gründe, weshalb der erste Kreuzzug ein so großer Erfolg war, die Tatsache, dass verschiedene orientalische Herrscher sich gegenseitig befehdeten. Sobald orientalische Herrscher mehrere Gebiete vereinen konnten und sich dann mit einem großen Heer gegen die Kreuzfahrer stellten, hatten jene schon allein zahlenmäßig keine Chance mehr. Insofern war die Kreuzzugsidee von vornherein zum Scheitern verurteilt. Andererseits war es nicht nur eine destruktive und blutige Epoche der Geschichte . Es mehrte sich auch der kulturelle Austausch zwischen Orient und Okzident. Die Kreuzzüge brachten die Europäer in Kontakt mit den Kulturen des Vorderen Orients. Dieser Kontakt hatte einen enormen Einfluss auf die geistige Elite Europas. Neue Ideen zur Philosophie, Wissenschaft, Literatur, Architektur kamen ins Abendland. Die Erfahrungen im Burgen- und Festungsbau wurden in Europa umgesetzt. Überall in der Levante stehen heute Ruinen von Kreuzritterburgen. Die bekannteste ist wahrscheinlich die Krak des Chevaliers in Syrien. Bekannte Kreuzfahrerburgen im heuten Israel sind zum Beispiel Belvoir und Monfort in Galiläa. Der europäische Rittergedanke, der sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der mittelalterlichen Gesellschaft zieht, erhielt seine stärkste Ausprägung während der Kreuzzugszeit. Auch höfische Sitten und Gebräuche wurden durch die Kenntnis der byzantinischen und islamischen Hofkultur beeinflusst. Ebenso profitierten die italienischen Handelsstädte von den Kreuzzügen. Die Kreuzfahrer waren oft auf ihre Schiffe angewiesen, und die Seefahrer profitierten vom Handel zwischen den Hafenstädten der Levante und Europa. Zudem war die Epoche der Kreuzzüge neben der byzantinischen Zeit die einzige Periode, in der das Land von christlichen Herrschern regiert wurde. Doch im Unterschied zur byzantinischen Zeit blieb die christliche Bevölkerung Palästinas auch während der Kreuzfahrerzeit in der Minderheit, auch wenn die Zahl der christlichen Pilger und Siedler anschwoll.