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Die Zeit der zwei Reiche – Israel und Juda Teil2

Herrschaft Hiskias und Kampf Judas gegen AssyrienJuda hatte zunächst nicht an den Aufständen gegen Assyrien teilgenommen. Unter dem König Hiskia (Hiskija, Hiskijahu, Hesekiah, Hesekias, Regierungszeit: 727 bis 698 v. Chr.) blühte Jerusalem und wuchs als Stadt. Juda profitierte vom Karawanenhandel und schloss die ökonomische Lücke, die durch die Zerstörung Israels (d.h. des Nordreiches) entstanden war. Erstmals war Juda eine Region von Bedeutung und trat aus dem Schatten der umliegenden Länder und Regionen Palästinas. Doch wenige Jahre später kam es zu erneutem Aufbegehren gegen Assyrien. Während der assyrische König Sanherib (Regierungszeit: 705 bis 681 v. Chr.) in Babylonien beschäftigt war, rüsteten die Vasallenstaaten der südwestlichen Levante zur Revolte und schlossen sich zusammen. Die Führung lag bei den Phöniziern in Sidon und bei den Philistern. Auch König Hiskia von Juda wagte diesmal den Aufstand und rüstete Juda militärisch gegen Assyrien auf, diesmal gestützt auf die Weissagungen des Propheten Jesaja (Isaiah, Jesajah), dass die Assyrer Jerusalem nicht werden einnehmen können. In der Bibel wird Hiskia als gerechter Kriegerkönig nach dem Vorbild Davids geschildert. Sich gegen eine Großmacht wie Assyrien zu stellen, war ein großes Wagnis. Um sich der Unterstützung Gottes (Jahwes) zu vergewissern, wurden alle heidnischen Kulte (Baal, Aschera usw.) im Lande bekämpft. Nach judäischem Mythos bzw. der biblischen Überlieferung war das Nordreich Israel mit seiner Hauptstadt Samaria wegen seiner Götzenkulte und Vernachlässigung der Jahwe-Religion zerstört worden. Der assyrische Herrscher Salmanassar war nach dieser Auffassung nur der ausführende Arm des strafenden Gottes. Um nicht denselben Fehler zu begehen, förderte Hiskia als frommer Monotheist den Glauben an Jahwe. Als der König von Gaza sich weigerte, an dem Aufstand teilzunehmen, fiel Hiskia mit seiner Armee in dessen Gebiet ein und besetzte einige Orte der Küstenregion. In Anbetracht der assyrischen Bedrohung ließ Hiskia dafür sorgen, dass Jerusalem durch Tunnelsysteme ausreichend mit Wasser versorgt war und alle Vorratshäuser gefüllt wurden, um eine lange Belagerung überstehen zu können. Auch die Befestigungsanlagen in Jerusalem und Lachisch wurden erweitert.701 v. Chr. kam der zu erwartende Gegenschlag aus Assyrien. Der assyrische Herrscher Sanherib rückte mit seiner Streitmacht zunächst nach Phönizien. Dort nahm er eine phönizische Stadt nach der anderen ein. Daraufhin ergaben sich auch Arwad, Byblos, Ashdod, Ammon, Moab und Edom. Der König von Askalon, der sich in seiner Provinz von Joppe aufhielt (heute Gegend von Tel Aviv und Jaffa), und Hiskia von Juda blieben standhaft. Sanherib fiel in Joppe ein und nahm dessen König gefangen. Ein Hilfsheer aus Ägypten wurde von den Assyrern zurückgeschlagen. Sanherib eroberte zahlreiche Städte und Orte Judas und zwang ihnen Tributzahlungen auf. Besonders ausführlich überliefert ist die grausame Eroberung der Stadt Lachisch in Juda. Jerusalem wurde belagert, konnte aber standhalten. Nach biblischer Überlieferung soll der Engel des Herrn die Assyrer vernichtet haben, wobei wohl eine Seuche gemeint war. Darin sah man eine Bestätigung der Weissagung Jesajas, dass Jerusalem verschont bliebe, und eine Bestätigung für die gottesfürchtige Haltung Hiskias. Wahrscheinlicher jedoch ist, dass die Assyrer aus strategischen Gründen die Belagerung abbrachen, weil angeblich ein weiteres ägyptisches Heer im Anmarsch war. Das Umland Jerusalems wurde jedoch verwüstet.Erholung unter der Herrschaft ManassesUnter dem König Manasse wurden neben der Jahwe-Religion auch wieder andere Kulte zugelassen. Daher zeichnet die Bibel ein negatives Bild von ihm. Allerdings erholte sich Juda unter seiner fünfundfünfzigjährigen Regierungszeit wieder ökonomisch von den assyrischen Zerstörungen. Juda war nun Vasallenstaat Assyriens und lieferte regelmäßig Tributabgaben. An der Peripherie des assyrischen Reiches gelegen, konnte Juda vom Karawanenhandel zwischen Arabien, Syrien und Ägypten und vom Export von Olivenöl profitieren. Die Landwirtschaft wurde intensiviert. Neue Orte in den Wüsten- und Steppenregionen Judas und in der Negevwüste wurden durch effektivere Bewässerungen für die Landwirtschaft erschlossen und besiedelt.Höhepunkt und Untergang Judas und Beginn des babylonischen ExilsUnter dem König Josia (alternative Schreibungen: Josiah, Joschia, Joschija, Joschijahu; Regierungszeit: 640/639 bis 609 v. Chr.) erfuhr Juda zunächst einen großen Aufschwung und dann ein dramatisches Ende. Zum Ende des 7. Jahrhunderts gab es eine überraschende Entwicklung. Das Großreich der Assyrer, das unter den Königen Asarhaddon (Regierungszeit: 681 bis 669 v. Chr.) und Assurbanipal (Regierungszeit: 669 bis 627) mit der Eroberung Ägyptens noch den Höhepunkt seiner geographischen Ausdehnung erreichte, schien sich mehr und mehr zurückzuziehen. Ägypten konnte unter Pharao Psammetich I. (26. Dynastie, Regierungszeit: 664 bis 610 v. Chr.) wieder unabhängig werden und seine politischen Interessen an der palästinischen Küste und in Phönizien wahrnehmen. Babylonien machte sich ebenfalls von Assyrien unabhängig. Zusammen mit Verbündeten aus Medien (Nordwestiran) griffen die Babylonier Assyrien an. Schließlich kam es zum Kollaps. Das Assyrerreich fiel nach den Schlachten bei Assur (614 v. Chr.), Ninive (612 v. Chr.) und Haran (609 v. Chr.) in sich zusammen. Da Ägypten seine Interessen auf den Küstenbereich beschränkte, Assyrien im Niedergang begriffen war und das Nordreich Israel noch zerstört und verwüstet war, sah man in Juda die Zeit gekommen, ein eigenes Reich aufzubauen. Juda sollte das Zentrum ganz Palästinas und aller Israeliten werden. Die Regierungszeit Josias war eine Epoche großer religiöser Reformen. Niemals zuvor wurde der monotheistische Glaube an Jahwe (JHWH) so konsequent umgesetzt. Es scheint, als habe sich die radikalmonotheistische Fraktion im Land durchgesetzt und ein Verbot aller anderen Kulte in die Wege geleitet. Der König Josia stand an der Spitze dieser Bewegung. Nach biblischer Überlieferung wurde unter dem Hohenpriester Hilkia (Hilkijahu) der Tempel in Jerusalem renoviert. Bei den Arbeiten fand der Kanzler Saphan „rein zufällig“ eine angeblich „alte“ Schriftrolle mit den Gesetzen des Herrn. Die Schrift (bei der es sich vermutlich um das Deuteronomium handelt) wurde von nun an Leitmotiv für eine Reinigung der religiösen Landschaft Judas. Alle heidnischen Kulte wurden abgeschafft, Heiligtümer und Altäre geschlossen. Nur der Jahwe-Kult in Jerusalem sollte als Staatsreligion zugelassen sein. Außerdem gab es viele soziale Reformen zum Schutz der Armen und Schwachen. In diese Phase fielen die Aktivitäten des Propheten Jeremia (Jeremias, Jirmijahu). Dieser hieß die Politik Josias grundsätzlich gut. Doch mahnte er weitere soziale Reformen an und warnte vor den Babyloniern. Nach biblischer Überlieferung weissagte er den Untergang Judas und Jerusalems.Außenpolitisch stand Juda nun zwischen zwei neu erstarkten Großmächten: Ägypten und Babylon. Nach biblischer Überlieferung glaubte Josia, sich zwischen beiden Mächten behaupten zu können. Doch er irrte sich. Als Pharao Necho II. (Regierungszeit: 610 bis 595 v. Chr.) mit seinen Truppen nach Haran in Syrien ziehen wollte, um den Assyrern gegen Babylon beizustehen, stellte sich Josia mit seinem Heer den Ägyptern in den Weg. In der Jesreel-Ebene kam es bei Megiddo (Amargeddon?) zur Schlacht. Das Heer Judas wurde vernichtend geschlagen und Josia getötet. Joahas (Jehoahas) wurde Josias Nachfolger. Doch schon drei Monate später nahm Pharao Necho II. seine Macht über Juda wahr und ersetzte Joahas durch dessen Bruder Jojakim (Jehojakim), von dem er sich mehr pro-ägyptische Loyalität erhoffte. Der ägyptische Feldzug nach Haran (609 v. Chr.), um die Assyrer zu unterstützen, schlug fehl. Im Jahre 605 v. Chr. kam es nahe der syrischen Stadt Karkemisch zum Zusammentreffen der Truppen Babyloniens und Ägyptens. Necho wurde geschlagen. Die Babylonier konnten unter ihrem neuen Herrscher Nebukadnezar die Ägypter aus der Levante herausdrängen. Juda wurde Babylon tributpflichtig. Nach dem Tode Jojakims (598 v. Chr.) wurde dessen Sohn Jojachin (alternativ: Jehojachin, Jechonja, Konjah, Konjahu) König von Juda. Im Jahre 597 v. Chr. belagerte das babylonische Heer unter Nebukadnezar Jerusalem, eroberte die Stadt und führte schließlich den König Jojachin und die Elite der Bevölkerung Judas ins Exil nach Babylon. Dies war der Beginn der sogenannten „Babylonischen Gefangenschaft“. Nebukadnezar setzte Josias jüngsten Sohn Mattanja unter dem Thronnamen Zedekia (Zedekiah, Zidkijahu) als Vasallenkönig in Jerusalem ein. Doch nach einem angeblich anti-babylonischem Komplott Zedekias wurde Jerusalem in den Jahren 587/586 v. Chr. erneut belagert und erobert. Nebukadnezar ließ Zedekia blenden und dessen Söhne töten. Weitere Teile der Bevölkerung Judas wurden ins babylonische Exil (s. u.) geschleppt. Andere oppositionelle Judäer konnten nach Ägypten fliehen, wo sie zahlreiche Gemeinden gründeten. In der Theologie und biblischen Geschichte nennt man die Phase vor der Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch Nebukadnezar auch erste Tempelperiode, unter Rücksichtnahme auf die Tatsache, dass der Jerusalemer Tempel ein wichtiges religiöses Zentrum des Judentums darstellt. Babylonische GefangenschaftSprichwörtlich geworden ist die sogenannte Babylonische Gefangenschaft. Teile der gesellschaftlichen Eliten Judas wurden zwangsdeportiert und in Mesopotamien bzw. Babylonien angesiedelt. Dies markiert den Beginn der Diaspora , der Verstreuung des jüdischen Volkes in der Welt und die Entstehung jüdischer Gemeinden außerhalb Palästinas. Jetzt gibt auch der Begriff „Juden“ Sinn: Während man für die Zeit zuvor von Hebräern, Israeliten und Judäern spricht, kann man für die Zeit ab dem babylonischen Exil von Juden sprechen, d.h. von einer ethnisch, sprachlich und religiös einheitlichen Bevölkerungsgruppe, die über ihr eigenes Ursprungsland hinaus über große geographische Räume verteilt ist. Zu Beginn der Diaspora gab es drei Hauptgruppen von Juden: diejenigen, die nach Babylonien zwangsverschleppt wurden, diejenigen, die in Palästina blieben und jene, die nach Ägypten flohen. Die Bevölkerungsmehrheit konnte in Palästina bleiben. Da Jerusalem zerstört war, wurde der Verwaltungssitz Judas nach Mizpah (Mispa) verlegt. Dort übernahm im Auftrag der Babylonier (in der Bibel auch Chaldäer genannt) ein gewisser Gedalja (Gedaliah) die Provinzverwaltung. Arme Juden konnten von den Umverteilungen profitieren, die durch die Verschleppung der reicheren Gesellschaftsschichten entstanden. Dennoch gab es auch Hungersnöte. Jene Oppositionellen, die nach Ägypten flohen, konnten dort eigene Gemeinden bilden. Den zwangsverschleppten Exiljuden im Zweistromland war es auch dort erlaub, ihre Religion auszuüben, eigene Häuser zu bauen, Felder zu bewirtschaften und sich in Siedlungen zu vergemeinschaften. Auch Propheten gab es dort – zum Beispiel Daniel (Danjel). Religion und Tradition wurden jedoch zum wichtigen Bindeglied, um den Zusammenhalt und den Bezug zur Heimat nicht zu verlieren.

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