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Die Knesset das israelische Parlament in Jerusalem

Israel – Das ist jahrtausendjährige Geschichte und höchstaktuelle Gegenwart. Ein wichtiges Zentrum der israelischen Politik ist die Knesset in Jerusalem , das offizielle Parlament des demokratischen Staates Israel. Das architektonisch interessante Parlamentsgebäude mit seinen Kunstwerken im Innern kann besichtigt werden. Auf einer öffentlichen Zuschauergalerie darf man den politischen Debatten folgen.


Video zur Knesset - das israelische Parlament - © STERN TOURS

Kneset in Jerusalem

Im Westen Jerusalems, im Regierungsviertel Kiryat Ben Gurion, erhebt sich ein gewaltiger moderner Bau. Betonsäulen tragen ein großflächiges Flachdach. Von Norden nähert man sich dem Gebäudekomplex über einen repräsentativen Empfangsplatz. Nach Süden hin thront das mehrstöckige Gebäude am Hang eines Hügels. Seit 1966 tagt hier das israelische Parlament. Zuvor war das Parlament die meiste Zeit im Gebäude der „Jewish Agency for Israel“ weiter östlich im Stadtinnern untergebracht. Doch schon in den 1950er Jahren hatte man mit Plänen für ein großes Parlamentsgebäude begonnen. James de Rothschild sagte 1957 in einem Brief an David Ben Gurion die Finanzierung des Projektes zu. 1958 wurde der Grundstein gelegt. 1966 wurde das Gebäude der Knesset fertig gestellt und offiziell eingeweiht. In zeitlichen Abständen wurden immer wieder Gebäudeteile angefügt und erweitert.

Die Knesset als Einkammerparlament

Das hebräische Wort „Knesset“ heißt so viel wie „Versammlung“. Das Parlamentsgebäude „Beth ha Knesset“ ist das „Haus der Versammlung“. Dies ist auch ein Ausdruck für Synagoge. Im Gegensatz zu den Zweikammerparlamenten – wie beispielsweise in Deutschland (Bundestag und Bundesrat), in den Vereinigten Staaten von Amerika (Kongress und Senat) oder in Großbritannien (Oberhaus und Unterhaus), gibt es in Israel das Einkammersystem, d.h. dass der gesamte Prozess der Gesetzgebung (Legislative) in der Knesset stattfindet. Die Knesset ist also der Ort der gesetzgebenden Versammlung des Staates Israel.

Bei Parlamentswahlen benötigen die Parteinen lediglich zwei Prozent, um in die Knesset einzuziehen. Daher ist die Zahl der Fraktionen größer als etwa im deutschen Bundestag (mit einer 5-Prozent-Hürde). Insgesamt sitzen 120 Abgeordnete in der Knesset. Die Debatten sind zum Teil recht lebhaft und entsprechen dem breiten politischen Spektrum der unterschiedlich ausgerichteten Parteien. Unter den Abgeordneten befinden sich unter anderem sowohl laizistische als auch streng religiöse Juden, ebenso wie Vertreter der drusischen und arabisch-palästinensischen Minderheit (Christen und Muslime) in Israel.

Im Innern der Knesset

Die Innengestaltung der Knesset ist genauso modern und futuristische wie ihre äußere Erscheinung. Die Modernität und Zweckbezogenheit der Innenarchitektur wird durch zahlreiche Kunstwerke aufgelockert, die das Parlamentsgebäude zu einer Art Museum machen.

Bereits die schweren Bronzetore am Haupteingang zur Knesset sind beachtenswerte Kunstwerke. Die Bildreliefs auf den schweren Torflügeln geben Szenen aus dem alten Testament wieder. In der Eingangs- bzw. Empfangshalle befindet eine Gedenkecke zu Ehren des Edmond de Rothschild (1845 bis 1934) und seines Sohnes James de Rothschild (1878 bis 1957) mit Porträtbildern und Vitrinen mit historischen Briefdokumenten, die James de Rothschild mit dem damaligen Premierminister Ben Gurion austauscht hatte. Die Rothschilds waren unablässige Förderer der „Palestine Jewish Colonization Association“, die erheblich zur Entstehung des modernen Staates Israel beitrug. Ebenso spendeten die Rothschild erhebliche Geldsummen, die dem Zwecke des Baus der Knesset dienten.

Eine besonders repräsentative und gern gezeigte Räumlichkeit ist der sogenannte Chagall-Saal mit drei übergroßen Wandteppichen und zwölf Bodenmosaiken des berühmten französisch-russisch-jüdischen Künstlers Marc Chagall (1887 bis 1985). Die Bildmotive der Teppiche erzählen von Stationen der jüdischen Religions- und Kulturgeschichte. Der zentrale Wandteppich in der Mitte misst 9,5 mal 4,8 Meter. Im Zentrum des Bildes sieht man das versammelte Volk Israel in der Wüste Sinai. Von rechter Seite blickt Moses vom Berg Sinai auf das Volk herab. Er hält die zwei Tafeln mit den Zehn Geboten in der Hand. Engel umschwirren ihn. Auf der linken Seite ist Moses nochmals abgebildet, diesmal mit Schriftrollen in der Hand und mit einem roten Gewand bekleidet. Auch hier ist er von Engelsgestalten begleitet. Unter ihm leuchtet die Menora, der siebenarmige Leuchter.

Die beiden Seitenteppiche sind gleich hoch, aber schmaler (5,5 Meter). Der linke Wandteppich zeigt eine Zusammenstellung verschiedener Szenen aus dem alttestamentlichen Israel, wie beispielsweise König David und dessen Urgroßvater Boaz, der die Witwe Ruth geheiratet hat und für seinen sozialen Umgang mit seinen Mitmenschen gepriesen wird. Der rechte Wandteppich thematisiert unter anderem die surrealistischen Szenen in der Prophezeiung des Jesaja, die Offenbarung auf dem Sinai und die Szene von Abraham, der von Gott auf einen Treueprobe gestellt wurde, indem er seinen Sohn Isaak opfern sollte.

Gewoben wurden die Teppiche übrigens in der weltberühmten Tapisserie-Manufaktur „Manufacture nationale des Gobelins“ in der Avenue des Gobelins in Paris. Die Manufaktur gilt als eine der renommiertesten und ältesten in ganz Frankreich. Hier wurden Wand- und Bodenteppiche für Paläste, Schlösser und öffentlich-repräsentative Gebäude in aller Welt hergestellt. Die Tapisserie ist heute im Besitz des französischen Staates.

Die Teppiche waren oft in den Medien zu sehen und sind somit einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Zu feierlichen Anlässen, wie etwa zu festlichen Reden des Staatsoberhauptes oder Regierungschefs oder ausländischer Politiker, wird oft der Chagall-Saal mit den Teppichen im Hintergrund als geeignete Kulisse gewählt.

Die von Chagall geschaffenen zwölf Fußbodenmosaiken stehen symbolisch für die zwölf biblischen Stämme Israels. Nicht von Chagall stammt ein buntes Wandmosaik. Es stellt die Heimkehr des jüdischen Volkes von der Diaspora ins Heilige Land und nach Jerusalem dar. Ein Engel und der siebenarmige Leuchter weisen dem Volk den Weg.

Der größte Raum der Knesset ist natürlich der Plenarsaal, in dem die 120 Abgeordneten des Parlaments tagen. Daneben befinden sich in der Knesset zahlreiche Regierungsräume für Sitzungen, Ausschüsse und Komitees. Außerdem hat jeder der 120 Parlamentarier ein eigenes Büro und Rückzugsraum.

Ebenfalls im Knessetbau untergebracht ist eine kleine Synagoge mit Ritualmöbeln und Kunstwerken aus einer italienischen Synagoge des 17. Jahrhunderts. Eine umfangreiche Bibliothek ermöglicht den Abgeordneten und Politikern politische und historische Recherche, um sich auf ihre Amtsaufgaben vorzubereiten. In einem Archiv werden alle offiziellen Vorgänge des Parlaments festgehalten und alle Dokumente gesammelt, um in Zukunft vergangene Ereignisse und Entscheidungen nachvollziehen zu können. Die Parlamentarier speisen im Knessetrestaurant. Die sonstigen Mitarbeiter essen getrennt davon in einen eigenen Speisesaal.

In verschiedenen Gängen und Räumen sind weitere Kunstwerke, Skulpturen und Bilder ausgestellt.

Der siebenarmige Leuchter vor der Knesset

Die berühmte Knesset-Menora, ein aus Bronze gegossenes Monument eines siebenarmigen Leuchters, ist ein bekanntes Kunstwerk vor dem Gebäudekomplex der Knesset. Der siebenartige Leuchter ist ein bedeutendes religiöses Symbol des Judentums. Eine Menora stand einst im Tempel von Jerusalem. Noch heute stehen in vielen Synagogen siebenarmige Leuchter. Die 1956 fertig gestellte Menora ist etwa fünf Meter hoch. Das Kunstwerk des aus Deutschland stammenden jüdischen Künstlers Benno Elkan (1877 bis 1960) beeindruckt durch seine erhabenen Reliefbilder, die die Kultur- und Religionsgeschichte des jüdischen Volkes widerspiegeln. Dargestellt sind unter anderem biblische Motive, wie der Kampf Davids gegen Goliath, der klagende Prophet Jeremia, die Tafeln mit den Zehn Geboten, Moses und Aaron, die Makkabäer, aber auch antike Szenen aus dem Bar-Kochba-Aufstand, jüdische Märtyrer in Rom, die mittelalterliche Epoche der Juden im Maurischen Spanien, bis hin zum Aufstand im Warschauer Ghetto sowie der Gründung und Gestaltung des modernen Staates Israel. Diese und viele andere Motive geben kaleidoskopartig einen Eindruck von der wechselvollen jüdischen Geschichte .

Besichtigung der Knesset

Ähnlich wie der deutsche Bundestag im Reichtagsgebäude zu Berlin besichtigt werden kann, so ist auch die Knesset in Jerusalem der Öffentlichkeit zugänglich. Dies ist Teil demokratischer Transparenz.

Führungen werden auf Hebräisch, Arabisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch und Russisch, auf Anfrage sogar auf Amharisch (Äthiopisch) gehalten. Es gibt Führungen zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten, sei es beispielsweise der politische Schwerpunkt oder eher der kunsthistorisch-architektonische.

Selbstverständlich sind, wie bei allen wichtigen Regierungsgebäuden auf der ganzen Welt, Sicherheitsstandards einzuhalten. Jeder Besucher muss seinen Pass bzw. Reisepass parat halten und sich einem Sicherheitscheck stellen. Wie beim deutschen Bundestag, muss man sich auch für einen Knessetbesuch anmelden. Dies kann über die E-Mail-Adresse tours@knesset.gov.il geschehen. Erst wenn man eine offizielle Bestätigung erhalten hat, kann man mit dieser und seinem Pass zum Knesset Visitor’s Center gehen, um von dort aus mit der Besichtigung zu beginnen. Es wird empfohlen, mindestens eine halbe Stunde vor Eintritt vor Ort zu sein.

Das Gelände der Knesset ist von einer bewaffneten Spezialeinheit bewacht, die auch als Ehrengarde patrouilliert und bei offiziellen Anlässen und Empfängen Spalier steht. Sie bewacht auch die „Ewige Flamme“, die vor dem Gebäude brennt und die Erinnerung an die Opfer der Shoah wach hält.

Wie beim Besuch einer Synagoge oder Moschee, wird auch in der Knesset Wert auf angemessene Kleidung gelegt. Kurze Röcke und kurze Hosen sind nicht erlaubt. Politische Aufschriften auf Kleidungsstücken sind nicht erwünscht. Das Mitführen von politischen Symbolen, Transparenten oder Fahnen ist selbstverständlich ebenfalls untersagt.

Neben den Touren durch den Gebäudekomplex der Knesset, ist es an bestimmten Tagen erlaubt – in der Regel Montag (ab 16 Uhr), Dienstag (ab 16 Uhr), Mittwoch (ab 11 Uhr, jeweils Ortszeit) – auf der „Public Gallery“ Platz zu nehmen und den Reden, Vorträgen und Debatten des israelischen Parlaments zu folgen. Politisch Interessierte können übrigens via Fernsehen oder per Online-Übertragung die offiziellen und öffentlichen Debatten verfolgen (www.knesset.gov.il/broadcast/eng/screen_eng.asp).

Wichtige Informationsquelle:

Aktuelle Informationen rund um die Knesset sowie über Möglichkeiten der Besichtigung finden Sie unter der offiziellen Internetadresse www.knesset.gov.il. Die Website ist auf Hebräisch, Englisch, Arabische und Russisch abrufbar. Genauere Angaben zu den Besichtigungsmodalitäten stehen auf der Unterseite „Visiting the Knesset“: www.knesset.gov.il/tour/eng/evisit.htm. Weitere Informationen zu den Besuchs- und Besichtigungsmöglichkeiten können Sie unter der Telefonnummer 00972-2-6753337 (Knesset Visitor’s Center) oder per E-Mail via tours@knesset.gov.il erfragen.

Wegen aktueller politischer Ereignisse können sich jederzeit neue Informationen ergeben. Die hier angegebenen Informationen und Quellen entsprechen dem Stand von Januar 2014. Umgebung der Knesset Die Knesset ist Zentrum des Regierungsviertels, dem Kiryat-Ben-Gurion-Bezirk, In unmittelbarer Umgebung der Knesset befinden sich zahlreiche repräsentative und administrative Gebäude und Institutionen. Dazu gehören der Dienstsitz des Premierministers, das Innen- und Finanzministerium, das Israel-Museum, das Bibel-Museum, die Nationalbibliothek und ein zentraler Campus der Hebrew University. Zwischen den einzelnen Institutionen und rund um die Knesset erstrecken sich weitläufige Park- und Grünanlagen.

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg