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Grabeskirche in Jerusalem

Die Grabeskirche Jesu, auch Auferstehungskirche genannt, zählt zu den wichtigsten Heiligtümern der Christenheit. Der Überlieferung nach wurde sie unmittelbar am Gelände des antiken Hügels Golgatha errichtet, auf dem Jesus gekreuzigt und in dessen Nähe er bestattet wurde.


Video zur Die Grabeskirche in Jerusalem - © STERN TOURS

Geburt, Jugend und Tod Jesu: Bethlehem, Nazareth und Jerusalem – das sind die drei heiligsten Orte der Christenheit. Die Grabeskirche in Jerusalem gilt fast allen christlichen Konfessionen als heilig und wird daher von unterschiedlichen Kirchen geführt: von der katholischen, griechisch-orthodoxen, armenischen, koptischen, äthiopischen und syrischen Kirche. Jede Kirche hat ihre Bereiche und Abschnitte, für die sie zuständig ist. Einige Bereiche werden ökumenisch betreut. Über die unterschiedlichen Rechte und Zuständigkeiten gab es allerdings immer wieder Dispute. Ein Bereich ist sogar von Muslimen geführt – auch im Islam ist Jesus eine heilige Person.

Die Grabeskirche beeindruckt durch ihre durch und durch heilige Atmosphäre, dem Klang der Liturgien und dem Geruch von Weihrauch. Mönche und Priester unterschiedlicher Konfessionen gehen ihrem Tagwerk nach, Touristen und Pilger schleichen ehrfürchtig durch die Räume. Teilweise wirken die Räumlichkeiten etwas beengt. Der Grundriss ist wegen der vielen Nischen, Kapellen, Abschnitte, Gänge, Treppen und gesonderten Raumbereiche für die Besucher oftmals schwer nachzuvollziehen. Man bewegt sich wie in einem Labyrinth. An Festtagen gibt es Prozessionen. Dann wird es sehr voll.

Der größte Teil der Grabeskirche stammt aus der Zeit der Kreuzfahrer. Zwar war der ursprüngliche Bau bereits im Jahre 326 unter Kaiser Konstantin begonnen und im Jahre 335 eingeweiht worden, doch wurde die Kirche zweimal gründlich zerstört, einmal bei der Eroberung durch die Perser im 7. Jahrhundert und beim zweiten Mal durch den Fatimiden-Kalifen Al-Hakim im 11. Jahrhundert.

Wie genau die Kirche vor der Kreuzfahrerzeit aussah, lässt sich anhand von Bauuntersuchungen vermuten. Demnach bestand die spätantike konstantinische Kirche aus einem Vorderbau in Form eines Atriums, einer folgenden dreischiffigen Basilika, sowie einer Atrium-Verlängerung, auf welche schließlich ein großer Kuppelbau folgte. Der Kuppelbau erhob sich über der Grabeskapelle. Damit wurde sozusagen in den Bau eingebunden der Bereich von Golgatha, auf dem Jesus, der Überlieferung nach, gekreuzigt wurde, und ebenso der dahinter liegende Bereich der kleinen Höhle, in welcher er bestattet wurde. Die Länge des Bauwerkes betrug von Ost nach West rund 160 Meter. Doch beim spätbyzantinischen Wiederaufbau wurde der größte Teil der vorgelagerten frühbyzantinischen Basilika weggelassen, die Kirche insgesamt verkürzt.

Besichtigung der Grabeskirche

Im Labyrinth der Grabeskirche findet man ohne Führung kaum zurecht, zumindest fällt es dem Laien schwer, die Bedeutungen der Räume und Kapellen nachzuvollziehen. Tatsache ist, dass die Führungen höchst unterschiedlich gehalten werden, je nachdem, ob man einen katholischen, koptischen, armenischen oder griechisch-orthodoxen Fremdenführer oder Geistlichen durch die Räume folgt. Sie alle legen unterschiedliche Schwerpunkte und erzählen ihre eigenen Anekdoten und Heiligengeschichten. Israelisch-jüdische oder nicht-geistliche Fremdenführer gehen dagegen meist auf die historischen und baulichen Fakten ein, vermitteln jedoch weniger vom spirituellen Geist, der zur Atmosphäre des Ortes gehört. Selbst Gläubige anderer Religion sowie Agnostiker und Atheisten spüren intuitiv, dass dieser Ort auf viele Menschen eine besondere Heiligkeit ausstrahlt. Das lässt niemanden kalt.

Durch die Gassen der Altstadt von Jerusalem kommt man zunächst auf einen kleinen Hof, den man von Süden betritt. Zur Linken sieht man Vorsprünge, die zur Jakobskappelle, zur Johanneskapelle und zur Kapelle der vierzig Märtyrer gehören. Die Eingänge zur Rechten führen zum Abrahams-Kloster, zur armenischen Johanneskapelle und zur Michaelskapelle. In der Nordostecke befindet sich die kleine franziskanischen Kapelle der Schmerzen, darunter die griechisch-orthodoxe Kapelle der Maria von Ägypten. 

In der Nordwestecke öffnet sich das Hauptportal zur eigentlichen Grabeskirche. Durch ein Nebenschiff gelangt man in ein Querschiff. Im Zentrum ruht ein rötlicher, rechteckiger Salbungsstein. Rechts geht es in ein zweistöckiges Nebenheiligtum, dass dem Kreuzigungsorte Golgatha gewidmet ist. Hier waren einst im Mittelalter die Kreuzfahrerkönige von Jerusalem, Gottfried von Boullion und Balduin I., bestattet worden. Der Gang führt zum griechisch-orthodoxen Kreuzigungsaltar und, um zwei Ecken, zum katholischen Altar der Ans-Kreuz-Nagelung. Unter der Golgotha-Kapelle befindet sich die griechisch-orthodoxe Adamskapelle, die den ersten Menschen Adam mit dem Kreuzigungsort Jesu kultisch verbindet und somit die Rückkehr der Menschheit zum Ort der Erbsünde durch die Erlösung seitens des Herrn beschreibt.

Zurück aus der Golgatha-Kapelle setzt man seinen Weg im Hauptbereich der Grabeskirche fort, in dem man in die überkuppelte Rotunde gelangt. Die Kuppel ist etwa 50 Meter hoch. In der Mitte der Rotunde steht eine rund 8 Meter lange Kapelle mit einem kleinen Türmchen. Sie wirkt wie eine Miniaturkirche innerhalb der Kirche. Es handelt sich um die Grabkapelle mit Engelskapelle und dem heiligen Grabe Jesu. In die Engelskapelle gelangt man zuerst, die Grabkapelle liegt dahinter. Der Name Engelskapelle geht auf die Geschichte jenes Engels zurück, der drei ankommenden Frauen die Auferstehung Christi aus seinem Grabe verkündet hatte. Auf der Rückseite der Grabkappelle befindet sich eine kleine Kapelle der ägyptisch-koptischen Christen, die sozusagen von der anderen Seite ihre rituelle Verbindung mit dem Grab aufnehmen. Da es sich bei der Grabkappelle um den heiligsten Ort der ganzen Kirche handelt, hat man hier immer wieder mit großem Andrang zu tun.

An der Westseite der Rotunde befindet sich eine kleine Apsis, die als Kapelle der syrischen Jakobiten genutzt wird. Ein kleiner Durchgang zweigt zu einer kleinen Grabkapelle ab, die als Grab des Josef von Arimatäa gilt. Nach Norden zweigt ein Gang ab, der zur lateinisch-katholischen Raumgruppe mit Franziskanerkapelle führt.

Von der Mitte der Rotunden nach Osten gerichtet, befindet sich das große Katholikon, die Hauptkirche der griechisch-orthodoxen Konfession, der sogenannte Chor der Griechen. Ein eigentümlicher Kübel in der Mitte der Haupthalle des Katholikons wird als Nabel der Welt bezeichnet. Dahinter folgt die großzügige Apsis mit Altar.

Hinter der Apsis des Katholikons verläuft ein halbrunder Umgang, von dem drei Kapellen abzweigen. Wenn man den Umgang von der südlichen Seite her zu begehen beginnt, trifft man zunächst auf die orthodoxe Kapelle der Verspottung, die dem Thema der Beschimpfungen Jesu gewidmet ist. Dann folgt die auf selber Höhe mit der Achse des Katholikons liegende armenische Kapelle der Kleiderverteilung. Zum Schluss kommt man an der griechisch-orthodoxen Longinus-Kapelle vorbei. Setzt man seinen Gang ums Katholikon fort, findet man zur Rechten den sogenannten Bogengang der Heiligen Jungfrau, bestehend aus sieben Bögen.

Zwischen obig genannter Kapelle der Verspottung und der Kapelle der Kleiderverteilung zweigt ein Gang mit einer Treppe ab, die in ein unterirdisches Geschoss führt. Hier befindet sich die berühmte armenische Hellenen-Kapelle zur Verehrung der Heiligen Helena. Sie war die Mutter des römischen Kaisers Konstantin dem Großen, die als Förderin des Christentums galt. Einer Legende nach soll sie Ausgrabungen in Jerusalem veranlasst haben, um das Grab und das Kreuz Christi zu finden, was demnach auch gelang. Hieran erinnert die Krypta der Kreuzauffindung, zu der, von der Kapelle aus, eine weitere Treppe hinabführt. Jeweils am 7. Mai wird hier das Fest der Kreuzauffindung begangen. Auf dem Dach der Helenenkapelle befindet sich heute ein äthiopisches Kloster, das sogenannte Deir es-Sultan, in dem seit 1875 einen kleine äthiopische Mönchsgemeinschaft lebt.