Kulturreisen suchen

Früheste Hinreise

...

Späteste Rückreise

...
(?)

Felsendom in Jerusalem

Er ist das Wahrzeichen Jerusalem s: An prominenter und heiligster Stelle auf dem geschichtsträchtigen Tempelberg thront der Felsendom . Das blaue Bauwerk mit der goldenen Kuppel ist weithin sichtbar und gehört zu den am meisten fotografierten Baudenkmälern Israels und Palästinas. Es ist das wichtigste islamische Heiligtum außerhalb von Mekka und Medina.


Video mit Sicht vom Ölberg auf den Felsendom - © STERN TOURS

Architektonisch wie eine Moschee entworfen, dient der oktogonale Dom als überkuppelter Schrein für den heiligen Fels, von dem nach islamischem Glauben der Prophet Mohammed mit einem Fabelpferd namens Al-Buraq in den Himmel gesprungen sein soll. Auch nach jüdischem Glauben ist der Fels ein heiliger Ort. Hier soll Abraham seinen Sohn Isaak geopfert haben wollen (Genesis 22). Der Felsendom steht ungefähr dort, wo sich einst der Jerusalemer Tempel erhob, der seit Salomons Zeiten ein Zentrum des Judentums war, die heilige Bundeslade beherbergte, mehrfach zerstört wurde und zur Zeit des Herodes zu einem der größten Tempel des Nahen Ostens ausgebaut wurde. Im Jahre 70 n. Chr. wurde der Tempel endgültig von den Römern zerstört. In spätrömischer und byzantinischer Zeit stand dort eine christliche Kirche.

Der Bauherr des Felsendoms war der arabische Kalif Abd el-Malik ibn Marwan, kurz Abdelmalik genannt (geboren 646 in Medina, gestorben 705 in Damaskus). Er gehörte der Dynastie der Omaijaden (Omayyaden) an, die seinerzeit in Damaskus residierte. Somit ist der Felsendom das älteste religiöse Großbauwerk des Islam. Da es noch keine islamischen Architekturvorbilder gab, orientierte man sich bei der Bauplanung und Gestaltung an christlichen Basiliken. Die herrlichen blauen Fayencekacheln der Außenfassade stammen aus dem 16. Jahrhundert und wurden vom osmanischen Sultan Suleiman in Auftrag gegeben.

Auf Arabisch wird der Felsendom Qubbet as-Sakhra genannt. Das bedeutet soviel wie „Kuppel des Felsens“ bzw. „Kuppel über dem Felsen“. Nach den heiligen Stätten von Mekka und Medina ist der Felsendom in Jerusalem der heiligste Ort des Islam. Während der Kreuzfahrerzeit wurde der Felsendom in eine Kirche umfunktioniert. Sultan Saladin (12. Jahrhundert) ließ nach seiner Rückeroberung Jerusalems den Felsendom wieder in ein islamisches Heiligtum umwandeln; das Kreuz auf der Kuppel wurde durch einen Halbmond ersetzt. Die Kuppel war übrigens in der Geschichte des Bauwerks mehrfach beschädigt oder eingestürzt, wurde aber immer wieder aufgerichtet. Die letzten großen Schäden entstanden 1927 durch ein Erdbeben. Während des Sechstagekriegs von 1967 hissten die Israelis auf dem Dom ihre Flagge mit dem Davidstern. Dies wurde in der islamischen als großer Affront wahrgenommen.

Wegen der pittoresken Lage auf dem Tempelberg ist der Felsendom weithin sichtbar und seit Jahrhunderten Motiv unzähliger Gemälde und Bilder von Jerusalem. Auch heute ist er das herausragende Fotomotiv der Stadt.

Insgesamt ist das Bauwerk 54 Meter hoch. Der Durchmesser bemisst sich auf etwa 55 Meter. Die goldene Kuppel wurde erst 1962 mit vergoldeten Aluminiumplatten versehen. Davor war die Kuppel schwarz. 1993 wurde das Blattgold erneuert.

Das oktogonale Bauwerk hat vier Eingangsportale. Sie sind exakt nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. Das Westtor (Bab el-Gharb), das Nordtor bzw. „Tor zum Paradies“ (Bab el-Dschnenneh), und das zum Kettendom ausgerichtete Osttor bzw. „Tor der Kette“ (Bab el-Silsilah) entsprechen sich architektonisch. Das Südtor (Bab el-Qibleh) hat ein Eingangsportal mit acht Marmorsäulen. Durch dieses Tor wird der Dom in der Regel betreten. (Schuhe werden am Eingang ausgezogen.)

Acht Pfeiler und sechzehn Säulen tragen die Decke des äußeren Umgangs. Vier Pfeiler und zwölf Säulen grenzen den inneren Umgang vom Zentrum des Heiligtums ab und tragen das Kuppelgewölbe. Somit entspricht der Bau einer Basilika mit rundgehendem Mittelschiff und zwei Seitenschiffen. Das Kultzentrum ist der heilige Felsen (as-Sakhra). Er gilt als Spitze des biblischen Bergfelsens Moriah. Der Felsen ist etwa 17 Meter lang und 13 Meter breit. Auf dem Felsen sind Abdrücke zu erkennen, die von den Muslimen als Huf-Abdrücke des Pferdes des Propheten gedeutet werden. Unter dem Felsen befindet sich eine kleine sieben mal sieben Meter messende Höhle oder Grotte, die von den Muslimen als Brunnen der Seelen bezeichnet wird. Die Seelen der Toten sollen hier eine Versammlungsstätte für ihre gemeinsamen Gebete haben. Diese Höhle kann in der Regel betreten werden.

Die Innenarchitektur und Innendekoration des Felsendoms ist vollständig aus feinsten Materialien gefertigt. Der Fußboden und die Säulen sind aus Marmor. Die Kapitelle der Säulen sind vergoldet. Edle grüne und rote Teppiche bedecken den Boden der Umgänge. Das Innengewölbe der Kuppel ist mit viel Gold verziert. Pflanzenmotive und feingliedrige Ornamente sind in harmonischen und geometrischen Mustern geordnet. Arabische Spruchbänder und Inschriften geben Auszüge aus dem Koran wieder. Dem islamischen Verbot figürlicher Darstellungen folgend, wurde bei der Dekoration sehr viel Wert auf Ornamente gesetzt.

Der geometrische Architekturentwurf mit der Harmonie des Oktogons hat immer wieder Bewunderung ausgelöst. Die klare Struktur des Entwurfs und ihre Ausrichtung nach den Himmelsrichtungen strahlt Reinheit und kosmische Ordnung aus. Sie zeugt vom geometrischen Verständnis der Baumeister.

Besichtigung

Der Felsendom darf von Nichtmuslimen nur außerhalb der Gebetszeiten sowie nicht an Freitagen, Samstagen und islamischen Feiertagen betreten werden. Nichtislamische religiöse Symbole dürfen nicht mitgenommen werden. Die Schuhe müssen am Eingang ausgezogen werden. Frauen müssen ihre Schultern bedeckt halten und dürfen keine kurzen Kleider tragen. Politische oder religiöse Statements sollten auf jeden Fall unterbleiben. Alle Besucher müssen sich bewusst sein, an einem heiligen Ort für drei Weltreligionen zu stehen, der wegen der Konflikte im Nahen Osten sowohl religiöse als auch politische Sprengkraft in sich trägt. Eventuelle Anweisungen von Sicherheitskräften sind unbedingt zu befolgen.

Kettendom

Fast unscheinbar steht östlich neben dem Felsendom der kleine Kettendom. Hierbei handelt es sich um ein rundes, offenes und von Säulen getragenes Bauwerk an der Stelle, wo einst David Gericht gehalten und sein Sohn Salomo zum Andenken seines Vaters eine Kette zwischen Himmel und Erde gehängt haben soll. Das genaue Alter des kleinen Bauwerks ist unbekannt. Vermutlich stammt es aus dem 8. Jahrhundert. Es wurde wie der Felsendom im 16. Jahrhundert von Sultan Suleiman mit Fayencekacheln dekoriert.

 

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg