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Jericho

Jericho , von den Arabern Ariha genannt, ist die älteste heute noch bewohnte Stadt der Welt. Dort, wo nach der biblischen Erzählung im Buch Josua (6, 20) die Israeliten mit ihren Posaunen die Mauern einstürzen ließen, lebten schon vor über zehntausend Jahren Menschen. Zugleich ist Jericho die am tiefsten gelegene Stadt der Welt. Rund 258 Meter unterhalb des Meeresspiegels ist sie in ein flaches Seitental des Jordangrabens eingebettet.


Video zu Jericho - äteste Stadt der Welt. - © STERN TOURS

Ältester Stein-Turm der Welt in Jericho

Jericho ist ein Geschenk örtlicher Süßwasserquellen, die den Ort in eine Oase verwandeln. Seit Jahrtausenden ist Jericho ein blühender Garten. Die Quellen sind uralt und erklären, warum sich an diesem Ort seit jeher immer wieder Menschen niedergelassen haben. Selbst auf Satellitenfotos von Palästina hebt sich das Grün Jerichos von der sie umgebenen Wüste ab. Heute leben dort mehr als zwanzigtausend Menschen. Die Bewohner sind mehrheitlich palästinensische Araber. Ihre Haupteinkommensquellen sind die Oasenwirtschaft und der Tourismus.

Jericho ist ein historisch bedeutsamer Ort mit Ruinen aus 10.000-jähriger Geschichte . Die meisten historischen Hinterlassenschaften stammen aus der Frühzeit und dem Altertum sowie der Spätantike. Im Mittelalter dagegen war Jericho vergleichsweise unbedeutend, dünn besiedelt und auf seine landwirtschaftliche Funktion reduziert.

Von Jerusalem aus sind es nur rund 40 Kilometer bis nach Jericho. Eigentlich kann man mit dem Taxi direkt von Jerusalem nach Jericho fahren. Doch sind Zugang und Fahrtdauer von der jeweiligen politischen Situation und von den Kontrollen abhängig, mit denen man gegebenenfalls rechnen muss, denn Jericho befindet sich auf der palästinensischen Seite der Westbank. Bevor man also einen Ausflug dorthin plant, sollte man sich über die aktuellen Zugangsmöglichkeiten erkundigen.

Bis zum Fluss Jordan (und damit zur jordanischen Grenze) sind es etwa 10 Kilometer, bis zum Toten Meer rund 15 Kilometer. Jericho liegt also ideal, um einen Besuch dort mit einem Ausflug zum Toten Meer und nach Masada zu verbinden. Das Klima ähnelt jenem am Toten Meer. Besonders der Sommer ist sehr trocken und sehr heiß. Im Winter ist das Klima jedoch angenehm mild und trotzdem sonnig. Dies ist der Grund, weshalb Jericho in historischen Zeiten als Winterresidenz beliebt war.

Archäologische Stätte Tell es-Sultan (Tel Yeriho)

Der Ruinenhügel Tell es-Sultan (Tell el-Sultan, Tell as-Sultan, Tel Yeriho) ist die archäologische Schatzkammer der Stadt. Denn hier liegt der Beweis für mehr als 10.000 Jahre Stadtgeschichte. Damit ist Jericho die älteste Stadt der Welt, die heute noch bewohnt ist. Mehr als zwanzig Meter hoch erheben sich die Schutt- und Ruinenberge. Generationen von Archäologen haben Schicht für Schicht die Hinterlassenschaften der Stadtgeschichte erforscht.


Video zu Tell es-Sultan - eine archäologische Grabungsstätte in Jericho. - © STERN TOURS

Allererste Spuren menschlicher Anwesenheit reichen etwa 11.000 bis 12.000 Jahre zurück, als steinzeitliche Jäger und Sammler hier ihr Lager aufschlugen. Vor rund 10.000 Jahren begannen sich die Menschen dauerhaft in Jericho niederzulassen. Aus wandernden Jägern und Sammlern wurden sesshafte Ackerbauern und Viehhirten. Diesen Prozess des Wandels von der Nahrungsmittelsuche zur Nahrungsmittelproduktion nennen die Archäologen „Neolitische Revolution“ bzw. „Jungsteinzeitliche Revolution“. Die bäuerliche Siedlung wurde mit einer Schutzmauer umgeben. Zu den Befestigungsanlagen dieser frühen „Stadt“ gehörte auch ein Wachturm mit fast 10 Metern Durchmesser. Dieser rund 10.000 Jahre alte Turm ist der älteste erhaltene Steinturm der Welt. Er ist mehr als doppelt so alt wie die Pyramiden von Giza in Ägypten oder die Megalithbauten von Stonehenge in England. Wie sich anhand der Grundrisse feststellen lässt, lebten die Menschen von Jericho anfangs, so etwa im 9. und 8. Jahrtausend v. Chr., in runden Stampflehmbehausungen. Ab dem 7. Jahrtausend v. Chr. wechselte man zur Ziegelbauweise mit rechteckigen Grundrissen. Zwischendurch gab es Phasen der Zerstörung und des Wiederaufbaus. Die ersten Tiere, die man, den archäologischen Befunden zufolge, für die Landwirtschaft in der Oase von Jericho domestiziert hatte, waren Schafe.

Auch in der Bronzezeit, die man ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. ansetzt, blieb Jericho bewohnt. Die Ausgrabungen haben jedoch aufgezeigt, dass es immer wieder Zerstörungen gab und der Ort phasenweise verlassen war. Oft ist es nur schwer festzustellen, ob eine Mauer oder ein Gebäude durch ein Erdbeben oder durch Menschenhand zu Fall gebracht wurde. Tatsache jedoch ist, dass es sowohl zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Städten Kanaans als auch schwere Erdbeben gab. Die biblische Geschichte der Eroberung des kanaanäischen Jericho durch Josua und die Anekdote der Zerstörung der Stadtmauer n unter dem Kriegsgeschrei und dem Posaunenklang der Israeliten könnte auf eine historische Begebenheit zurückzuführen sein, bei der sich während eines Angriffs oder einer Belagerung ein Erdbeben ereignet hat, die Natur somit der Ereignisgeschichte nachgeholfen hat.

Während der Spätbronzezeit gehörte Jericho zum ägyptischen Großreich, das sich zeitweise vom Nil bis zum Euphrat erstreckte. Hierbei darf man sich nicht vorstellen, dass Ägypter in großer Zahl in Palästina gesiedelt haben. Vielmehr waren die Städte Kanaans durch die Feldzüge der Pharaonen unterworfen und tributpflichtig gemacht worden. Zum Ende der Spätbronzezeit, das heißt in den letzten beiden Jahrhunderten des 2. Jahrtausends v. Chr., verlieren sich die Spuren. Für mindestens zweihundert Jahre wurde auf dem Gelände des Tell es-Sultan nicht gebaut. Doch das mag nichts heißen, denn die Oase von Jericho ist groß und unterhalb der heutigen Besiedlung können Ruinen aus dieser Zeit versteckt sein. Dies gilt übrigens für alle Besiedlungspausen des Tells.

Ab der frühen Eisenzeit, so gegen 1000 v. Chr., sind wieder Siedlungen auf dem Tell es-Sultan nachweisbar. Nach biblischer Überlieferung hatte König Ahab die Stadt wieder aufbauen lassen. Doch blieb die Stadt relativ unbedeutend. Eine traurige Anekdote bringt sie wieder zurück ins Gedächtnis der Geschichte: Im Jahre 587 v. Chr. hatte der babylonische König Nebukadnezar Jerusalem eingenommen. Große Teile der Bevölkerung Judas wurden ins babylonische Exil gebracht. Der damalige König von Juda, Zedekia, wurde bei Jericho von den Babyloniern gefangen genommen und geblendet, nachdem man vor seinen Augen seine Söhne getötet hatte.

Während des Exils verwahrloste die Stadt. Doch nach der Rückkehr aus dem Exil (nach 539 v. Chr.) gestattete der persische Großkönig Kyros die Neugründung. Die neue Stadt entstand etwa eineinhalb Kilometer südöstlich des Tell es-Sultan und erlebt ihre Blütezeit in der hellenistischen Zeit.

Neben den Ruinen von Tell es-Sultan befindet sich die Talstation der Bergbahn, die zum Berg der Versuchung und dem dortigen Kloster führt (siehe unten).

Ruinen der Perserzeit und klassischen Antike

Nachdem die Perser im Jahre 539 v. Chr. Babylon erobert hatten, erlaubte der persische Großkönig Kyros den Juden die Rückkehr in ihre Heimat. Viele verlassene Siedlungen wurden wieder aufgebaut. Das neue Jericho entstand südwestlich des Tell es-Sultan am Eingang des Wadi Qilt (Wadi Kelt).bzw. westlich des Ortskerns des modernen Jericho. In hellenistischer Zeit wurde Jericho mehrfach mit Festungsanlagen versehen, so unter der Herrschaft der Seleukiden und unter der Dynastie der Hasmonäer.

Aus der Zeit der Hasmonäer und des Herodes stammen die Ruinen von Tulul Abu el-Ayalik. Die Hasmonäer hatten auf der Nordseite des Wadi Qilt einen 50 mal 50 Meter großen Palast errichten lassen, den zunächst auch Herodes für sich nutzte. Doch dann ließ er weitere Anlagen bauen. Direkt oberhalb des Wadi Qilt entstand eine Palastanlage mit (von Westen nach Osten aufgezählt) einer großen Empfangshalle mit Säulen, einem Empfangshof und angrenzende Empfangsräume, Thermen und Privatgemächer. Auf der anderen Seite des Wadis, also südlich davon, liegen die Ruinen einer weiteren Palastanlage des Herodes. Sie hatte einen großen rechteckigen Grundriss. Die Empfangs-, Wohn- und Baderäume gliederten sich um einen großen nahezu quadratischen Peristylhof.

Weiter südlich von Tulul Abu el-Ayalik, liegen die Ruinen von Tell el-Aqabe (Tell el-Akaba), die ebenfalls aus der Zeit des Herodes stammen. Sie gehören zur historischen Festung Kypros, die von Herodes als Schutzburg ausgebaut wurde.

Berg der Versuchung und griechisch-orthodoxes Kloster

Nordwestlich von Jericho erheben sich die steilen Felsklippen des Gebel Qarantal in den Himmel. Hier sehen Christen den Ort der Versuchung, jener Wüstenlandschaft, in welche sich Jesus Christus vierzig Tage lang zurückzog und fastete (Matthäus, Kapitel 4). Zuvor hatte sich Jesus von Johannes dem Täufer im Jordan taufen lassen (Matthäus, Kapitel 3). Während dieser vierzig Tage wurde Jesus immer wieder von der dämonischen Gestalt des Teufels in Versuchung geführt. Eine der Versuchungen ereignete sich auf dem Gipfel dieses Berges, als ihm der Teufel beim Anblick der weiten Landschaft die ganze Welt als Königreich anbot. Jesus hielt allen Versuchungen stand. Heute pilgern Christen auf den Berg der Versuchung, um wie einst Jesus ihren Blick über die Weiten der Wüste Juda schweifen zu lassen.


Video zum Berg der Versuchung - © STERN TOURS

Der Berg der Versuchung (bei den Arabern Gebel Qarantal bzw. Dschebel Qarantal genannt) ist 348 Meter hoch. Dies ist der Wert in Bezug auf den Meeresspiegel. Da Jericho mehr als 250 Meter unterhalb des Meeresspiegels liegt, wirkt der Berg von der Talsohle an wesentlich größer.

Damit den Besuchern die mühselige Besteigung erspart bleibt, gibt es von Jericho aus eine Seilbahn zur Höhe des Berges. Die Seilbahnfahrt ist wegen der schönen Aussicht durchaus eine Attraktion – außerdem führt die Bahn direkt über die frühgeschichtlichen Ruinen, die man auf diese Weise von oben beäugen kann. An der Bergstation kann man im Restaurant und Café eine Pause bei atemberaubender Aussicht genießen. Hier erstrecken sich wie ein Adlerhort in der Felswand die Anlagen des griechisch-orthodoxen Klosters. Die Geschichte der klösterlichen Besiedlung geht bis ins 6. Jahrhundert zurück. Die heutigen Anlagen des Klosters stammen aus dem 19. Jahrhundert. Weiter oben auf dem Berg stehen die Ruinen einer alten Seleukiden-Festung namens Dok (Doq), die später von den Hasmonäern ausgebaut wurde.

Der Omayyadenpalast (Qasr Hisham)

1935 brachten archäologische Ausgrabungen etwa drei Kilometer nördlich von Jericho die Ruinen eines alten Palastes zutage. Es stellte sich heraus, dass es sich nicht um altorientalische oder antike römische Ruinen handelt, sondern um die Reste eines frühmittelalterlichen Kalifenpalastes aus dem 8. Jahrhundert. An der Chirbet el-Mafyir (Khirbet el-Mafjir, „Ruinen von Mafjir“) genannten Stätte hatte einst der Kalif Hischam Ibn Abd el-Malik eine prächtige Residenz errichten lassen. Zu jener Zeit residierten die Kalifen offiziell in Damaskus, ließen aber in Jordanien und Palästina zahlreiche Paläste errichten. Der Palast bei Jericho war wohl als Winterresidenz gedacht. Lange währte die Freude am neuen Palast nicht. Nur wenige Jahre nach dessen Fertigstellung wurde er durch ein Erbeben zerstört.

Die Architektur und Bauschmuckelemente zeigen starken römischen Einfluss. Zu jener Zeit orientierten sich die Araber stark an römischen, byzantinischen und persischen Architekturvorbildern, da die Eroberer aufgrund ihrer beduinischen Tradition kaum eigene Erfahrungen im Bau großer Gebäude mitbrachten. Die römischen Stilelemente erkennt man an der Grundrissplanung und an den schönen Mosaiken. An der Westseite sind noch Grundmauern der Wallanlagen zu sehen. Ursprünglich war der ganze Palastbezirk von wehrhaften Mauern umgeben.

Durch ein Tor auf der Ostseite gelangt man in das Innere des Palastes. Der Kernbereich des Wohnpalastes gruppiert sich um einen offenen Innenhof. Zur westlichen und östlichen Seite zweigen die Wohn- und Gästeräume ab. In der Mitte der Westräume liegt ein Audienzraum, darunter ein kleines Bad. Ursprünglich waren diese Gebäudetrakte zweistöckig. Repräsentativen Charakter hat der nördliche Raumbereich. Hier wurden Audienzen gehalten. Südlich wird der Innenhof von den Ruinen einer Moschee begrenzt.

Nördlich des Wohn- und Residenzkomplexes befinden sich die Ruinen des herrschaftlichen Badehauses. Hier kann man erkennen, dass das arabisch-türkische Bad, Hamam genannt, eine Fortsetzung der römischen Badekultur ist, die sich in den ersten beiden Jahrhunderten über den ganzen Mittelmeerraum verbreitete. Die Anlage besteht aus einer großen Badehalle mit sechzehn Pfeilern und an der Nordseite daran anschließend einem Heißbaderaum (Caldarium), einem Schwimmbecken und einem Diwan (Ruheraum) mit wunderschönen Fußbodenmosaiken. Herrlich anzuschauen ist das Mosaikbild auf einer Erhöhung, das einen Lebensbaum, Gazellen und einen jagenden Löwen zeigt.

Während der Ausgrabungsarbeiten am Qasr Hischam kamen zahlreiche Steinfiguren und künstlerisch wertvoller Architekturschmuck zutage. Es handelt sich um einmalige Beispiele frühislamischer Steinbildkunst. Die Objekte sind heue im Rockefeller-Museum in Jerusalem ausgestellt. Die Bildwerke und Mosaiken zeigen, dass es die Omayyaden-Kalifen mit dem islamischen Bildverbot nicht so genau nahmen.

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg