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Hula-Ebene und Tel Dan

Neben dem Banyas und Hazbani ist der Dan (Nahal Dan) der wichtigste Quellfluss des Jordan. In der Hula-Ebene fließen alle drei Flüsse zusammen und bilden den Jordan. Dank des Wasserreichtums und milden Klima s konnte sich in der Hula-Ebene eine üppige Vegetation entwickeln. Nach dem Dan sind ein dortiger Kibbuz und eine bedeutende archäologische Ausgrabungsstätte benannt.

Vom Quellgebiet des Banyas bis zum Naturreservat und Ruinenhügel von Tel Dan sind es nur rund 5 Kilometer mit dem Auto, die sich in wenigen Minuten zurücklegen lassen. Von dort erstreckt sich in südlicher Richtung die rund zwanzig Kilometer lange Hula-Ebene, eingebettet zwischen den südlichen Ausläufern des Anti-Libanon-Gebirges im Westen und den Golan-Höhen im Osten. Da die Ebene auf dem Weg zu den Golan-Höhen und zu den Banyas-Quellen liegt, lassen sich diese Ausflugsziele ideal auf einer Rundtour durch den Nordosten Israels verbinden. Von Nazareth aus ist die Hulaebene rund 80 Kilometer entfernt. Man muss mit mindestens mit einer Stunde Autofahrt rechnen. Von Tiberias am See Genezareth sind es etwa 60 Kilometer.

Hula-Ebene

Die Hula-Ebene ist die nördlichste Ebene Israels. Wegen ihres Wasserreichtums und ihres fruchtbaren Bodens wird sie landwirtschaftlich intensiv genutzt, vor allem für den Reis-, Zuckerrohr und Baumwollanbau. Doch es gibt auch natürlich belassene und brachliegende Flächen.

In der Geschichte war das Tal eine wichtige Route der Karawanen auf ihrem Weg von Syrien nach Palästina und Ägypten. In den letzten Jahrhunderten siedelten hauptsächlich syrisch-arabische Stämme in der Ebene. Im 19. Jahrhundert, als Palästina für einige Jahre zur osmanischen Provinz Ägypten gehörte, ließ der Khedive Ibrahim Pascha in der Hula-Ebene ägyptische Fellachen ansiedeln. Sie sollten die Sumpfebene urbar machen. Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten jüdischen Einwanderer in die Ebene. Ein prominenter Unterstützer der Zionistischen Bewegung, Baron Rothschild, ließ einen kleinen Eukalyptuswald anpflanzen. Im 20. Jahrhundert folgten mit der Gründung des Staates Israel weitere jüdische Siedler, die sich in der Ebene niederließen. Sie gründeten dort landwirtschaftliche Genossenschaftssiedlungen und Kibbuzim.

Ursprünglich war das ganze Tal eine Seen-, Sumpf- und Wiesenlandschaft mit reicher Flora und Fauna . Es war ein Paradies für Tiere, aber wegen der schwierigen landwirtschaftlichen Erschließung sowie der vielen Moskitos ein herausforderndes Terrain für die Siedler. Moderne Trockenlegungen der Seen und Sumpfflächen, insbesondere während der 1950er Jahre, haben zur Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen geführt, jedoch auch die natürliche Tier- und Pflanzenwelt nachhaltig gefährdet. Um den Bestand der wichtigsten Arten zu erhalten, wurden einige Abschnitte unter Naturschutz gestellt.

Zu den natürlich belassenen Teilen der Ebene gehört der Bereich des Hula-Naturschutzreservates im Süden der Ebene. Das Reservat ist auch auf den Tourismus eingestellt. Für die Besucher gibt es Picknick- und Rastplätze, befestigte Wege, Holzpfade und Stege durch die Wiesen- und Sumpflandschaft.

Zu sehen gibt es viel üppiges Grün, dichtes Schilf, Papyrusdickichte, Seerosen, Binsengefilde in denen sich allerlei Vogelarten tummeln. Besonders Kormorane, Reiher, Störche und Pelikane halten auf ihrem saisonalen Wanderweg nach Afrika im Naturreservat auf. Kleine Eisvögel jagen nach Fischen. Im Hochsommer ist die Luft über der Sumpflandschaft sehr schwül. In den Teichen sieht man gelegentlich Wasserschildkröten nach Luft schnappen. Die größten Tiere des Naturschutzgebietes sind die Wasserbüffel.

Tel Dan (arab. Tell Dan, auch Tell al-Qadi)

Ähnlich der Quellregion des Banyas, entspringt auch der Dan aus mehreren Quellteichen, deren Wasser sich zu einem Bach sammeln, aus dem schließlich einer der drei Quellflüsse des Jordan wird. Wie an den Banyas-Quellen gibt es hier ein Naturreservat mit reicher und ursprünglicher Vegetation, dichtem Baumbewuchs, Wanderwegen und archäologischen Hinterlassenschaften, die auf alte Besiedlungen hindeuten.

Der Siedlungshügel von Tel Dan birgt die Ruinen der alten kanaanitischen Stadt Lais, die bereits als jungsteinzeitliche Siedlung in der ersten Hälfte des vierten Jahrtausends v. Chr. gegründet worden war. Später siedelte hier der israelitische Stamm der Daniter, die dem Fluss und der Stadt den Namen gaben. Die Daniter waren wie die Philister mit den Seevölkern Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. nach Palästina gekommen. Später zogen sie in den Nordosten Palästinas. Die dortige kanaanitische Bevölkerung wurde vertrieben. Vom 9. bis zum 8. Jahrhundert v. Chr. gehörte die Stadt zum Nordreich Israel. König Jerobeam I. ließ hier ein bedeutendes Heiligtum errichten. 733-732 v. Chr. wurde Dan von den Truppen des assyrischen Königs Tiglatpilesar III. zerstört. Dennoch blieb der Ort besiedelt. Erst in der klassischen Antike wurde Dan als zentraler Ort der Region von Banyas abgelöst.

Seit den 1960er Jahren wird der etwa zwanzig Meter hohe Tell (Ruinenhügel) archäologisch erforscht. Die Siedlungsgeschichte reicht von der Jungsteinzeit über die Bronze- und Eisenzeit bis hin zur klassischen Antike. Bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. war die Stadt mit Mauern befestigt. Besonders eindrucksvoll ist die (mittlerweile durch eine künstliche Überdachung geschützte) kanaanitische Stadttoranlage aus der Bronzezeit. Ebenfalls sehenswert sind die steinernen Hinterlassenschaften eines altisraelischen Altargebäudes. Hier, so vermutet man, wurde ein von den libanesischen Bergstämmen geraubtes Götterbild verehrt, über das die Bibel berichtet (Richter 18,13-31). Auch ein goldenes Kalb wurde unter König Jerobeam I. in Dan angebetet (1. Könige 12,26-30). Dies war aus Perspektive des Südreiches Juda und dessen König Rehabeam eine Götzenbildverehrung, die dem wahren Glauben an den unsichtbaren Gott Jahwe widersprach.

Gut erhalten sind außerdem die Überreste der alten Stadtmauer , die aus Natursteinen errichtet wurde. Noch heute beeindrucken die Befestigungswerke mit ihren kantig vorspringenden Bastionen.

Zu den archäologischen Befunden kommen als wichtige Geschichtsquellen die antiken Texte, in denen der Ort erwähnt wird. Dabei handelt es sich zumeist um altägyptische Hieroglyphentexte und keilschriftliche Dokumente aus Mesopotamien. Im frühen 2. Jahrtausend v. Chr. wurde der Ort Dan in den sogenannten ägyptischen Ächtungstexten erwähnt. Hierbei handelt es sich um magische Texte, in denen Städte befeindeter Fremdländer verflucht wurden. Eine Tempelliste aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. erwähnt Dan unter den eroberten Städten Palästinas, die Pharao Thutmosis III. während seiner Palästinafeldzüge eingenommen und tributpflichtig gemacht hatte.

Abgesehen von den Erwähnungen in der Bibel gibt es noch eine berühmte, in den Ruinen von Tel Dan gefundene Inschrift, die das „Haus Davids“ nennt. Dies wird als Hinweis auf Zusammenhänge zwischen der Stadt und der historischen Person des Königs David gedeutet oder zumindest als Verweis auf eine historische Verbindung der Stadt mit der Geschichte dieses Herrschers verstanden.

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg