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Herrschaft der Mamluken (1291-1516)

Mit der blutigen Schlacht um Akko im Jahre 1291, in welcher die ägyptischen Mamluken (Mamelucken) die letzten Kreuzfahrer vertrieben und die Christen in der Stadt töteten oder als Sklaven verkauften, endete die Epoche der Kreuzfahrerstaaten im Heiligen Land. Nun kontrollierten die Mamluken aus Ägypten ganz Palästina. Wer waren die Mamluken? Mit der rasanten Expansion des Islam und den dadurch neu entstandenen islamischem Reichen, entstand in vielen Regionen Vorderasiens und Nordafrikas eine Situation, in der eine islamisch-arabische Oberschicht über eine große nicht-arabische und nicht-islamische Bevölkerung regierte. Zwar wurden in den meisten Regionen die Menschen mit der Zeit kulturell und sprachlich arabisiert und zum Islam bekehrt, doch war dies ein langwieriger Prozess. Diese Situation sorgte für eine gewisse Unsicherheit der Herrscher. Zudem gab es permanent Thronstreitigkeiten und Intrigen, Spaltungen und Kriege mit muslimischen Rivalen. Um dieser Situation Herr zu werden, begannen schon die abbasidischen Kalifen im 9. Jahrhundert, sich eine Leibwache und Privatarmee aus Kriegersklaven zusammenzustellen. Meistens kamen diese Kriegersklaven aus Südosteuropa, der Kaukasusregion und Innerasien, insbesondere aus dem turksprachigen Raum. Der Begriff „Kriegersklave“ ist irreführend, weil es sich weniger um einfache Sklaven im engeren Sinne handelt, als vielmehr um eine besondere Form königlicher Leibeigene zum Zwecke des Kriegsdienstes. Sie waren nur dem König/Sultan/Kalifen gebunden und konnten sich auch von ihrer Bindung loskaufen. Es gab auch viele, die sich freiwillige an einem Herrscher als „Kriegersklave“ verkauften und dann in dessen Armee dienten. Oft wurden Knaben auf Sklavenmärkten des Orients gekauft und dann in besonderen Kasernen zu Kämpfern ausgebildet, die ihrem Herrn treu ergeben waren. In solchen Armeen konnten Kriegersklaven zu hohen Ämtern, sogar zu Generälen aufsteigen. Die Mamluken Ägyptens waren also (wie auch später die Janitscharen des Osmanischen Reiches) eine Herrscherdynastie, die von ehemaligen Kriegersklaven abstammten.Machtergreifung der Mamluken: Schon während der Zeit der Ayyubiden, also jener Dynastie, zu welcher auch Sultan Saladin, der große Gegner der Kreuzfahrer, gehörte, dienten Mamluken im ägyptischen Heer. Sie waren maßgeblich in den Schlachten gegen die Kreuzritter engagiert. Als Leibgarde waren sie zudem meistens in der Nähe des Herrschers. Als im Jahre 1249 das Kreuzfahrerheer des sechsten Kreuzzuges unter dem Befehl des französischen Königs Ludwig IX. nach Ägypten kam, dort die Hafenstadt Damietta eroberte und schließlich weiter nach Süden gegen Kairo zog, stellte sich das ägyptische Heer mit den Mamluken den Kreuzrittern entgegen. Die Mamluken konnten die Kreuzfahrer bei Mansura besiegen. In dieser Phase starb jedoch Sultan as-Salih Ayyub. Sein Sohn und Nachfolger schaffte es nicht, rechtzeitig an der Schlacht teilzunehmen. Die siegreichen Mamluken griffen nach der Macht. Wenige Wochen später war der Sultansprinz von den Mamluken ermordet worden. Die neue Herrscherdynastie wurde von den Bahri-Mamluken gestellt. Der Mamluken-Kommandeur und spätere Sultan Baibars zog mit seinem Heer nach Palästina und Syrien, um dort gegen die Kreuzfahrerstaaten zu kämpfen. Außerdem mussten sie gegen die einfallenden Mongolen kämpfen, die 1260 in Palästina in der Schlacht von Ain Djalut (Ayn Jalut, Galiläa) aufgehalten und zurückgeschlagen werden konnten. Sultan Baibars und seine Nachfolger setzten die Kämpfe gegen die Mongolen und Kreuzfahrer fort, bis im Jahre 1291 mit Akko die letzte Bastion der Kreuzfahrer gefallen war und bis die Mongolen aus Syrien herausgedrängt waren. Damit waren zum Ende des 13. Jahrhunderts nicht nur Ägypten sondern auch Palästina und der größte Teil der Levante in der Hand der Mamluken.Herrschaft der Mamluken in Palästina: Mit der Herrschaft der Mamluken und dem Ende der Kreuzfahrerstaaten war Palästina vom Zentrum der islamisch-christlichen Kriege und Auseinadersetzungen wieder zu einem Teil der Peripherie geworden. Die christliche Bevölkerung wanderte ab, wenn sie zuvor nicht schon getötet oder als versklavt wurde, und nur ein kleiner Teil blieb zurück. Die unzähligen Kreuzfahrerburgen wurden entweder von ihren neuen islamischen Herren als Festungen ausgebaut oder sie verfielen. Die Handels- und Hafenstädte der palästinischen und libanesischen Küste, die unter den Kreuzfahrern blühten, verloren an Bedeutung. Ihre Häfen wurden sogar teilweise zerstört, um eine eventuelle Rückkehr der Kreuzfahrer zu verhindern und den westlichen Einfluss zu verringern, der zuvor durch den Seehandel mit den europäischen Mittelmeerstädten entstanden war. Stattdessen wurde wieder der Karawanenhandel des Inlandes ausgebaut. Es wurden Karawansereien und Basare errichtet, Moschee und Madrasen gebaut. In Jerusalem wurden auf dem Tempelberg Madrasen (Koranschulen), ein Brunnen an der Felsendom terasse und andere Kleinbauten errichtet, die man heute noch sehen kann. Kirchen und christliche Bauten verfielen dagegen. Christliche Wallfahrtsorte wie Bethlehem verloren vollends an Bedeutung. Dagegen wurden Orte, die auch für den islamischen Glauben sind, mit weiteren Bauten bedacht, wie beispielsweise Hebron. Dort sollen sich in der Höhle Machpela die Gräber der Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob (und ihrer Frauen Sarah, Rebecka und Lea) befinden, die nicht nur im Judentum und Christentum, sondern auch im Islam verehrt werden. Hebron war neben Mekka, Medina und Jerusalem, usw. ein Ziel muslimischer Pilgerreisen. Deshalb ließen die Mamluken in Hebron Moscheen, Madrasen, und soziale Einrichtungen errichten. Das Heiligtum Haram el-Khalil (mit Ibrahim-Moschee) wurde von den Mamluken ausgebaut. Hier werden die Kenotaphe (Scheingräber) der Erzväter verehrt. Große Bauten wurden auch in Ramla errichtet.Im 14. Jahrhundert wurde Palästina von der Pest heimgesucht. Der schwarze Tod kam 1347 nach Ägypten und verbreitete sich von dort in den Jahren 1347 bis 1349 über Palästina und Syrien aus. Auch die großen Städte wie Jerusalem, Damaskus, Aleppo usw. waren betroffen. Zur selben Zeit erreichte die Pest Europa und verbreitet sich vom südöstlichen Mittelmeerraum über fast den gesamten Kontinent aus. Sowohl im Nahen Osten als auch in Europa waren die Verluste an Menschenleben, die der Seuche zum Opfer fielen, enorm. Zusammen mit den vielen Kriegen, Hungersnöten und Missernten führten die Seuchen zu einem Rückgang der Bevölkerung im Nahen Osten. Im Jahre 1382 wurde die Dynastie der ägyptischen Bahri-Mamluken von den Burdschi-Mamluken abgelöst. An der Situation Palästinas änderte dies jedoch nichts.Ende der Mamluken-Ära: Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhundert formierte sich eine neue Macht im Nahen Osten. Die türkischen Osmanen konnten ihr Hoheitsgebiet in Anatolien erweitern, im Jahre 1453 Konstantinopel (Byzanz) erobern und zu ihrer neuen Hauptstadt Istanbul machen. Schließlich begannen sie weitere Eroberungsfeldzüge auf dem Balkan und im östlichen Mittelmeerraum. Im Jahre 1516 konnten die Osmanen bei Aleppo die Mamluken vernichtend schlagen. 1517 erfolgte die Eroberung Palästinas und Ägyptens durch Sultan Selim I., dessen Heer bis nach Kairo zog. Da der letzte Mamluken-Sultan, Tuman Bay, sich weigerte, die Oberhoheit der Osmanen anzuerkennen und sich dem osmanischen Sultan zu unterwerfen, wurde er am Kairoer Stadttor Bab Zuweila erhängt. Ägypten und Palästina blieben für die nächsten Jahrhunderte in der Hand der Osmanen.

 

Auswahl weiterführender Literatur

  • Haarmann, Ulrich und Heinz Halm (Hrsg.), Geschichte der arabischen Welt, München 2004 (5. Auflage).

 

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg