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Herodes der Große

Model Jerusalem s zur Zeit des Herodes
Modell des Jerusalem er Tempel zur Zeit des Herodes

Herodes der Große ist eine der berühmtesten und berüchtigtsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Heiligen Landes. Auf Schritt und Tritt begegnet man historischen Bauten aus seiner Regierungszeit. Auf ihn gehen die Festungsbauten von Masada und Herodion zurück, ebenso wie der neue Tempel zu Jerusalem. Ein berühmtes Modell der Stadt zur Zeit des Herodes steht im israelischen Nationalmuseum. Herodes I., auch Herodes der Große genannt, war im 1. Jahrhundert v. Chr. ein römischer Vasallenkönig, der über Judäa, Galiläa und Samaria herrschte. Historisch bescherte er dem Land eine mehr als drei Jahrzehnte lange Friedenphase mit wirtschaftlichem Aufschwung. Zahlreiche Bauprogramme gehen auf ihn zurück. Die christliche Überlieferung zeichnet dagegen das Bild eines blutrünstigen und rachsüchtigen Tyrannen, der für die despotische Verfolgung Oppositioneller, unzählige Intrigen und für den Kindermord zu Bethlehem verantwortlich ist. Selbst vor seinen eigenen Familienmitgliedern machte er nicht halt.

Beginn der Karriere

Im Jahre 73 v. Chr. in eine wohlhabende idumäische Familie hineingeboren, war ihm eine große Karriere in die Wiege gelegt worden. Sein Vater, Antipater der Idumäer genannt, war enger königlicher Berater des Herrschers Hyrkanos II. und ebnete seinem 25 Jahre jungen Sohn den Weg in die Politik, als er Herodes zum Gouverneur von Galiläa machte. Sein älterer Bruder, Phasael, wurde zum Statthalter von Jerusalem ernannt. So wuchs der Einfluss der Familie. Doch schon früh lernte Herodes die Gefahren der Herrschaft kennen: Überall intrigierten Widersacher, die auch vor Meuchelmord und Totschlag nicht zurückschreckten. Das Attentat auf Julius Caesar im Jahre 44 v. Chr. sorgte für Unsicherheit im Römischen Reich. Wie geht es weiter? Nur ein Jahr später wurde Herodes Vater, Antipater, Opfer eines Attentats. Herodes ließ den Attentäter verfolgen und töten. Zusammen mit seinem Bruder, Phasael, regierte Herodes nun auch über Judäa, allerdings stellvertretend im Namen des Herrschers und Hohenpriesters Johannes Hyrkanos II. Dann kam Ende des Jahres 41 v. Chr. wieder die Weltgeschichte ins Spiel. Eine Armee der Parther, die über Mesopotamien und Persien herrschten, marschierte unter der Führung des parthischen Prinzen Pakorus und des Satrapen Barzaphanes ins römisch besetzte Syrien ein und zog dann weiter nach Palästina. Im Jahre 40 v. Chr. wurde Jerusalem erobert und der Hasmonäer Antigonos als parthischer Vasall zum Herrscher von Judäa ernannt. Herodes floh mit seiner Familie zunächst nach Masada, dann über das Tote Meer zu den Nabatäern (im heutigen Jordanien). Schließlich gelangte Herodes die Flucht über Ägypten nach Rom. Währenddessen zogen sich die Parther wieder aus Palästina und Syrien zurück. Die Römer empfingen Herodes freundlich, hatten sie doch ein gemeinsames Ziel, die Beseitigung des von den Parthern eingesetzten Herrschers Antigonos. So wurde Herodes vom römischen Senat kurzerhand zum (Vasallen-)König von Jerusalem und Judäa ernannt und erklärte Galiäa und Samaria zu Provinzen dieses neuen Vasallenkönigreiches. Nun musste nur noch der theoretische Anspruch politische Realität werden.

Herrschaft des Herodes

Noch im Jahre 40 v. Chr. landeten die Römer und Herodes mit ihren Schiffen in der Hafenstadt Ptolemais (nördlich des heutigen Haifa ). Von dort aus begannen die römischen Legionen zusammen mit Herodes die Rückeroberung Palästinas. Erst im Jahre 37 v. Chr. war dieser Krieg beendet. Die Schwierigkeit lag darin, dass nicht nur die Anhänger des Antigonos Herodes bekämpften, wo sie nur konnten, sondern dass auch ein Großteil der jüdischen Bevölkerung in Herodes eine Marionette Roms sah. Auch seine Background als Idumäer machte ihn unpopulär, da sie als Nachfahren der Edomiter angesehen wurden. Doch mittels römischer Unterstützung konnten der Widerstand gegen Herodes schließlich gebrochen werden. Jerusalem wurde unter Gewaltanwendung bezwungen. Herodes I. war nun Vasallenherrscher. Sein Widersacher Antigonos war gefangen genommen und schließlich auf Geheiß des Marcus Antonius hingerichtet worden. Seitdem Marcus Antonius und die ägyptische Königin Kleopatra den Ostteil des Römischen Reiches kontrollierten und im Bürgerkrieg mit dem Westteil des Römischen Reiches unter Oktavian im Bürgerkrieg standen, hielt sich Herodes treu an Marcus Antonius. Erst als nach der Schlacht bei Actium im Jahre 31 v. Chr. der Sieg des Oktavian, des späteren Kaisers Augustus, bekannt gegeben wurde, wechselte Herodes schnell die Seite und stellte sich auf die Seite des römischen Siegers. So wurde Herodes in seinen Ämtern und Würden unter Kaiser Augustus erneut bestätigt. Herodes bedankte sich mit besonderer Loyalität und der Umbenennung Samarias zu Ehren des Kaisers. Unter der Schutz- und Schirmherrschaft der Römer regierte Herodes das Land nach eigenem Gutdünken. Besonders war er dem Hang zu großen Bauprojekten verfallen. Jerusalem erhielt unter seiner Ägide ein neues Gesicht. Die Stadt wurde mit prächtigen Prunkbauten versehen und massiven Festungsmauern umgeben. Der heilige Tempelkomplex im Herzen Jerusalems wurde umgebaut und erheblich erweitert. Es entstand eine der größten Tempelanlagen seiner Zeit. Umgeben war die Anlage von hohen massiven Mauern. Große Höfe umgaben das eigentliche Heiligtum. Prächtig war auch sein königlicher Palast. Weitere Bauprogramme umfassten die Festungsbauten von Herodion (südlich von Jerusalem) und Masada (am Toten Meer). Die Stadt Samaria wurde ausgebaut und zu Ehren des römischen Kaisers in „Sebaste“ (griechisch für „Augustus“) umbenannt. Eine wichtige Stadtgründung des Herodes war die Hafenstadt Caesarea , die ebenfalls nach Augustus benannt war. Hier ließ Herodes zwischen den Ruinen eines alten phönizischen Hafens die größte hellenistische Hafenstadt der Levante errichten: mit modernen römischen Straßen, Thermen, Theater, Aquädukten usw. Herodes hatte ein großes Interesse an der infrastrukturellen Erneuerung der Stadtanlagen in Palästina. Anscheinend war er von seinen Reisen nach Rom von der römischen Baukunst beeindruckt gewesen, denn von nun an orientierten sich die Planung und Durchführung von Bauprojekten an den Standards römischer und hellenistischer Städte. Wasser- und Abwasserleitungen, Aquädukte, ordentlich befestigte Straßen und Thermen sollten Bestandteil der städtischen Wohnkultur werden. Architektonisch und stilistisch wurde insbesondere am Tempel ein Mischmasch aus griechisch-römischer und altorientalischer Baukunst umgesetzt. Trotz Prunksucht und Despotie wusste er um die Wichtigkeit, das Volk bei Laune zu halten und vor Nöten zu schützen. Dies bewies er anlässlich einer Hungersnot wegen dürrebedingter Ernteausfälle. Er importierte Getreide aus Ägypten und ließ es unters Volk verteilen. Zusätzlich senkte er das Maß der Abgaben und Steuern. Das Reich des Herodes blühte wirtschaftlich vor allem wegen des florierenden Handels. In Jerusalem kreuzten sich die Handelswege aus Nahost und Afrika. Auch landwirtschaftlich war das Land hervorragend erschlossen. Aufstände wurden brutal niedergeschlagen. So unternahm Herodes einen Feldzug gegen die Nabatäer an den Südostgrenzen des Reiches, die sich mit jüdischen Rebellen zusammengetan hatten. Diese Aktion stieß auf Kritik des römischen Kaisers, da es nicht abgesprochen war. Ebenso so grausam wie konsequent ging er gegen eigene Familienmitglieder vor. So ließ er seine zweite Frau Mariamne wegen Untreue hinrichten. Auch ihre gemeinsamen Söhne wurden später hingerichtet, weil Herodes ihre Rache fürchtete.

Expansion des Vasallenreiches

Wäre Herodes nicht Vasallenkönig unter Kaiser Augustus, könnte man meinen, er sei ein großer Eroberer gewesen. Denn er vergrößerte sein Königtum um fast das Doppelte. Ursprünglich Herr über Judäa, Galiäa und Samaria, verlieh ihm Augustus zusätzlich die Macht über Gaza und den palästinischen Küstenstreifen. Später kamen noch weite Gebiete des südlichen Syrien unter seine Herrschaft: die Provinzen Trachonitis, Aurantis, Gaulanitis und Batenea – alles Regionen nordöstlich des See Genezareths. Eine Hand wäscht die andere. Für die Römer war es von Vorteil, dass Herodes die Stämme und Völker im Umfeld Palästinas in Schach hielt und zugunsten Roms befriedete. Für Herodes war es eine Möglichkeit, sein Königreich zu vergrößern und dabei noch den Schutz und das Wohlwollen einer Weltmacht im Hintergrund zu wissen.

Kindermord zu Bethlehem

Der im Matthäusevangelium erwähnte Kindermord zu Bethlehem ist die berühmteste Anekdote, die mit dem Namen Herodes verbunden wird. Nach christlicher Überlieferung sollen Tausende erstgeborene Knaben ums Leben gekommen sein. Allerdings gibt es außer der christlich-biblischen Überlieferung keine historischen Indizien für diesen Kindermassenmord. Doch soll Herodes tatsächlich die Idee eines Messias gefürchtet und ihre Vertreter verfolgt haben. Darunter litten vor allem die Pharisäer, die mit der Ankunft des Messias ein Ende der Herrschaft des Herodes erwarteten.

Das Ende der Herrschaft des Herodes

Von schwerer Krankheit gekennzeichnet, änderte er mehrfach sein Testament und machte sich Gedanken über die Zeit nach seinem Ableben. Schließlich wurde nach seinem Tode im Jahre 4 v. Chr. (in Jericho ) das Reich unter seinen drei Söhnen aus vierter und fünfter Ehe, Herodes Achelaos, Herodes Antipater und Herodes Philippos, aufgeteilt. Übrigens war Herodes insgesamt zehnmal verheiratet gewesen und hatte insgesamt mindestens zehn Söhne und fünf Töchter gezeugt.

Gesellschaftliche Nachwirkungen der Herodes-Herrschaft

Trotz seiner Tempelbauten galt Herodes, im Gegensatz zu Vertretern der Herrscher- und Priesterdynastie der Hasmonäer, nicht als religiöser Führer der Juden. Im Gegenteil. Unter Herodes dem Großen war das Ende der berühmten Dynastie zunächst als Herrscher, dann als Hohepriester gekommen. In ganz Palästina entwickelten sich unterschiedliche Sekten und religiöse Gruppen, die sich oftmals gegnerisch gegeneinander stellten: die Pharisäer, Sadduzäer und die Essener. Die Spannungen zwischen den Gruppen polarisierten die jüdische Gesellschaft. Das unter seinen Söhnen aufgeteilte Reich wurde schließlich im Jahre 6 n. Chr. unter direkte römische Verwaltung gestellt. Damit war die Semiautonomie des einstigen Vasallenstaates aufgehoben. Dies war die Geburtsstunde der kriegerischen Zeloten und des jüdischen Widerstandes gegen die Römer.

 

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg