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Einführung und Überblick – Land und Leute

Orthodoxer Jude in Jerusalem
„Mittelpunkt der Welt – Überall wo wahre Religion entsteht, ist ein Mittelpunkt der Welt.“ (Aus Franz Werfels Roman: Höret die Stimme)Das Land zwischen Jordan und Mittelmeer ist heiliges Land. Es ist das „Heilige Land“ für drei große Weltreligionen mit all ihren unterschiedlichen Glaubenskonfessionen und Abspaltungen. Den Juden ist es das Land der Väter, zu dem Abraham durch die Hand Jahwes geleitet wurde und welches Moses dem Volke Israel als Heimstatt zuwies. Den Christen ist es das heilige Palästina, wo ihr Heiland geboren wurde, seine Lehre verkündete und gekreuzigt wurde. Den Muslimen in aller Welt ist es das Land, in dem der große Prophet Mohammed mit einem Pferd in den Himmel sprang. Viele Völker siedelten hier. Viele fremde Mächte eroberten es. Weil die Religionen und Vorstellungswelten aus diesem Lande räumlich und zeitlich so weit trugen, weil Abendland und Morgenland gleichermaßen einen Ursprung und Mittelpunkt ihrer Glaubenswelt und Identität dort empfinden, weil Pilgerströme aus allen Kontinenten zu religiösen Festen und zur Wallfahrt eintreffen, weil das Land seit Beginn der historisch erzählbaren Zeit stets blutig umkämpft war, ist dessen Präsenz in den weltweiten Medien überproportional hoch. Denn topographisch ist es nur ein sehr kleines Land. Gerade mal 470 km misst das Land von Nord nach Süd, und von Ost nach West 135 km an seiner breitesten und nur 15 km an seiner schmalsten Stelle.

Das Gebiet des modernen Staates Israel und der palästinensischen Autonomiegebiete soll die Grenzen des Landes abstecken, welches Thema dieses Reiseführers ist. Eine Reise dorthin kann auf vielerlei Motivation beruhen. Man muss kein religiöser Pilger sein, um in der ewigen Stadt Jerusalem die Aura eines besonderen Ortes zu spüren. Allein die Tatsache, dass die Namen der Städte und Orte in Israel und Palästina Milliarden von Menschen seit ihren Kindertagen vertraut sind, weil sie in Ländern aufwuchsen, deren Kulturen vom Christentum, Judentum oder Islam geprägt sind, machen jede Erstlingsreise zu einem Déja-vu-Erlebnis. Wir Mitteleuropäer sind mit der alljährlich zelebrierten Weihnachtsgeschichte aufgewachsen, und kaum jemand kann sich ohne vorgeprägte Vorstellungen und Erwartungshaltungen nach Nazareth oder Bethlehem begeben. Dass sich die Reisehöhepunkte nicht nur auf die historischen, archäologischen und religionsgeschichtlichen Sehenswürdigkeiten beschränken, mag vielleicht den einen oder anderen überraschen. Doch auch an Naturschönheiten hat Israel viel zu bieten: wildgrüne Naturparks, raue Wüsten, felsige Gebirge, Strände und im Roten Meer eine zauberhafte Unterwasserwelt. Das Tote Meer ist ein besonderer Mittelpunkt der Welt. Mit einem Wasserspiegel von 418 Meter unterhalb des Meeresspiegels ist die Landschaft hier tiefer in die Erdkruste geschnitten als irgendwo sonst. Zudem liegt hier die älteste noch heute bewohnte Stadt der Menschheit: Jericho . Hier wurden Stadtmauer n und ein Rundturm ausgegraben, die doppelt so alt sind wie die Pyramiden von Gizeh. Die Bevölkerung Israels ist sehr heterogen. Es gibt keinen typischen Israeli. Auch wenn die Medien zeitweise ein anderes Bild zeichnen. Die jüdische Bevölkerung Israels besteht nur zu einem geringen Teil aus Nachfahren palästinischer Juden, die schon in islamisch dominierter Zeit als Minderheit dort lebten. Die meisten Israelis sind entweder selbst Immigranten oder deren Nachkommen. Sie kamen mit dem zionistischen Bewegungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als europäische Flüchtlinge des Zweiten Weltkriegs, als Einwanderer aus den Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch aus asiatischen und afrikanischen Ländern, beispielsweise aus Äthiopien und dem Jemen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion beantragten viele osteuropäische Juden die Ausreise nach Israel. Zusammen mit den christlichen und islamischen Bevölkerungsgruppen (Es gibt auch israelische Araber, die sich als israelische Staatsbürger betrachten!) bilden sie ein Kaleidoskop von Menschen unterschiedlichster Völker und Kulturen, die sich alle auf eine fern zurückliegende gemeinsame Vergangenheit berufen. Sie alle münden in eine höchst pluralistische Gesellschaft, in der verschiedenste religiöse, politische und gesellschaftliche Ansichten aufeinanderprallen und zu einer stets lebhaften öffentlichen Diskussion führen. Das politische Spektrum Israels ist sehr breit. Es sind weltlich-nationalistische, religiös-orthodoxe, sozialliberale, sozialistische, gemäßigte und radikale Ansichten vertreten. Mit all den Nebenwirkungen, die ein Zusammenstoß unterschiedlicher Mentalitäten und Traditionen mit sich bringt, und mit allen Schwierigkeiten, die mit dem Zusammenschweißen der jungen Nation verbunden sind, so bleibt doch der große Vorteil einer gesellschaftlichen Vielfalt: eine ungeheure geistige Lebendigkeit und ein schöpferischer Austausch der Ideen.

Palästinenser im Westjordanland
Die Bevölkerung der palästinensischen Autonomiegebiete ist ethnisch, kulturell und religiös homogener. Die arabisch-islamische Bevölkerung ist nicht durch einen Zustrom von Einwanderern aus aller Welt gestärkt und bereichert worden. Stattdessen mussten viele ihre Heimat verlassen und in Flüchtlingslagern des benachbarten Auslands Zuflucht finden. In Jordanien und im Libanon stellen die Palästinenser einen hohen Bevölkerungsanteil.

Israel und Palästina sind permanentes Krisengebiet. Das ist leider eine traurige Wahrheit. Für Touristen beutet das Zweierlei:
- Zum einen kann es auch zu offiziellen Friedenszeiten keine absolute Garantie für den störungsfreien Ablauf einer Reise geben. Doch wer sich rechtzeitig vor jedem Besichtigungsausflug über die aktuelle Situation vor Ort informiert und auf den Rat und die Hinwese der Behörden achtet, kann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einen sicheren Urlaub erleben.
- Zum anderen ist vom Reisen den diplomatische Sensibilität gefordert. Radikale Ansichten oder Parteinahme für die eine oder andere Seite des Konfliktes sollte man nicht öffentlich äußern. Zudem sollte jeder Israelreisende offen für Korrekturen seines eigenen Weltbildes bleiben. So manche Reise hält Überraschungen bereit. Jede Reise eröffnet die Chance neuer Erkenntnisse, Kontakte, neuer Dialoge, neuen Austausches. Und jeder Austausch kann ein Beitrag zum Frieden sein. SCHALOM!

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg