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Vor- und Fruehgeschichte

Naher und Mittlerer Osten gelten in verschiedener Hinsicht als Wiege der menschlichen Zivilisation. Dort entstanden nicht nur die ersten Hochkulturen. Auch der Übergang von der Lebensweise der wandernden Jäger und Sammler, die alles zum Leben notwendige der natürlichen Umwelt entnahmen, hin zur sesshaften Lebensform der Ackerbauern und Viehzüchter, bei der die Umwelt durch Pflanzen- und Tierdomestikation den menschlichen Bedürfnissen angepasst wurde, kurz: die „Neolithische Revolution“, lässt sich nirgendwo so früh und so deutlich nachweisen, wie im Vorderen Orient.

Ältester Stein-Turm der Welt in Jericho
Die steinzeitliche Vorgeschichte in der Levante (Küsten und Hinterland im östlichen Mittelmeerraum) wird von den Archäologen in folgende wichtige Abschnitte gegliedert:
  • Altsteinzeit (Paläolithikum, ca. 700.000 – 16.000 v. Chr.)
  • Mittelsteinzeit (Mesolithikum, Epipaläolithikum, ca. 16.000 – 8.000 v. Chr.)
  • Jungsteinzeit (Neolithikum, ca. 8.000 – 4.000 v. Chr.)
  • Kupfersteinzeit (Chalkolithikum, ca. 4.000 – 3.200 v. Chr.)
Funde von Lagerplätzen mit Steinwerkzeugen, Faustkeilen, Steinäxten und Knochenresten belegen die frühe Anwesenheit von Hominiden in Palästina bereits während der Altsteinzeit. Die zahlreichen Fundplätze verteilen sich über eine Fläche von der Küstenregion bis nach Jordanien. Besonders aufschlussreich sind die Funde im Raum des Karmel-Gebirges bei Haifa . Hier wurden in mehreren Höhlen Hinterlassenschaften von frühen Menschen aus verschiedenen Perioden entdeckt. In manchen Höhlen kamen in meterdicken Ablagerungsschichen mehrere tausend Steinwergzeuge zutage. Zeitweise lebten in Palästina zwei Gruppen von Hominiden nebeneinander: Neanderthaler (Typus des „Palaeanthropus Palaestinensis“) und Homo Sapiens („Cro-Magnon“-Typ).

 

Für die Mittlere Steinzeit lassen sich an einigen Fundplätzen in der Levante die allerersten Versuche der Nahrungsmittelproduktion und temporären sesshaften Lebensweise nachweisen. Bereits während der Epoche des Kebarien (benannt nach der Kebara-Höhle im Karmel-Gebirge, ca. 16.000 bis 12.500 v. Chr.) schränkte sich der Bewegungsraum mancher mobilen Jäger und Sammler auf die Nähe der Siedlungsplätze ein. Für die Epoche des Natufien (benannt nach dem Wadi Natuf, nördlich von Jerusalem , ca. 12.500 bis 9.000 v. Chr.) konnte anhand der archäologischen Befunde eine weitere Entwicklung auf dem Weg von der Nahrungssuche zur Nahrungsproduktion nachvollzogen werden. Es wurde Wildgetreide der Umgebung verarbeitet und konsumiert. Komplexere Steinwerkzeuge wurden erstellt und erste einfache Bauten aus Steinen und Stampflehm errichtet. Aus Tierknochen wurden Jagdwerkzeuge, Harpunen, Nadeln und Schmuck gefertigt.

In der Jungsteinzeit (Neolithikum) war schließlich der Übergang von der Lebensweise der Jäger und Sammler zum Ackerbau und zur Viehzucht vollzogen. Es entstanden erste größere Siedlungen, Kultanlagen und Befestigungsbauten. Auch Handel lässt sich nachweisen. Ab dem 7. Jahrtausend v. Chr. begann die Produktion von Keramikgefäßen. Man unterscheidet zwischen dem vorkeramischen und dem keramischen Neolithikum. Ab dem keramischen Neolithikum lösen Form und Gestaltung der Keramik die Steinwerkzeuge als wichtigstes Datierungsmittel für die Archäologen ab. Von besonderer Bedeutung sind die Kultanlagen und figürlichen Darstellungen aus dem religiösen Kontext. Mit Beginn der Landwirtschaft und Sesshaftigkeit haben sich auch die religiösen Vorstellungen geändert. Die Toten wurden in den Siedlungen bestattet. Die Ausbreitung von Fruchtbarkeitskulten und die Verehrung von Muttergöttinnen sind im Kontext der Landwirtschaft und der Ernte zu verstehen.

 

Ein besonderer Fundort in Israel ist der Siedlungshügel „Tell es-Sultan“ in Jericho nördlich des Toten Meeres. Nachdem dort schon im 10. Jahrtausend v. Chr. (Natufien) erste Jäger und Sammler ihren Lagerplatz an den örtlichen Quellen aufschlugen, entstand im vorkeramischen Neolithikum ab dem 8. Jahrtausend v. Chr. eine große Siedlung, zunächst mit einfachen Hütten, später mit großen Rundhäusern aus Stampflehm. Die Toten wurden in Gruben unter den Fußböden der Häuser bestattet. Die Schädel wurden von den Skeletten getrennt, mit Gips überzogen und mit Muscheln als Augenersatz extra bestattet. Rund 2000 bis 3000 Einwohner wohnten bereits in dieser Steinzeitstadt. Hauptsächlich lebte man vom landwirtschaftlichen Anbau (Emmer, Gerste, Hülsenfrüchte) und von der Kleintierhaltung (Schafe). Zum Schutz war die Siedlung von einer 1-2 m breiten Befestigungsmauer umgeben. Hervorzuheben ist auch ein mehr als 8 m hoher und 10 m breiter Rundturm aus Steinmauerwerk. Der Turm ist mehr als 9.000 Jahre alt, d.h. mehr als doppelt so alt wie die ägyptischen Pyramiden! Jericho ist somit die älteste, heute noch bestehende Stadt der Welt mit einer nahezu durchgängigen Siedlungsgeschichte von mehr als 10.000 Jahren.

Mit dem Chalkolithikum (Kupfersteinzeit) begann man im 4. Jahrtausend v. Chr. mit der Metallverarbeitung. Man hat gelernt Kupfer zu schmelzen, zu hämmern und zu Gebrauchsgegenständen zu verarbeiten. Später wurden Kupfergegenstände auch gegossen. Die Architektur wurde durch die aufkommende Bauweise mit luftgetrockneten Ziegeln komplexer und raffinierter und die Keramikherstellung durch die Erfindung der Töpferscheibe effektiver.

 

Auswahl weiterführender Literatur:

  • Kenyon, K.M., Digging up Jericho, London 1957.
  • Kenyon, K.M., Archäologie im Heiligen Land, Neukirchen-Vluyn 1967.
  • Mellaart, James, The Neolithic of the Near East, London 1975.
  • Weipert, Helga, Palästina in vorhellenistischer Zeit, (Handbuch der Archäologie, Vorderasien, Band II/I), München 1988.

 

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg
Verlassener Oasenort an einem Wadi