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Römische Herrschaft (63 v. Chr. bis 395 n. Chr.) Teil 1

Die drei Jahrhunderte nach Alexander dem Großen waren für Palästina geprägt von drei Episoden: der Herrschaft der Ptolemäer, der Herrschaft der Seleukiden und der Herrschaft der Hasmonäer. Die Ptolemäer und Seleukinden waren Fremdherrscher. Bei den Hasmonäern handelt es sich um eine jüdische Dynastie von Hohenpriestern und Königen. Die Ptolemäer beherrschten Palästina von Ägypten aus, die Seleukiden von Syrien. Unter den jüdischen Hasmonäern war Judäa schließlich ein unabhängiger Staat zwischen den Großmächten der Ptolemäer und Seleukiden.Doch die neue Großmacht aus dem Westen, das Römische Reich, beendete die Geschichte aller drei Staaten. Im Jahre 64 v. Chr. schaffte es der römische Feldherr Pompejus, den kleinasiatischen König Mithridates von Pontus zu besiegen und anschließend mit einem Feldzug nach Damaskus das Reich der Seleukiden zu beenden. Im Jahre 63 v. Chr. rückten seine Truppen weiter nach Palästina vor. Und im Jahre 30 v. Chr. fiel mit dem Tode Kleopatras auch Ägypten endgültig an Rom.Für die Herrschaft der Dynastie der Hasmonäer und dem souveränen Staat Judäa kam 63 v. Chr. mit Pompejus und seinen römischen Legionären das Ende. Es war allerdings nichts so, als hätte Rom einen stabilen Staat zerstört. Vielmehr nutze Pompejus die Gunst der Stunde, als sich unterschiedliche Parteien in Judäa bekämpften. Die Erb- und Herrschaftsfolge war strittig. Nachdem Tode von Alexander Jannäus im Jahre 76 v. Chr. und dessen Witwe Salome Alexandra im Jahre 67 v. Chr. war ein Machtvakuum entstanden. Aristobulos II. und Johannes Hyrkanos II. stritten sich um das Königtum. Pompejus ließ Jerusalem einnehmen. Drei Monate dauerte die Belagerung, bis die Legionäre in die Festung des Tempelberges eindringen konnten. Damit war Palästina komplett in Roms Hand. Es wurde verwaltungstechnisch dem römischen Statthalter von Syrien unterstellt. Dort war zuerst Marcus Aemilius Scaurus und ab 57 v. Chr. Aulus Gabinius römischer Prokonsul bzw. Statthalter. Pompejus und Gabinius ordneten die Veraltungsgliederung des Nahen Ostens nach „modernen“ römischen Vorstellungen. Zu den wichtigsten Bezirken Palästinas gehörten unter anderem Judäa im Zentrum, Idumäa im Süden sowie Samaria und Galiläa im Norden. Der Name Judaä wurde von den Römern zweifach gebraucht, einerseits, um das ganze Gebiet Palästinas zu benennen, andererseits, um die jüdische Kernprovinz rund um Jerusalem zu bezeichnen. Die Bevölkerung der griechischen Städte (besser: die hellenistischen Städte in Palästina mit griechischer Bevölkerung) bekam wieder mehr Rechte und Freiheiten. Die hellenisierten Juden und Griechen waren unter den Makkabäern bzw. Hasmonäern in Bedrängnis geraten, nachdem sie den Schutz der Seleukiden verloren hatten. Rom stellte diese Sicherheit wieder her. Auch andere Stämme bekamen ihre Territorien zurück, so dass die Juden als Verlierer der römischen Neuordnung hervorgingen. Die hauptsächlich von Juden bewohnten Gebiete wurden in die Verwaltungsbezirke Jerusalem (Kern-Judäa), Gazara, Jericho , Peräa und Galiläa aufgeteilt. Innerhalb Judäas blieb jedoch wenigstens das wichtige Amt des Hohenpriesters in den Händen der Hasmonäer (Johannes Hyrkanos II. 63 bis 40 Chr.; Antigonos 40 bis 37 v. Chr.; und nur für kurze Zeit im Jahre 35 v. Chr. Aristobulos III.). In Rom selbst war die Herrschaftssituation noch nicht gefestigt. Machtkämpfe und Bürgerkriege erschüttern Rom seit Jahrzehnten. Ab dem Jahre 60 v. Chr. herrschte in Rom das Triumvirat (Drei-Männer-Bündnis) von Pompejus, Crassus und Caesar. Doch das Machtgleichgewicht zwischen diesen, zu jener Zeit, drei mächtigsten Männern Roms schwankte. Crassus verlor sein Leben im Jahre 53 v. Chr. Er war mit einem gewaltigen Heer gegen die Parther ausgezogen, verlor aber die entscheidende Schlacht bei Carrhae. Schließlich kam es zu einem erneuten Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompejus. Pompejus zog sich in den Osten des Reiches zurück. Dort wurde er im Jahre 48 v. Chr. in Ägypten ermodert. Die Macht im Römischen Reich lag nun in den Händen von Gaius Julius Caesar. Unter Caesar wurde Johannes Hyrkanos II. in seinem Amt als Hoherpriester bestätigt und als Ethnarch über die Juden anerkannt. Der romfreundliche Idumäer Antipater (Antipatros), der Vater des späteren Königs Herodes , der von 63 bis 49 v. Chr. als hoher Verwaltungsbeamter des Hyrkanos fungierte, wurde wegen seiner Unterstützung Caesars bei seinen Kämpfen in Ägypten im Jahre 48 v. Chr. zum Prokurator von Judäa ernannt.Die Situation änderte sich abermals, als in Rom 44 v. Chr. Caesar ermordet wurde. Es war ein gefährliches Machtvakuum und ein Bürgerkrieg zwischen den potentiellen Nachfolgern entstanden. Antipater (Antipatros) manövrierte diplomatisch Judäa durch diese Zeit, indem er sich den Anordnungen der jeweiligen römischen Regional-Potentaten unterwarf. Dafür nahm er in Kauf, beim Volke unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen, so etwa, als er den, bei den Juden unbeliebten, Prokonsul von Syrien, Cassius, unterstütze, der die Bevölkerung mit hohen Steuerforderungen belastete und die Bewohner einiger Regionen und Orte in die Sklaverei verkaufen ließ, weil sie den Steuerforderungen nicht rechtzeitig und angemessen nachkamen. So ist es kein Wunder, dass Antipater 43 v. Chr. von seinen politischen Gegnern vergiftet wurde.Der Sohn Antipaters, Herodes I. (später auch Herodes der Große genannt), rächte den Tod seines Vaters und ließ politische Gegner verfolgen. Weil er nachweisen konnte, dass sein Vater ein treuer Unterstützer von Julius Caesar war, gewann Herodes die Unterstützung Roms. Ab 37 v. Chr. durfte er als römischer Vasallenkönig über Judäa herrschen. Unter Herodes blühte Judäa wirtschaftlich auf. Der Handel florierte. Es wurden große Bauprojekte umgesetzt, darunter zahlreiche Paläste und Festungsanlagen (z.B. Masada am Roten Meer), neue Stadtgründungen, Verbesserungen der Infrastruktur und der neue riesige Jahwe-Tempel in Jerusalem. Herodes führte sogar eine eigenständige Außenpolitik, sofern sie mit römischen Interessen vereinbar war, und führte einen Krieg gegen die Nabatäer auf der anderen Seite des Jordan. Bei den weiteren römischen Bürgerkriegen schaffte es Herodes, sich immer auf die Seite der Sieger zu stellen, d.h. zunächst auf die Seite des Marcus Antonius, dann auf die Seite des Oktavian, des späteren Kaisers Augustus. Herodes starb im März des Jahres 4 v. Chr. in Jericho. Dieses Datum deutet auf die Problematik der Geschichtlichkeit biblischer Ereignisse (z.B. die Geburt Jesu) und die Verknüpfung jener mit der modernen Zeitrechnung hin. Nach christlicher Überlieferung ordnete Herodes den Kindermord von Bethlehem an, um den neugeborenen „König der Juden“, Jesus Christus, zu töten. Nach dem Tod des Herodes kam sein Sohn Herodes Archelaus an die Macht. Er wurde unter römischer Oberhoheit zum Ethnarchen von Judäa ernannt. Seine Regentschaft (von 4 v. Chr. bis 6 n. Chr.) galt als korrupt und tyrannisch. Im Jahre 6 n. Chr. wurde er abgesetzt und in die Verbannung nach Gallien geschickt. Das Reich des Herodes wurde in drei Teilbereiche aufgeteilt, die den drei Erben und Söhnen des Herodes unterstellt wurden (Herodianische Tetrarchie). Herodes Archelaus erhielt Judäa, Idumäa und Samaria, Herodes Antipas Galiläa und Peräa, und Herodes Philippos bekam die südsyrischen Gebiete Gaulantis, Trachonitis und Aurantis. Das eigentliche Sagen in Judäa behielten sich jedoch die Römer vor. Sie waren durch mächtige Statthalter vertreten. Erst unter Herodes Agrippa, einem Enkel Herodes des Großen, war ganz Palästina, allerdings nur für wenige Jahre, wieder in einer Hand (41 bis 44 n. Chr.).

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