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Persische Herrschaft (539 bis 333 v. Chr.)

Über Jahrhunderte waren Ägypten, Assyrien und Babylonien die vorherrschenden Großmächte des alten Orients. Doch im späten 6. Jahrhundert verschob sich der Schwerpunkt politischer Mach nach Osten. Persien wuchs zu einem Weltreich von bis dahin unbekannten Ausmaßen.Im 7. Jahrhundert standen die Perser noch im Schatten der Meder, die im Nordwestiran ein großes Reich erobert hatten. Doch unter der Herrschaft der Dynastie der Achämeniden konnten die Perser Medien erobern und große Teile des Iran und Anatoliens unterwerfen. Um 539 v. Chr. eroberte der Perserkönig Kyros II. Babylonien. Damit war die Zeit der sogenannten Babylonischen Gefangenschaft der Juden beendet. Sie waren frei, in ihre Heimat zurückzukehren.In den folgenden Jahrzehnten erweiterten die Perser durch zusätzliche Eroberungen ihr Reich, bis es im Zenit der Macht von der Ägäis und Ägypten im Westen bis zum Indus im Osten reichte. Damit war der gesamte Nahe und Mittlere Osten in der Hand des persischen Großkönigs, des Königs der Könige. Die persischen Herrscher regierten in Susa und Persepolis (im Südwesten Irans). Ihr Reich war verwaltungstechnisch in Satrapien aufgeteilt, d.h. in große Verwaltungsprovinzen. Palästina wurde der Satrapie Athura zugeschlagen, die Syrien und Palästina umfasste. Die Völker in den einzelnen Satrapien genossen eine relative Autonomie, sofern sie sich den Regeln des persischen Reiches unterwarfen, Steuern entrichteten und den Großkönig anerkannten. Auch die Religionen wurden toleriert. Die Perser selbst waren Anhänger der Lehren Zarathustras (Zoroasters), eine Offenbarungsreligion, die scharf zwischen guten und bösen Kräften des Universums schied und am Ende der Weltengeschichte ein Tag des jüngsten Gerichtes sah. Ein Einfluss der persischen Religion auf die Geistesgeschichte des Judentums und später des Christentums ist nicht auszuschließen.Bereits im Jahre 538 v. Chr. kehrte unter der Führung des Daviden Scheschbazzar die erste Welle der Exiljuden in die Heimat zurück. Scheschbazzar erhielt von Kyros die Erlaubnis, den Tempel des Jahwe wieder aufzubauen. Er durfte auch wichtiges Tempelgerät nach Jerusalem zurückbringen. Bereits in den ersten Jahren nach der Rückkehr der ersten Exiljuden aus Babylonien wurden aufgrund des nimmermüden Engagements prominenter Rückkehrer wie Serubbabel (Zerubbabel) und der Priester Jeschua die Fundamente des neuen Tempels in Jerusalems gelegt und ein Altar für Jahwe errichtet. Allerdings wurden die Bauarbeiten immer wieder unterbrochen. Es gab viele Auseinandersetzungen mit den Nachbarstämmen und eine politische Opposition im Lande, die den Tempelbau verzögerte. Auch der persische Gouverneur in Samaria stellte sich dem Tempelwiederaufbau entgegen. Allerdings konnten die Juden dem persischen Gouverneur ein Dekret des persischen Königs Kyros mit der Bauerlaubnis vorlegen. Der Gouverneur meldete dies dem regierenden König Darius und fragte diesen, wie er sich verhalten solle. Dieser bestätigte den Erlass seines Vorgängers und forderte sogar, dass der Bau und die Unterhaltung des Tempels durch die Abzweigung von Steuereinkünften unterstützt werden müsse. Im Jahre 516 v. Chr. war der Tempel schließlich fertig. Es begann die sogenannte zweite Tempelperiode.Eine zweite große Einwanderwelle von Exiljuden aus Babylonien kam im Jahr 458 v. Chr. mit dem Priester und Propheten Esra (Ezra). Er war von dem persischen König Artaxerxes I. beauftragt worden, sich um die jüdischen Angelegenheiten zu kümmern. In Jerusalem angekommen, mussten sich die neu eingewanderten Juden mit den Alteingesessenen arrangieren. Eine weitere Führungsfigur in Juda war Nehemja (Nehemiah), der als eine Art Statthalter in Juda fungierte. Man bemühte sich nun um die Erweiterung des Tempels sowie um die Befestigung Jerusalems. Die Mauern und viele Gebäude wurden repariert, wiederaufgebaut und erweitert. Neue Gesetze und Regeln wurden erlassen, um den Juden nicht nur in Palästina, sondern in der ganzen persischen Provinz Syrien/Palästina als Richtschnur zu dienen. Jerusalem sollte nun der Mittelpunkt aller Juden sein. Allerdings kam trotz aller Bemühungen Jerusalem nicht an die Größe der Zeit Hiskias und Josias heran. Mit der Heimkehr der Juden aus dem Babylonischen Exil endete für viele Juden eine Phase der Heimatlosigkeit, die in der Sehnsucht nach Zion Ausdruck fand. Zion ist ein alter Name einer Festung im Südosten Jerusalems; später war Zion auch eine Bezeichnung für den Tempelberg oder gar für Jerusalem schlechthin. Zion wurde fortan als Symbol der Sehnsucht für alle verstreuten Juden in den Zeiten der Diaspora (Verstreuung) gesehen. Daher stammt auch der moderne Ausdruck Zionisten – als Bezeichnung für jüdische Bestrebungen, Jerusalem als Zentrum einer kulturell-nationalen Einheit anzusehen, in das man zurückkehren möchte.Das Weltreich der Perser bestand bis ins 4. jahrhundert v. Chr. Allerdings änderte sich die Stimmung der Toleranz schließlich, und die Herrschaft der Großkönige artete zunehmend in Despotie aus, der sich die eroberten Länder entgegenstellten. Es gab in zahlreichen Provinzen Aufstände, unter anderem auch in Ägypten. Die größte außenpolitische Bedrohung stellten jedoch die Staaten Griechenlands dar, die sich einer Ausweitung des persischen Reiches in den Weg stellten. Mit Alexander dem Großen und seinem Persienfeldzug 334 bis 323 v Chr. endete das Perserreich.

 

Auswahl weiterführender Literatur:

  • Aharoni, Yohanan und Michael Avi-Yonah, The Macmillan Bible Atlas, Jerusalem und New York 1993 (3. Aufl.).
  • Aharoni, Yohanan und Michael Avi-Yonah, Syria-Palestine II: From the Middle Bronze Age to the End of the Classical World (2200 B.C. – 324 A.D.), Genf 1979.
  • Clauss, Manfred, Das Alte Israel – Geschichte , Gesellschaft, Kultur, München 2008 (3. Auflage)
  • Clauss, Manfred, Geschichte des alten Israel, (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Band 37), München 2009.
  • Finkelstein, Israel und Neil Asher Silberman, Keine Posaunen vor Jericho . Die archäologische Wahrheit über die Bibel, München 2003.
  • Schmoldt, Hans, Biblische Geschichte , Stuttgart 2000.
  • Weippert, Helga, Palästina in vorhellenistischer Zeit, (Handbuch der Archäologie, Vorderasien, Band II/I), München 1988.
  • Wiesehöfer, Josef, Das frühe Persien – Geschichte eines antiken Weltreiches, München 2009 (4. Auflage).

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg