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Osmanische Herrschaft (1516 bis 1917)

Im 15. Jahrhundert war eine neue Macht im vorderen Orient entstanden: das Osmanische Reich. Seit 1516 war Palästina Teil dieses Reiches. Im Ersten Weltkrieg ging die Kontrolle über das Heilige Land an Großbritannien über.

Lehmziegelhäuser am Seitenkanal

 

Vorgeschichte: Im 11. Jahrhundert eroberten die turkstämmigen Seldschuken aus Zentralasien große Teile Anatoliens. Im Zuge dieser Eroberungen kamen weitere türkische Nomadenstämme nachgerückt. Ein weiterer Schub kam im 13. Jahrhundert, als die Mongolen große Teile Eurasiens heimsuchten. Viele zentralasiatischen Stämme waren aus ihrer Heimat vertrieben worden und wichen nach Westen aus, darunter auch ein türkischer Stamm, von dem die Osmanen abstammen. Dieser Stamm siedelte zuerst im Osten Anatoliens bei Erzurum. Nach dem Zusammenbruch des Seldschukenreiches zogen sie in den Nordwesten Anatoliens und gründeten südöstlich von Nicea, direkt an der Grenze zum byzantinischen Territorium, ein eigenes Reich. Die Herrscherdynastie, nach dem dieses Reich benannt wurde, geht auf den Herrscher Osman I. zurück, der sich selbst zum Sultan ernannte und von 1299 bis 1324 regierte. Von dort aus expandierten die Osmanen in alle Richtungen. Noch bevor Konstantinopel in osmanische Hände fiel, konnten der größte Teil des westlichen Anatolien, Nordgriechenland und Bulgarien erobert werden. 1453 wurde schließlich Konstantinopel eingenommen. Damit endete das Byzantinische Reich. Die Türken erklärten Konstantinopel, das von ihnen Istanbul genannt wurde, zu ihrer Hauptstadt. Das Osmanische Reich trat die Erbschaft des Byzantinischen Reiches an. Unter dem Sultan Selim I. (Regierungszeit 1512 bis 1520) konnten die Osmanen große Gebiete des Vorderen Orients erobern: 1516 wurden Nordmesopotamien, Syrien und Nordpalästina besetzt, 1517 folgten die Eroberung Jerusalem s und Ägyptens. In den folgenden Jahrzehnten dehnten sie ihren Einfluss auf große Teile Nordafrikas und der arabischen Halbinsel aus. Außerdem wurden weitere Gebiete des Balkans erobert. Ende des 16. Jahrhunderts war der komplette östliche Mittelmeerraum unter der Hoheit der Osmanen. Zuletzt wurden Zypern (1571) und Kreta (1669) den Venezianern abgenommen. Im Jahre 1529 kam es zur ersten Belagerung Wiens.Herrschaft in Palästina: Nach der Eroberung Palästinas durch das Osmanische Reich, war das Heilige Land zusammen mit Syrien zu einer Verwaltungseinheit zusammengefasst. Umgeben von muslimischen Regionen und angesichts der geographischen Größe des osmanischen Machtbereiches war an Widerstand nicht zu denken. In Europa hatte sich der Kreuzzugsgedanke von der Eroberung Jerusalems zu einer Ideologie zur Verteidigung des christlichen Abendlandes gegen die muslimischen Türken gewandelt. Europa war in der Defensive. In Palästina waren die Christen und Juden zu einer verschwindend kleinen Minderheit geworden. Zwar ließ der Sohn von Selim I., Sultan Süleyman I. („der Prächtige“ genannt) zu, dass sich Juden, die vor der Inquisition aus Spanien geflohen waren, in der Region von Tiberias niederließen, doch blieb das Land mehrheitlich muslimisch geprägt. Die wenigen jüdischen und christlichen Gemeinden konnten sich jedoch über die meiste Zeit recht unabhängig entwickeln. Insgesamt war ein starker Rückgang der Bevölkerung zu verzeichnen. An der Schwelle vom 16. zum 17. Jahrhundert hatte das Osmanische Reich seinen Zenit erreicht. In verschiedenen Provinzen entwickelte sich eine gewisse Autonomie gegenüber der zentralen Regierung in Istanbul. An vielen Orten konnten lokale Emire und Paschas eigenständige Entscheidungen treffen. Und die Beduinenscheiche an den Wüstenrandgebieten waren ohnehin unabhängig. Ein Beispiel eines solchen unabhängigen Lokalherrschers in Palästina war der Beduinenscheich Daher el-Omar (Dhaher al-Omar, 1690 bis 1775). Ihm wird die Gründung der Hafenstadt Haifa zugeschrieben. Mitte des 18. Jahrhunderts kontrollierte er von Akko aus zunächst Galiläa, später große Teile ganz Palästinas. Unter seiner Herrschaft wurden zahlreiche Stadtbefestigungsanlagen in Akko errichtet, die heute noch stehen. 1769 bis 1774 wagte es Daher el-Omar sogar, sich offen gegen die Zentralregierung des Osmanischen Reiches zu stellen. Zu jener Zeit herrschte Krieg zwischen dem Osmanischen Reich und Russland. Der Bey von Ägypten, Ali Bey al-Kabir, witterte die Chance auf Unabhängigkeit und wagte den Aufstand, beseitigte den osmanischen Gouverneur und stoppte die Steuerzahlungen an Istanbul. Später konnte er Syrien und den Hedschas (Ostarabien) erobern. Daher el-Omar stellte sich auf dessen Seite. Doch Ali Bey al-Kabir wurde bei einer pro-osmanischen Verschwörung getötet. Daher el-Omars Hauptstadt Akko wurde von osmanischen Regierungstruppen eingenommen und er selbst gefangen genommen. Schließlich starb er auf der Flucht. Napoleon in Palästina: Ende des 18. Jahrhunderts traten nochmals die Europäer in Palästina in Erscheinung. Napoleon Bonaparte nutze die Schwäche des Osmanischen Reiches und eroberte Ägypten. Seine berühmte Expedition traf 1798 in Ägypten ein, schlug das Heer der Mamluken und eroberte das Land. Mit diesem Schritt wollte Frankreich die kolonialen Interessen Großbritanniens empfindlich treffen. Doch die Franzosen waren in Ägypten weitestgehend isoliert, inmitten eines islamischen Landes und durch die britische Flotte vom Nachschub aus Frankreich abgeschnitten. Nach der Zerstörung der französischen Expeditionsflotte durch britische Schiffe in der Seeschlacht bei Abukir (1. August 1798), wetterte die „Hohe Pforte“ in Istanbul die Chance, Napoleon anzugreifen und Ägypten zurückzuerobern. Die Franzosen wollten dem osmanischen Feldzug zuvorkommen, indem sie nach Syrien ausrückten (Februar 1799). Bei el-Arish an der Sinai-Mittelmeerküste kam es zum ersten Zusammentreffen. Die Franzosen siegten. Dann zogen sie weiter nach Gaza und Jaffa (heute bei Tel-Aviv). Auch in Jaffa blieben die Franzosen erfolgreich. Weiter im Norden konnten die Franzosen Haifa, Nazareth und Tyros einnehmen. In Nazareth kam es im 8. April 1799 zu einer Schlacht, bei der die Franzosen eine türkische Übermacht zurückschlagen konnten. Schließlich wurde Akko belagert. Doch die Stadt wurde von osmanischen Truppen erfolgreich verteidigt. Unterstützt wurden die Osmanen von britischen Schiffen, die Akko mit Nachschub und Proviant versorgten. Ein britischer Offizier übernahm die Organisation der Verteidigung Akkos. Nachdem ein osmanischer Unterstützungstrupp am Berg Tabor zurückgeschlagen werden konnte und die Franzosen ihrerseits mit Nachschub versorgt waren, konnten sie an einer Stelle die Stadtbefestigung durchbrechen und in die Stadt eindringen, doch nur um festzustellen, dass unweit dahinter ein zweites Verteidigungsbollwerk errichtet worden war. Nachdem schließlich noch Seuchen unter den Soldaten ausgebrochen waren, gab Napoleon im Mai 1799 die Belagerung von Akko auf. Damit war sein Palästina-Syrien-Feldzug beendet und er zog sich nach Ägypten zurück. Die Osmanen rückten nach, konnten aber in der Landschacht bei Abukir (25 Juli 1799) von den Franzosen zurückgeschlagen werden. Aufgrund der hoffnungslosen Lage und der geographischen Isolierung und wegen des Drucks seitens der Osmanen und Briten, mussten im Sommer 1801 die Franzosen Ägypten verlassen.Palästina im 19. Jahrhundert: Letztlich war der Orientfeldzug Napoleons nur eine Episode in der Geschichte des Nahen Ostens. Palästina blieb, wie auch alle benachbarten Länder des Nahen Ostens, Teil des Osmanischen Reiches. Im 19. Jahrhundert setzte sich allerdings die Tendenz fort, dass sich einzelne Provinzen mehr Unabhängigkeit erfochten. Unter dem Pascha und Vizekönig von Ägypten, Mohammed Ali, konnte das Land am Nil wieder eine gewisse Autonomie zurückgewinnen. Er wagte sogar den Konflikt mit der Zentralregierung in Istanbul und schickte seinen Sohn, Ibrahim Pascha, den späteren Vizekönig von Ägypten, um Palästina und Syrien zu erobern. Ibrahim Pascha konnte 1832 Akko und Damaskus einnehmen. Schließlich konnten die ägyptischen Truppen bis nach Anatolien vordringen und dem osmanischen Heer eine vernichtende Niederlage beibringen. Daraufhin erkannte das Osmanische Reich die ägyptische Oberhoheit über Syrien und Palästina an. Unter der Statthalterschaft von Ibrahim Pascha wurde juristische Reformen umgesetzt, die den Juden und Christen mehr Gleichberechtigung gaben. Man strebte in Ansätzen eine Modernisierung und Säkularisierung der Region nach französischem Vorbild an. Doch schon nach wenigen Jahren mussten sich die Ägypter zurückziehen. Die wichtigsten europäischen Großmächte, allen voran Großbritannien, unterstützten das Osmanische Reich in seinen Bestrebungen, die alte Hegemonie in der Levante zurück zu gewinnen. 1841 hatten die Ägypter das Gebiet komplett geräumt. Beginn der jüdischen Immigration: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm das Interesse der Europäer am Heiligen Land zu. Aus Europa kamen auch die ersten Gruppen jüdischer Siedler, um sich in Palästina anzusiedeln. Sie gründeten erste Landwirtschaftssiedlungen, Vorgänger der Kibuzzim. Die erste neue jüdische Siedlungsgründung (1878) dieser Bewegung hieß Petah-Tikva, was soviel wie „Hoffnungstor“ bedeutet. Mit Baron Rothschild war in den 1880er Jahren ein reicher Unterstützer der Siedlungsbewegung gewonnen. Die erste größere zionistische Einwanderungswelle kam in den 1880er Jahren nach Palästina. Vorausgegangen waren antijüdische Progrome in Russland in den Jahren 1881 bis 1884. Viele russische Juden flohen nach Westeuropa und in die USA. Einige emigrierten nach Palästina. Ende des 19. Jahrhunderts entstand die Zionistische Bewegung, die den Ideen Theodor Herzl s folgte, der einen Judenstaat in Palästina vorschlug. Ein jüdischer Nationalfond wurde gegründet, um in Palästina Land aufzukaufen. 1897 wurde der Zionistische Weltverband gegründet. Und 1898 besuchte Theodor Herzl Palästina. 1909 wurde die erste moderne jüdische Stadt gegründet: Tel-Aviv (bei Jaffa). Anfang des 20. Jahrhunderts kamen weitere jüdische Einwanderungswellen ins Land. Erster Weltkrieg: Während des Ersten Weltkriegs (1914 bis 1918) war das Osmanische Reich mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn verbündet. Daher hatten sie auch gemeinsame Gegner. So musste das Osmanische Reich gegen britische und französische sowie russische Truppen kämpfen. Wichtige Frontabschnitte waren zum einen die Dardanellen, wo die Alliierten (Franzosen und Briten, unterstützt von Australiern und Neuseeländern) den Seeweg vom Mittelmeer zum Schwarzen Meer freikämpfen und Konstantinopel erobern wollten, und zum anderen die Region von Palästina und Syrien. Hier lag die Frontlinie an der Grenze zu Ägypten, das unter Britisch Kontrolle stand. 1915 besetzten türkische und deutsche Truppen den Sinai, um zum Suez-Kanal vorzustoßen. Dort wollte man den alliierten Seeverkehr stören. 1916 begannen die Briten mit der Rückeroberung des Sinai. Gleichzeitig begann in Arabien der Aufstand unter Sherif Hussein Ibn Ali, begleitet vom britischen Offizier T. E. Lawrence. Sie zogen vom Hedschas (Ostarabien) nach Syrien. 1917 stießen die Briten unter General Edmund Allenby nach Gaza vor, wo es zu zwei Schlachten mit den osmanischen und deutschen Truppen kam. Die Allierten konnten sich durchsetzen und über Berscheba nach Jerusalem vorrücken. Die Heilige Stadt wurde im Dezember 1917 erobert. Doch die Gefechte in Palästina und Jordanien dauerten bis 1918. Mit der Balfour-Deklaration von 1917 erklärte sich Großbritannien bereit, sich für die Errichtung einer nationalen Heimat für Juden in Palästina einzusetzen. Damit wollte man der Zionistischen Bewegung entgegenkommen. Ende der Osmanischen Herrschaft: Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs brach das Osmanische Reich zusammen. Die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich teilten sich den Nahen Osten untereinander auf. In dem Sykes-Picot-Abkommen von 1916 war vereinbart worden, das Großbritannien nach dem Krieg die Kontrolle über Palästina und den Irak, Frankreich über den Libanon und Syrien bekommt. Somit begann mit dem Ende des Ersten Weltkriegs bzw. praktisch schon mit der Besetzung Palästinas 1917 die britische Herrschaft in Form einer Militärverwaltung und schließlich 1920 mit dem Mandat des Völkerbundes.

 

Auswahl weiterführender Literatur

  • Brenner, Michael, Geschichte des Zionismus, München 2002.
  • Faroqhi, Suraiya, Geschichte des Osmanischen Reiches, München 2010 (5. Auflage).
  • Krämer, Gudrun, Geschichte Palästinas, München 2006 (5. Auflage).
  • Neulen, Hans Werner, Adler und Halbmond: Das deutsch-türkische Bündnis 1914-1918, Frankfurt a. M. und Berlin 1994.
  • Palmer, Alan, Verfall und Untergang des Osmanischen Reiches, München 1994.

 

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg