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Makkabäeraufstand und Hasmonäerstaat (167 bis 63 v. Chr.)

Seit dem 3. Jahrhundert stand Palästina stark unter hellenistischen Einfluss. Zuerst unter der Oberherrschaft der Ptolemäer, dann unter den Seleukiden. Anfangs waren die Seleukiden noch recht beliebt, respektierten sie doch die jüdische Religion und den Jerusalem er Tempel. Doch mit der Zeit begann sich das Blatt zu wenden. Die griechisch-orientalischen Herrscher pflegten mehr und mehr eigene Herrscherkulte und trieben die Hellenisierung ihrer Gebiete voran. In Jerusalem wurden Stadtviertel hellenistischen Stiles errichtet. Eine neue Festung symbolisierte die Macht der neuen hellenisierten Oberschicht. Diese Bemühungen spalteten die jüdische Bevölkerung. Die einen profitierten von der Entwicklung und nahmen die griechisch-westliche Kultur an, die anderen fürchteten um ihre Religion und ihre alten Traditionen. Doch je intensiver die Reformbemühungen der Oberherren wurden, desto stärker wurde der Widerstand in Teilen der Bevölkerung. Unbeliebt war die Entscheidung des Seleukidenkönigs, einen ihm wohl gesonnenen Priester zum Hohenpriester zu ernennen, der sich im Gegenzug (auf Kosten der jüdischen Bevölkerung) zu mehr Steuern und Abgaben aus Judäa an den seleukidischen Herrscher bereit erklärte. Dem Fass schlug der Seleukidenkönig Antiochus IV. den Boden aus, als er beschloss, das Allerheiligste des Judentums, den Jerusalemer Jahwe-Tempel, in einen griechischen Zeus-Tempel umzubauen. Um dem Ganzen Nachdruck zu verleihen, wurde noch verboten, Jahwe anzubeten. Die Juden sollten griechischen Göttern huldigen. Damit war das Herz der jüdischen Identität getroffen und ein Aufstand unvermeidlich geworden. Was nun folgte, war ein militärische Revolte ungewohnten Ausmaßes und die Schaffung eines unabhängigen jüdischen Staates, der auch Vorbild für das spätere moderne Israel werden sollte. Außergewöhnlich waren die militärischen Erfolge gegen die seleukidische Übermacht.Der Aufstand brach im Jahre 167 v. Chr. in Modjin aus, einer kleinen Ortschaft westlich von Jerusalem. Dort versammelten sich die Vertreter wichtiger Familien der Region, um ihren Widerstand deutlich zu machen. Der Hohepriester Mattathias aus der Familie der Hasmonäer (im Kontext des Aufstandes auch Makkabäer genannt) weigerte sich öffentlich, dem Zeus und anderen griechischen Göttern zu dienen. Es folgten weitere Provokationen, indem er und seine Leute heidnische Altäre umwarfen. Diesen symbolischen Akten folgten erste richtige Aufstände unter der Führung des Mattathias. Die Gegenreaktion der Machthaber folgte prompt. Der Gouverneur von Samaria, Appollonius, organisierte eine Strafexpedition, um den Aufstand im Keim zu ersticken und ein Exempel zu statuieren. Doch die Rebellen kamen ihm zuvor und überraschten ihn mit seinen Truppen. Inzwischen war Mattathias verstorben und sein Sohn, Judas Makkabäus, hatte die Führerschaft des Aufstandes übernommen. Er konnte Appollonius in einen Kampf verwickeln und besiegen. Appollonius kam bei dieser Attacke ums Leben. Weite Teile Judäas waren nun unter der Kontrolle der Aufständischen, die mit ihrer Guerillataktik den Machthabern das Leben schwer machten. Inzwischen sorgten sich die griechenfreundlichen gesellschaftlichen Eliten im isolierten Jerusalem um ihre Sicherheit und hofften auf militärische Hilfe der Machthaber. Doch die seleukidischen Truppen konnten nicht bis nach Jerusalem vordringen. Eine militärische Expedition unter dem seleukidischen General Seron, die 166 v. Chr. ausgezogen war, um nach Jerusalem vorzustoßen, wurde ebenfalls überrascht und besiegt. Die Siege befeuerten den Widerstand der jüdischen Bewegung. Im Jahre 165 v. Chr. bemühten sich die Seleukiden erneut, um endlich den Aufstand niederzuringen. Gleich mehrere große Truppenkontingente, geleitet von verschiedenen Befehlshabern, wurden auf den Weg nach Jerusalem geschickt. Doch auch diesmal ging die Guerillataktik des Judas Makkabäus auf. Die Heere konnten zurückgedrängt werden. Auch ein weiterer Vorstoß unter dem seleukidischen Truppenbefehlshaber Lysias konnte abgewehrt werden. Schließlich schafften es 165 v. Chr. die Rebellen, in Jerusalem einzudringen und den Tempelberg zu besetzen. Dort stellten sie den alten Jahwe-Kult wieder her. In den nächsten Jahren unternahmen Judas Makkabäus und sein Bruder Jonathan mit einer kleinen Truppe von ein paar tausend Mann zahlreiche militärische Operationen, um bedrängten jüdischen Siedlungen in den nördlichen Regionen Samarias und Gileads zur Hilfe zu eilen. Das Kriegsglück blieb weiterhin auf ihrer Seite. Sogar eine große militärische Strafexpedition der Seleukiden, unterstützt von arabisch-nabatäischen Hilfstruppen, wurde 163 v. Chr. zurückgeschlagen.Zur selben Zeit unternahm Simon, ein weiterer Bruder von Judas Makkabäus, einen Feldzug nach Galiläa und zog bis nach Akko , um die dortigen Juden zu unterstützen. Auch seine Kampagnen waren erfolgreich. Trotz aller Erfolge im Hinterland blieb Jerusalem immer noch eine geteilte Stadt, in der die seleukidentreuen hellenisierten Juden und die Griechen gegen die gläubigen Juden standen. Um seinen Getreuen zu helfen, schickte der neue Seleukidenkönig Antiochus V. erneut ein Heer, diesmal über einen Umweg, nach Jerusalem. Die seleukidischen Truppen konnten, nach einer blutigen Schlacht bei Beth-Zachariah, erfolgreich nach Jeruselam vordringen, in die Stadt einziehen und die Ordnung der Herrschenden wieder herstellen. Zwar wurde diesmal der Jahwe-Kult im Tempel nicht angetastet, um einen erneuten Aufstand zu vermeiden, aber Judas Makkabäus und seine Anhänger konnten in die ländlichen Regionen zurück gedrängt werden. Somit war dies der erste Erfolg der Seleukiden bzw. der erste Rückschlag der Makkabäer nach mehreren Jahren. Es ist überhaupt verwunderlich, wie die kleine jüdische Widerstandsbewegung sich hat so erfolgreich gegen das große Seleukidenreich durchsetzen können. Dies lag zum Teil daran, dass das Seleukidenreich an vielen Fronten mit vielen innenpolitischen und außenpolitischen und militärischen Gefahren zu tun hatte. Eines der inneren Probleme war die ungeklärte Herrschaftsfrage, denn Antiochus V. war zu jung, um allein regieren zu können. Er wurde schließlich von seinem Cousin Demetrius I. umgebracht, der den Thron bestieg. Dieser sandte seinen General Bacchides, um die Angelegenheiten in Palästina zu ordnen. Doch die Guerillaangriffe der jüdischen Aufständischen ließen nicht nach. Zu einer größeren Schlacht kam es bei Eleasa (161 v. Chr.), wo die jüdischen Aufständischen einen herbe Niederlage einstecken mussten und Judas Makkabäus fiel. Nach den Rückschlägen zogen sich die jüdischen Rebellen in die ländlichen Gebiete zurück, um sich neu zu organisieren. Die Führung übernahm Jonathan, der Bruder von Judas Makkabäus. In Jerusalem und in den seleukidisch kontrollierten Gebieten bemühte sich Bacchides um die Befestigung der Städte und Ortschaften. Neue interne politische Unruhen im Seleukidenreich ermöglichten es Jonathan und seinen Rebellen weite Gebiete Judäas zu kontrollieren. Schließlich war ganz Judäa bis auf Jerusalem in ihrer Hand. Die Situation in Jerusalem änderte sich allerdings nicht. Aber der Rückhalt in der jüdischen Bevölkerung wurde immer größer. Nach Beendigung erneuter Thronwirren bei den Seleukiden konnte unter dem König Demetrius II. die Situation nicht mehr zugunsten der Seleukiden gekippt werden. Auch die Ermordung Jonathans half nicht. Die Führung des Aufstandes und das Amt des Hohenpriesters übernahm nun (143 v. Chr.) Simon. Militärische Feldzüge unter dem seleukidischen Befehlshaber Tryphon konnten abgewehrt werden. Schließlich kam 141 v. Chr. der lang ersehnte Erfolg: Die Seleukidenfestung Acra in Jerusalem konnte eingenommen werden. Mit der Acra, der letzen Bastion der hellenisierten Juden und Griechen, war die Stadt endgültig in der Hand der Juden. Judäa war nun ein nahezu komplett eigenständiger Staat mit Jerusalem als Hauptstadt und religiöses Zentrum. Nach Simon übernahm 135 v. Chr. dessen Sohn Johannes Hyrkanus das Amt des Hohenpriesters und die Führung des Landes. Doch ein Frieden war damit noch nicht erreicht. Es waren noch viele Feldzüge in die benachbarten Regionen nötig, um das Herrschaftsgebiet Judäas zu konsolidieren. Unter dem jüdischen König Alexander Jannäus (Regierungszeit 103 bis 76 v. Chr.) erreichte, nach zahlreichen Eroberungen umliegender Gebiete (Idumäa, Samaria, Galiläa), der neue jüdische Staat seinen Zenit. Weder die Seleukiden noch die Ptolemäer waren zu jener Zeit in der Lage, diesen neuen Flächenstaat ernsthaft zu bedrohen.Am Ende waren es Thronstreitigkeiten der Hasmonäer, die das kleine Reich zu Fall brachten. Nachdem Alexander Jannäus im Jahre 76 v. Chr. verstarb und 67 v. Chr. schließlich auch seine Witwe und Nachfolgerin Alexandra starb, brachen Thronstreitigkeiten und Unruhen aus. In dieses Machtvakuum trat eine neue Supermacht: Rom. Der römische Feldherr Pompejus war mit seinen Truppen im Nahen Osten, um den kleinasiatischen Herrscher Mithradates zu bezwingen. Einmal dort, erweiterte Pompejus den römischen Einfluss auf die ganze Levante. Die Römer zogen im Jahre 63 v. Chr. in Palästina ein, setzten die Hasmonäer ab und ließen das Land von Statthaltern regieren. Allerdings blieb das Amt des Hohenpriesters noch für einige Jahre in den Händen der Hasmonäer (Johannes Hyrkanos II. 63 bis 40 Chr., Antigonos 40 bis 37 v. Chr., Aristobulos 35 v. Chr.).Die Intensität des jüdischen Widerstands hatte die Bevölkerung zusammengeschweißt und ihr eine noch stärkere Form der Identität gebracht. Viele Theologen vermuten, dass ein Großteil der biblischen Texte des Alten Testaments in jener Zeit seine Endredaktion erfahren hat. Auf jeden Fall sind die geschichtlichen Ereignisse der Zeit viel besser und detaillierter dokumentiert als jene aus älteren Epochen. Es nicht auszuschließen, dass bei der Bearbeitung biblischer Texte einige Ideen und Vorstellungen der Makkabäer- bzw. Hasmonäerzeit auf die Beschreibungen der älteren Reiche (Reich Davids und Salomos, Reich Josias) übertragen und somit historische Betrachtungen anachronistisch eingefärbt wurden. Die Bedeutung der Einhaltung der Riten und Gebote war im Zeitalter der kulturellen Unterdrückung aktueller als je zuvor. Anmerkung: Die biblischen Texte, die über die Makkabäer berichten, sind nicht in jeder Bibel enthalten. In der Lutherbibel sind sie, je nach Ausgabe, entweder gar nicht oder aber als „Apokryphen“ als Zugabe beigefügt. Neben diesem ersten und zweiten Buch Makkabäus zählen noch die Berichte des Flavius Josephus als wichtigste Quelle zu dieser Zeit.

 

Auswahl weiterführender Literatur:

  • Aharoni, Yohanan und Michael Avi-Yonah, The Macmillan Bible Atlas, Jerusalem und New York 1993 (3. Aufl.).
  • Aharoni, Yohanan und Michael Avi-Yonah, Syria-Palestine II: From the Middle Bronze Age to the End of the Classical World (2200 B.C. – 324 A.D.), Genf 1979.
  • Clauss, Manfred, Das Alte Israel – Geschichte , Gesellschaft, Kultur, München 2008 (3. Auflage).
  • Kuhnen, Hans-Peter, Palästina in griechisch-römischer Zeit, (Handbuch der Archäologie, Vorderasien Band II/2), München 1990.
  • Rogerson, John, Land der Bibel, (Weltatlas der alten Kulturen), München 1985.
  • Schmoldt, Hans, Biblische Geschichte, Stuttgart 2000.

 

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg