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Die Zeit der zwei Reiche – Israel und Juda TEIL 1

Der Süden Palästinas, das Südreich Juda, hatte andere klimatische und naturräumliche Vorraussetzungen. Das Klima war (und ist) trockener, die Böden karger. Erst als das Nordreich Israel durch die Assyrer zerstört wurde bzw. unter assyrische Oberhoheit fiel, blühte der Süden auf. Im 7. Jahrhundert v. Chr. gewann Juda an Bedeutung.Die unmittelbaren geographischen Nachbarn und somit natürlichen Konkurrenten, Widersacher und manchmal Verbündeten Israels waren die Aramäer in Syrien (insbesondere Aram-Damaskus) und die Phönizier an der Küste des heutigen Libanon sowie Moab und Ammon im nördlichen Westjordanland. Die Nachbarn Judas waren die Philister an der südpalästinischen Küste und das Wüstenreich Edom im Negev.Die Chronologie der Herrscherfolgen ist noch nicht gesichert. Zwar ist man sich über die Reihenfolge sicher. Auch ist die jeweilige Dauer der einzelnen Regierungszeiten der Könige Judas und Israels in der Bibel genau wiedergegeben. Doch lassen sie sich nicht exakt in absolute Jahreszahlen übersetzen. Daher weichen die Jahresangaben in verschiedenen theologischen und historischen Abhandlungen leicht voneinander ab.Teilung des Reiches in Israel und Juda und Palästina-Feldzug des Pharao ScheschonqZum Ende des 10. Jahrhunderts v. Chr. teilte sich die politische Landschaft Palästinas in ein Nordreich Israel und ein Südreich Juda. Erster Herrscher des Nordreiches Israel war der König Jerobeam I. Sein Regierungssitz war die Stadt Sichem. Der erste König von Juda war Rehabeam. Begleitet war die Phase der Teilung von Konflikten zwischen Israel und Juda und einer außenpolitischen Bedrohung: Im Jahre 926 v. Chr. rückte aus Ägypten ein feindliches Eroberungsheer an. Pharao Scheschonq I. (in der Bibel: Schischak, Regierungszeit: 945 bis 924 v. Chr.) zog zuerst durch die Gegenden der palästinischen Küste, dann sowohl durch Juda und als auch durch Israel. Er unterwarf eine Stadt und Ortschaft nach der anderen. Die Bewohner mussten große Tributzahlungen leisten. Dann zogen die Ägypter wieder ab.In Israel war die politische Landschaft instabil. Zahlreiche Herrscher wechselten sich innerhalb kürzester Zeit ab. Erst unter dem König Omri (Regierungszeit: vermutlich 884 bis 873 v. Chr.) stabilisierten sich die Verhältnisse. Er gründete die neue Hauptstadt Samaria. Sie blieb für mehrere Generationen die Residenz der israelitischen Könige. Unter König Omri und seinen Nachfolgern blühte Israel wirtschaftlich. Viele Bauten in Hazor, Megiddo usw., die von den frühen Archäologen ursprünglich Salomo zugeschrieben wurden, stammen tatsächlich aus der Zeit der Dynastie Omris. Auch geopolitisch wuchs Israel. Moab im Transjordanland wurde Israel angeschlossen. Enge Verbindungen hatte Israel mit Phönizien. König Ahab (Regierungszeit: 873 bis 852v. Chr.) heiratete sogar eine phönizische Prinzessin. In der biblischen Überlieferung wird die enge Verbindung mit Phönizien für den heidnischen Baal-Kult verantwortlich gemacht. Tatsächlich waren in dieser Gegend schon immer zahlreiche westsemitische Gottheiten verehrt worden. Der Jahwe-Kult war nur einer von vielen. In diese Zeit fiel nach biblischer Überlieferung das Wirken des Propheten Elia (Elias, Elijahu), der gegen die heidnischen Götzenkulte protestierte. Grenzstreitigkeiten zwischen Israel und Juda wurden bald beigelegt, zumal äußere Feinde bedrohlicher waren, wie sich später herausstellte. Seine Schwester verheiratete Ahab mit Joram, dem Prinzen und Thronfolger in Juda.Israel und Juda im Schatten der Großmacht AssyrienWährend der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. gerieten die Staaten Palästinas und Syriens immer wieder in Konflikt mit der neuen Großmacht des Nahen Ostens: Assyrien.Die Konflikte begannen sich auch auf die Staaten Palästinas auszuweiten, als die assyrischen Herrscher Salmanassar III. (Regierungszeit: 859 bis 824 v. Chr.) und Adad-Nirari III. (Regierungszeit: 811 bis 783 v. Chr.) gegen die Orte und Städte des westlichen Syrien zu Felde zogen. Gegen Salmanassar III. hatten sich sowohl Israel als auch Juda einer großen Heereskoalition angeschlossen, zu der sich auch Truppen aus Ägypten, Phönizien, Amon, Aram-Damaskus, Hamath (in Syrien) und verschiedene arabische Fürstentümer zusammengeschlossen hatten. Gemeinsam traten sie den Assyrern in der Nähe vom syrischen Ort Qarqar (Karkar) am Fluss Orontes entgegen. Doch gegen die assyrische Militärmaschinerie hatten sie keine Chance und wurden geschlagen (853 v. Chr.). Alle Besiegten mussten große Mengen Tribut an Assyrien abliefern. Die Furcht vor dem weiteren Vordringen Assyriens war so groß, dass regelmäßig weitere Tributgaben gezahlt wurden.Unter den folgenden Königen Israels war insbesondere Jehu von Bedeutung. Zwar war er an Tributszahlungsverpflichtungen gegenüber Assyrien gebunden. Doch konnte er in seinem Lande schalten und walten. Nach biblischer Überlieferung tat er sich besonders durch seine strikte Bekämpfung der heidnischen Kulte hervor. Besonders die Anhänger des Baal-Kultes ließ er verfolgen und zum Teil töten. Auch die Nachkommen der Dynastie Omris wurden hart bekämpft und oft getötet.Im Jahre 734 v. Chr. kam im Nordreich Israel der König Pekach (Pekah) an die Macht. Er verfolgte eine assyrerfeindliche Politik, wahrscheinlich, um weitere Tributzahlungen an Assyrien zu vermeiden. Deshalb ging Pekach ein Bündnis mit dem Aramäer-König Razon von Damaskus ein. Dagegen weigerten sich die Könige des Südreiches Juda, Jotham (Jotam) und sein Nachfolger Ahas, dem antiassyrischen Bündnis der Israeliten und Aramäer beizutreten.Die Furcht der palästinischen Staaten wurde größer, als der assyrische König Tiglatpileser III. 734 v. Chr. an den phönizischen Städten vorbei nach Akko marschierte, wo er in der Gegend der Jesreel-Ebene auf israelitische Truppen stieß, die er ohne großen militärischen Aufwand aus dem Weg räumte. Dann zog der assyrische Herrscher mit seinem Heer weiter die Küste entlang, um die Philister zu unterwerfen. Die Präsenz der assyrischen Großmacht an den Grenzen Israels versetzte die Staaten der Region in Unruhe. Israel und Aram-Damaskus versuchten Juda in ein Bündnis gegen Assyrien zu zwingen. Doch in Juda weigerte man sich, einem solchen Bündnis beizutreten. Daraufhin zogen aramäische und israelitische Truppen nach Juda. Unterstützt wurden sie von den Edomitern aus dem Süden. Doch konnten sie Jerusalem nicht bezwingen. Dort regierte gerade der König Ahas (Achas, Ahaz, Regierungszeit: 743 bis 727 v. Chr.). Unter seiner Führung entschloss man sich in Juda, Assyrien um Hilfe zu bitten. Man erklärte sich kurzerhand zum Vasall des assyrischen Königs und übersandte ihm die obligatorischen Tributgaben. Der assyrische König Tiglatpileser III. unternahm unmittelbar darauf einen weiteren Feldzug nach Palästina. Im Jahre 733 eroberte und verwüstete er die nördliche Hälfte des Nordreiches Israel. Hierbei eroberte er auch die bedeutende Festungsstadt Megiddo, die nun Hauptstadt der neuen assyrischen Provinz wurde. Ein Jahr später zog Tiglatpileser III. gegen Damaskus. Dort wurden zahlreiche Einwohner deportiert, ein Schicksal, das später auch die Bewohner Palästinas immer wieder einholte. Angesichts dieser Machtdemonstration begab sich König Ahas nach Damaskus, um dem assyrischen Herrscher zu huldigen. Das Nordreich Israel war nun seinerseits zweigeteilt: in eine assyrische Provinz im nördlichen Bereich und ein weiterhin selbständiges Israel im südlichen Bereich mit der Hauptstadt Samaria. Dort kam es zum Regierungsumsturz. Der König Pekah (Pekach) wurde von Hosea (Hoschea) erschlagen, der nun die Macht übernahm. Zunächst blieb Hosea einige Jahre treuer Vasall Assyriens und entrichtete den erforderlichen Tribut. Doch schließlich kam es zum Machtkampf zwischen zwei politischen Parteien: Die einen waren weiterhin für eine Unterwerfung unter Assyrien, während die anderen für die Unabhängigkeit eintraten. Hierbei hofften sie auf Unterstützung aus Ägypten. Die antiassyrische Partei konnte sich durchsetzen. Im Jahre 727 v. Chr. starb der assyrische König Tiglatpileser III. Sein Nachfolger wurde Salmanassar V. (Regierungszeit: 726 bis 722 v. Chr.). Dieser plante schon bald einen Feldzug nach Samaria. Er drohte Hosea und zwang ihm Tributzahlungen auf. Hosea zahlte aber nicht, sondern suchte Unterstützung beim ägyptischen Pharao. Daraufhin setzte Salmanassar den angedrohten Feldzug in die Tat um. Bereits ein Jahr später musste sich Samaria der assyrischen Belagerung ergeben und wurde zerstört. Teile der israelischen Bevölkerung wurden ins Exil nach Assyrien verschleppt. 720 v. Chr. zog der nächste assyrische König, Sargon II. (Regierungszeit: 722 bis 705 v. Chr.), nach Palästina, um einen erneuten Aufstand niederzuschlagen. Nahezu alle Regionen Palästinas – außer Juda – waren an dem Aufstand beteiligt. Sargon marschierte über Megiddo auf Gibbethon und Ekron und eroberte sie. Ebenso eroberte er Gaza im Gebiet der Philister. Ein ägyptisches Heer, das den Aufständischen zur Hilfe eilen sollte, wurde von den Assyrern an der Grenze zurückgeschlagen. Es folgten weitere assyrische Eroberungen im Sinai und in der Negev-Wüste sowie erneute Strafexpeditionen gegen die Philister.


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