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Alexander der Große und die Hellenistische Zeit

Israel und Juda waren als relativ kleine Länder über lange Zeiträume von der Politik der damaligen orientalischen Hegemonialmächte abhängig: Ägypten, Assyrien, Babylon und dann Persien. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. änderte sich die außenpolitische Landschaft nachhaltig. Zum ersten Mal in der Geschichte des Alten Orient trat eine Nation aus einem anderen Kulturkreis in den Vordergrund: die griechisch-hellenistische Welt. Das Zusammentreffen von Orient und Okzident fand seinen Anfang in den persisch-griechischen Kriegen des 5. Jahrhunderts v. Chr., als die Truppen des Persischen Weltreiches nach Europa überzusetzen versuchten. Nun, im 4. Jahrhundert v. Chr., war die Zeit für eine Gegenreaktion gekommen, die für immer die Welt verändern sollte.Die zentrale Figur, mit der dieser einschneidende Wandel für immer untrennbar verbunden ist, war Alexander der Große (geb. 356 v. Chr. in Pella / Makedonien, gest. 323 v. Chr. in Babylon), der König von Makedonien (Regierungszeit: 336 v. Chr. bis 323 v. Chr.). Der Sohn des makedonischen Königs Philipp II. und Schüler von Aristoteles wurde zu einer der berühmtesten Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Wichtigstes Ereignis seines Lebens war der jahrelange Feldzug zur Eroberung des Perserreiches. Der Verlauf des Persienfeldzuges Alexanders des Großen ist kurz erzählt. Mit der Überquerung der Meerenge am Hellespont (heute die Dardanellen) und der ersten großen Schlacht am Granikos (334 v. Chr.) begann die Siegeszug durch Vorderasien. Alexander eroberte zahlreiche Städte Kleinasiens und zog mit seinen griechisch-makedonischen Truppen weiter nach Osten, wo er bei Issos (333 v. Chr.) ein weiteres Mal einem persischen Heer eine vernichtende Niederlage zufügte. Dann eroberte Alexander Syrien, Phönikien und Palästina (332 bis 331 v. Chr.; heftigen Widerstand gab es in Tyros und Gaza), zog weiter nach Ägypten und von dort wieder nach Osten ins Zweistromland und schließlich ins Kernland Persiens. Im Jahre 331 v. Chr. erlangte Alexander in der Schlacht bei Gaugamela einen weiteren großen Sieg über die Perser. Der persische Großkönig Darius III. (Dareios III.) musste fliehen. Daraufhin marschiert Alexander in Babylon, Susa und Persepolis ein. (Der persische König wurde von einem seiner eigenen Gefolgsleute ermordet.) Anschließend folgte ein weiterer Feldzug nach Osten durch den Iran, Afghanistan bis nach Indien und schließlich zurück nach Babylon, wo Alexander 323 v. Chr. einem Fieber erlag.Die Bedeutung des Alexanderzuges kann historisch nicht hoch genug eingeschätzt werden. Nicht allein der einzigartige militärische Erfolg ist wichtig, sondern insbesondere die Folgen, die sich durch die komplette Neuordnung der damaligen Welt ergeben haben. Alexanders Eroberungen führten zu einer neuen kosmopolitischen und multi-kulturellen Gesellschaft im Mittelmeerraum und im Nahen und Mittleren Osten, in der die Kulturen des Orients und Okzidents miteinander verschmolzen. Indische Philosophie traf auf griechische Philosophie, die Geisteswelten Ägyptens und des Zweistromlandes mischten sich mit dem Gedankengut Alteuropas. Klassische Dichter, Denker, Philosophen und Autoren ließen sich von Motiven der altorientalischen Kultur beeinflussen. Neue Inspirationen beflügelten Philosophie, Wissenschaft und Technik. Auch die Kultur des alten Israel war von dieser Beeinflussung nicht ausgenommen. Die hellenistische Symbiose der altorientalischen Kultur mit der alteuropäischen ist das Fundament der abendländischen Zivilisation geworden. Die zwei Grundpfeiler unserer eigenen europäischen Kultur, nämlich einerseits die Bibel bzw. das Christentum und andererseits das Erbe der klassisch-griechisch-römischen Antike stehen auf diesem Fundament. Die jüdische Kultur und Religion, die sich durch strikten Monotheismus und strenge Gebote von den anderen Religionen und Kulturen der umliegenden Länder und Völker abzugrenzen versuchte, musste sich von nun an auch mit hellenistische Einflüssen auseinandersetzen. Nach dem Tode Alexanders des Großen war die Erbfolge ungeklärt. Eigentlich sollte sein Sohn Alexander IV. (Alexander Aigos) das Erbe antreten. Doch der war noch ungeboren im Mutterleib von Alexanders schwangerer Frau Roxane. So rief man Alexanders Halbbruder Philipp III. zum König aus. Das Regierungsgeschäft übernahm der General und Alexandervertraute Perdikkas. Verschiedene Generäle und Heerführer aus dem ehemaligen Gefolge Alexanders, die in den Provinzen als Statthalter und Gouverneure dienten, rangen um mehr Einfluss und Macht im Reich oder strebten nach mehr Autonomie ihrer Herrschaftsbereiche. Dieser Konflikt führte zu den sogenannten Diadochenkriegen. Einer der Diadochen und Statthalter war der General Ptolemäus, der Ägypten regierte. Er strebe nach mehr Unabhängigkeit, festigte seine Herrschaft am Nil und annektierte Palästina. In Ägypten gründete er die Herrscherdynastie der Ptolemäer, die sich als Erben der Pharaonen präsentierten. Größter Rivale des Ptolemäerreiches war das Reich des Seleukos und seiner Nachfahren (Seleukiden). Die Seleukiden beherrschten Syrien, Mesopotamien, den Iran und Teile Kleinasiens. Anfangs waren Ptolemäus und Seleukos noch Zweckverbündete, die zusammen mit den Feldherren Kassander (Herrscher in Makedonien) und Lysimachos (Herrscher in Thrakien) gegen die Alleinherrschaftsbestrebungen des Antigonus (und seines Sohnes Demetrius) kämpften. Im Zuge dieses Diadochenkrieges zogen die Heere des Ptolemäus, des Seleukos, des Antogonus und des Demetrius kreuz und quer durch Palästina, dass strategisch an der Schnittstelle der Interessensphären lag. Um Ptolemäus zu schlagen, mussten die Feldherren durch Palästina ziehen – das war eine der Geographie geschuldete Notwendigkeit. Einige Gebiete wurden verwüstet. Ptolemäus holte alsbald zum Gegenschlag aus. Ptolemäus nahm zahlreiche Gefangene aus Juda und Samaria mit nach Ägypten. Antigonus wurde schließlich 301 v. Chr. bei Ipsos in Kleinasien vernichtend geschlagen. Die Macht im Vorderen Orient war nun also geteilt zwischen Seleukos und Ptolemäus. Palästina lag im Grenzbereich und war somit in die Konfliktzone beider Reiche. Während des dritten Jahrhundert v. Chr. war Palästina überwiegend in der Hand der Ptolemäer. Aus den Jahren 259 und 258 v. Chr. sind uns interessante Schriftquellen erhalten, die wichtige Information über das Land in jener Zeit offen legen. Ein bedeutender Mitarbeiter der ptolemäischen Finanzverwaltung zog von Ägypten nach Palästina, Syrien und Phönizien, um von den wirtschaftlichen Aktivitäten und den Verwaltungspraktiken dort zu berichten. Palästina schien wirtschaftlich eng mit dem ägyptischen Nachbarland verknüpft zu sein. Die Macht der Ptolemäer war für geraume Zeit groß genug groß, dass sie sich sogar militärische Operationen nach Syrien erlauben konnten (246 bis 240 v. Chr.). Zum Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. wurde die ptolemäische Oberherrschaft über Palästina wider strittig gemacht. Der Seleukidenherrscher Antiochus III. unternahm in den Jahren 219 bis 217 einen umfangreichen Feldzug, um Palästina zu erobern. Seine Truppen rückten bis in den Gaza-Streifen vor. Doch Ptolemäus III. setzte 217 v. Chr. zur Gegenoffensive an. Die bedeutendste und entscheidende Schlacht dieses Krieges ereignete sich bei Raphia, südlich des Gaza-Streifens. Beide Könige ließen riesige Heere aufmarschieren. Auf der Seite des ägyptischen Königs Ptolemäus III. standen 70.000 Fußsoldaten 5.000 Reiter und 73 Kriegselefanten. Seleukos schickte 62.000 Fußsoldaten, 6.000 Reiter und 102 Kriegselefanten in die Schlacht. Ptolemäus III. konnte Antiochus III. zum Rückzug zwingen und Palästina zurückerobern. Nur wenige Jahre später, 201 bis 198 v. Chr. kam es zu einem erneuten Krieg zwischen beiden hellenistischen Großmächten. Diesmal lag das Kriegsglück auf der Seite der Seleukiden. Antiochus III. konnte die ägyptischen Truppen besiegen und Palästina erobern. Die jüdische Bevölkerung schien ihm größtenteils freundschaftlich zu begegnen und die Eroberung zu begrüßen. Im Gegenzug unterstütze Antiochus den Kult des Jerusalem er Tempels und versprach Steuererleichterungen für privilegierte Juden aus der Priesterschaft. In den Jahren 170 bis 167 durchzogen nochmals seleukidische Heere Palästina, das Durchgangsland eines Feldzuges nach Ägypten war, wo Antiochus IV. zweimal Alexandria belagern konnten. Allerdings wurde er durch die Drohung einer neuen Großmacht zum Rückzug gezwungen: Rom war an die Seite Ägyptens getreten, um Ptolemäus zu unterstützen. Während der hellenistischen Epoche setzte sich die jüdische Diaspora fort, wenn in der Regel auch nicht in Form von Zwangsdeportationen wie zur Zeit der Assyrer und Babylonier, aber durch vereinzelte Auswanderungsbewegungen und Gründungen neuer jüdischer Gemeinden und Siedlungen im Reich der Ptolemäer und im Reich der Seleukiden. Vor allem in Ägypten gab es in allen Provinzen jüdische Siedlungen. Besonders viele Juden lebten in Alexandria. Zahlreiche archäologische Funde und Schriftquellen (hauptsächlich Papyri) geben Aufschluss über das Leben der Juden in Ägypten. Viele waren Militärangehörige, arbeiten in der Verwaltung oder in der Landwirtschaft. Umgekehrt gab es auch griechisch-makedonische Siedlungen in Palästina. Meistens handelt es sich um Städtegründungen der Ptolemäer und Seleukiden. Die Städte wurden nach dem griechischen Vorbild einer typischen Polis entworfen, gebaut und organisiert, mit Agora (Marktplatz, Forum), Gymnasion (Sportwettkampfstätte), rechtwinkligen Straßensystemen, Theater und öffentlichen Bädern. Handwerker aus Griechenland und dem Mittelmeerraum kamen ins Land, um die zahlreichen Aufträge umzusetzen. Griechische Kaufleute eröffneten Handelskontore oder boten auf den Märkten Waren aus verschiedenen Teilen der damaligen Welt feil. Einige Städte schlossen sich zu hellenistischen Stadtbünden zusammen, so beispielsweise die Dekapolis (griechischer Ausdruck für „zehn Städte“), zu der sich zehn Städte diesseits und jenseits des Jordan zusammentaten. Auf diese Art und Weise erhoffte man sich eine schnellere Assimilation der Bevölkerung an die hellenistische Kultur. Doch der gewünschte Erfolg trat nur bedingt ein. Eine gewisse jüdische Oberschicht assimilierte sich tatsächlich an die hellenischen Sitten und Gebräuche, an neue Moden und Alltagsgewohnheiten, allerdings auch, um sich von der restlichen Bevölkerung abzuheben. Als Gegenbewegung begannen in Palästina jüdische Widerstandsbewegungen zu erwachen, die um die Identität ihrer Kultur und um die Reinheit ihrer Religion fürchteten. Der Funke, der den jüdischen Aufstand entfachte war, als Antiochus IV. plötzlich beschloss, den Jerusalemer Jahwe-Tempel in einen Zeus-Tempel umzuwandeln. Hierzu mehr im nächsten Kapitel (Makkabäeraufstand und Hasmonäerstaat).

 

Auswahl weiterführender Literatur:

  • Aharoni, Yohanan und Michael Avi-Yonah, The Macmillan Bible Atlas, Jerusalem und New York 1993 (3. Aufl.).
  • Aharoni, Yohanan und Michael Avi-Yonah, Syria-Palestine II: From the Middle Bronze Age to the End of the Classical World (2200 B.C. – 324 A.D.), Genf 1979.
  • Clauss, Manfred, Das Alte Israel – Geschichte , Gesellschaft, Kultur, München 2008 (3. Auflage)
  • Gehrke, Hans-Joachim, Alexander der Große, München 2008 (5. Aufl.).
  • Kuhnen, Hans-Peter, Palästina in griechisch-römischer Zeit, (Handbuch der Archäologie, Vorderasien Band II/2), München 1990.
  • Rogerson, John, Land der Bibel, (Weltatlas der alten Kulturen), München 1985.
  • Schmoldt, Hans, Biblische Geschichte, Stuttgart 2000.

 

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg