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Theodor Herzl

Auch wenn er selbst niemals in Israel gelebt hat, so ist sein Name auf immer mit dem Land verbunden. Theodor Herzl entwickelte die Idee vom „Judenstaat“ in Palästina, die zur Inspiration für die zionistische Bewegung wurde und letztendlich zur Gründung des modernen Staates Israel führte. Theodor Herzl (1860 bis 1904) wurde in Pest geboren, jener Stadt, aus der später durch den Zusammenschluss mit Buda und Obuda die ungarische Hauptstadt Budapest wurde. Dort verbrachte er seine Kindheit und Jugend. Er war österreichisch-ungarischer Staatsbürger jüdischer Abstammung und jüdischen Glaubens, wobei er sich allerdings später, wie viele jüdische Intellektuelle seiner Zeit, als Atheist zu erkennen gab. Die Familie war sprachlich und kulturell deutsch-österreichisch assimiliert. Er selbst setzte sich zeitlebens intensiv mit seiner jüdischen Herkunft und dem Judentum als solchen auseinander. Das Thema bewegt ihn emotional und intellektuell. Er erkannte die Probleme, mit denen kulturelle Minderheiten zu kämpfen hatten. Nach Abschluss seiner Schulzeit siedelte die Familie nach Wien über. Dort schrieb er sich als Jurastudent an der Universität ein. Zunächst Mitglied einer studentischen Burschenschaft, trat er aus dieser wegen antisemitischer Tendenzen aus. Nach der Promotion arbeitete er nur kurz als Jurist und wechselte bald in die schriftstellerische und publizistische Berufswelt. Neben literarischen Versuchen – er schrieb Theaterstücke – arbeitete er als Korrespondent für die Zeitung „Neue Freie Presse“ in Paris. Später wurde er in Wien Feuilletonredakteur derselben Zeitung. Seine Meinung und sein Kommentar waren in der Kulturszene Wiens von großem Gewicht. Der berühmte österreichische – und ebenfalls jüdische – Schriftsteller Stefan Zweig kannte ihn persönlich und schrieb über ihn („Die Welt von Gestern“ 1942, zitiert nach der Fischer-Taschebuchausgabe von 2003, S. 124): „Er hatte mit dichterischen Versuchen begonnen, früh eine blendende journalistische Begabung gezeigt und war zuerst als Pariser Korrespondent, dann als Feuilletonist der ‚Neuen Freien Presse’ der Liebling des Wiener Publikums geworden. Seine Aufsätze, heute noch bezaubernd durch ihren Reichtum an scharfen und oft weisen Beobachtungen, ihre stilistische Anmut, ihren edlen Charme, der selbst im Heiteren wie Kritischen nie die eingeborene Noblesse verlor, waren das Kultivierteste, was man sich im Journalistischen erdenken konnte, und das Entzücken einer Stadt, die für Subtiles den Sinn sich geschult hatte.“

Herzls Erfahrungen mit Antisemitismus und die Geburt des Zionismus

Theodor Herzl, seit Kindheit für die Belange und Gefühle der jüdischen Minderheiten in Europa sensibilisiert, hatte als Korrespondent in Paris ein einschneidendes Erlebnis. Es war die Dreyfus-Affäre, bei der ein französischer Hauptmann zu Unrecht des Landesverrats bezichtigt und verurteilt wurde. Hierbei wurde der Öffentlichkeit bekannt, dass es sich um einen Justizirrtum handelte. Die Empörung über diesen Skandal ließ nicht lange auf sich warten. Es kam zu heftigen Protesten und Diskussionen innerhalb der französischen Gesellschaft. Denn schnell entstand der Verdacht, dass Dreyfus nur deshalb ins Visier der Anklage geraten war, weil er Jude und somit für Menschen mit antisemitischen Ressentiments sowieso tendenziell verdächtig war. Judentum und Antisemitismus in Frankreich waren nun das Thema der Presse, und Theodor Herzl war als Korrespondent mitten drin, ja er hat sogar als Zeuge die öffentliche Degradierung von Dreyfus miterlebt. Dieses Erlebnis ließ Herzl intensiver über das Schicksal des Judentums in Europa nachdenken. Es war zwar nicht das einzige antisemitische Erlebnis, das Herzl hautnah miterlebte und verfolgte. Aber es war sein Schlüsselerlebnis. Er wollte eine Lösung zu diesem Problem finden. Zunächst kam ihn in den Sinn, dass diejenigen europäischen Juden, die bereits kulturell und sprachlich an ihr jeweiliges Land angepasst waren, zum christlichen Glauben übertreten sollten, um das letzte Band zur jüdischen Vergangenheit zu kappen und in den europäischen Völkern aufzugehen. Diese Idee gab er später auf. Dann kam Herzl eine neue Idee, die aus heutiger Sicht gar nicht so abwegig erscheint, aber zu damaliger Zeit ungeheuerlich abenteuerlich und utopisch klang: Die Juden sollten in ihre historische Heimat Palästina zurückkehren und dort einen Judenstaat gründen. Dort könnten sie leben, ohne als fremdestämmige Minderheit von der Gunst der europäischen Völker abhängig zu sein. Er fasst den Entschluss, auf die Idee ein Konzept folgen zu lassen und veröffentlichte 1896 schließlich das Manifestbändchen „Der Judenstaat – Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage“. Damit war die Idee des Zionismus geboren. Sie entstand in einem Zeitalter, das von Nationalismus geprägt war. In allen europäischen Ländern galt es als anständig, Patriot zu sein. Nationalismus hatte noch nicht den negativen Beigeschmack, den es heute hat. Für Herzl war klar, dass die Juden sich als Nation betrachten müssten. Dazu brauchte es einen eigenen Staat, einen modernen jüdischen Nationalstaat. Anfangs wurde Theodor Herzl für seine Idee belächelt. Nur Wenige nahmen ihn ernst. Vielen Juden in Mitteleuropa ging es gut, insbesondere in Wien. Warum sollte man daran etwas ändern? Doch er ließ nicht locker. Sobald die Zahl der Anhänger seiner Idee groß genug war, organisiert man 1897 den „Ersten Zionistischen Weltkongress“ im schweizerischen Basel. Die Ideen verbreiteten sich. Besonders bei den jüdischen Einwanderern aus Osteuropa, die nach Deutschland und Österreich-Ungarn kamen, stieß der Zionismus auf großes Interesse. Die Bewegung war geboren. Die Verbreitung der Ideen von Herzl war nicht mehr aufzuhalten.

Zionismus als internationale Bewegung

Die Ideen Herzls machten auch vor den Herrscherhäusern Europas nicht halt. Man war generell nicht abgeneigt, über einen jüdischen Nationalstaat nachzudenken. Der deutsche Kaiser, die britische Regierung und viele europäische Politiker äußerten Vorschläge, ob und wie Herzl Ideen Wirklichkeit werden könnten. Ein jüdischer Nationalstaat ausgerechnet in Palästina erschien aber weniger realistisch, als anderswo, denn das Heilige Land war Teil des Osmanischen Reiches. Man zweifelte, ob der türkische Sultan, ein Moslem, sich positiv zu solchem Gedankengut stellen würde. Die Briten machten diverse Angebote über jüdische Siedlungsmöglichkeiten in einer ihrer afrikanischen Kolonien. Doch die Mehrheit der Anhänger des Zionismus hatten nur ein Land als neue Heimat im Sinn: Palästina. Mit der Zeit wuchs die Zahl der prominenten Unterstützer und Finanziers. Der Weg zum späteren Staate Israel war geebnet. Infolge des Ersten Weltkrieges, des Zusammenbruchs des Osmanischen Reiches und des Sykes-Picot-Abkommens von 1916, wurde Palästina als Mandatsgebiet in die Obhut Großbritanniens gegeben. Es folgten große Einwanderungswellen jüdischer Siedler nach Palästina und die Gründungen der ersten Kibbuzim. Theodor Herzl war es nicht vergönnt, das Aufgehen seiner Saat mitzuerleben. Bereits 1904, mit jungen 44 Jahren, verstarb er an einem Herzleiden. Am 14. Mai 1948 wurde Herzls Idee Wirklichkeit. David Ben Gurion verlas in Tel Aviv feierlich die Unabhängigkeitserklärung des neuen Staates Israel. Über ihn hing an der Wand des Festsaales ein Porträt von Theodor Herzl.

Herzlberg in Jerusalem

In Jerusalem ist ihm zu Ehren ein bedeutender Nationalfriedhof benannt. Dort sind die wichtigsten Persönlichkeiten Israels bestattet. Theodor Herzl war eigentlich in Wien begraben worden. Doch 1949 wurden seine sterblichen Überreste nach Israel überführt und dort auf dem Herzlberg beigesetzt. Zur Anlage des Herzlbergs gehört auch das Herzlmuseum. Es ist dem Leben und Wirken von Theodor Herzl gewidmet. Auf dem Herzlberg finden alljährlich die offiziellen Eröffnungszeremonien zum israelischen Unabhängigkeits- und Nationalfeiertag (Jom Ha’atzmaut) statt.

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg