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David Ben-Gurion

Er war einer der Gründungsfiguren des Staates Israel sowie dessen erster Premierminister und Verteidigungsminister: David Ben-Gurion (1886 bis 1973). 1948 verlas er die israelische Unabhängigkeitserklärung in Tel Aviv. Sein eigentlicher Name war David Gruen. Geboren wurde er am 16. Oktober 1886 im damals zum Russischen Reich gehörenden Polen. Mit elf Jahren verlor er seine Mutter. Als Student wurde er 1905 verhaftet, weil der an der (gescheiterten) russischen Revolution beteiligt war. Ein Jahr später wanderte er über Umwege nach Palästina aus, das damals Teil des Osmanischen Reiches war. Dort schloss er sich zionistischen Bewegungen an. Da er davon ausging, dass Palästina noch lange zum osmanischen Reich gehören würde, zog er zum Studium der Rechtswissenschaften nach Istanbul / Konstantinopel. In dieser Zeit lernte er Türkisch und legte sich den jüdischen Namen Ben-Gurion zu. Während des Ersten Weltkrieges war er wieder in Palästina. Als Mitglied einer jüdischen militärischen Gruppe, die auf Seiten der Türken kämpfte, wurde er 1915 von den Briten gefangen genommen und nach Ägypten deportiert. Von dort aus konnte er nach Amerika auswandern, wo er drei Jahre lang blieb. Dort traf er seine zukünftige Frau, eine russischstämmige Jüdin. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte er nach Palästina, das nun britisches Mandatsgebiet war, zurück. Dort setzte er seine Aktivitäten in der vereinigten zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei „Mapai“ fort, deren Anführer er wurde. Neben Parteifunktionen übernahm er in den dreißiger und vierziger Jahren auch Ämter in internationalen Organisationen an, wie beispielsweise der „Jewish Agency“, deren Vorsitzender er zeitweise war, und der zionistischen Weltorganisation. Seine ideologischen wie realpolitischen Ziele waren bereits klar umrissen: Er wollte, wie viele seiner Mitstreiter, einen unabhängigen jüdischen Staat in Palästina. Am 14. Mai 1948 war es dann soweit. In einem kleinen Haus in Tel Aviv, unter dem Bild von Theodor Herzl , dem Begründer des Zionismus, rief David Ben-Gurion den Staat Israel aus und verlas die Unabhängigkeitserklärung. Ein neuer Nationalstaat war geboren. In Bezug auf die arabischen Palästinenser hoffte David Ben-Gurion, dass sie sich als gleichberechtigte Staatsbürger in Israel integrieren können. Vom 14. Mai bis zum 16. Mai war er Vorsitzender des provisorischen Staatsrates. Am 17. Mai wurde er zum Premierminister ernannt. Dieses Amt hatte er bis zum 26. Januar 1954 und nochmals vom 3. November 1955 bis zum 26 Juni 1963 inne. Gleichzeitig war er Verteidigungsminister seines Landes. Somit lagen die wichtigsten Entscheidungen zweier folgender Kriege in seiner Hand. Gleich zur Staatsgründung wurde David Ben-Gurion mit außenpolitischen Schwierigkeiten konfrontiert. Die arabischen Nachbarländer erkannten den neuen jüdischen Staat nicht an. Bereits Stunden nach der Unabhängigkeitserklärung mobilisierten die benachbarten arabischen Staaten wie Ägypten, Libanon, Jordanien, Syrien ihre Truppen gegen Israel und griffen von allen Seiten an. Eine formale Kriegserklärung gab es nicht. Auch nicht benachbarte Länder wie Saudi-Arabien und der Irak schlossen sich dem Krieg gegen Israel an. Bereits im Vorfeld hatte es Guerilla-Kampfhandlungen zwischen Palästinensern und Israelis gegeben. Die Beunruhigung bei den Palästinensern und in den arabischen Ländern war groß, die Stimmung aufgeheizt. Der erste arabisch-israelische Krieg dauerte offiziell vom 15. Mai bis zum 20. Juli 1949. Die Auswirkungen waren enorm. Mehr als 700.000 Palästinenser flohen außer Landes. Israel konnte sich behaupten und seine Grenzen erweitern. Jordanien verleibte sich die Westbank ein. Ägypten annektierte den Gazastreifen. Nach Beendigung des Krieges waren die Prioritäten für David Ben-Gurions Politik klar gesetzt: Stärkung der Sicherheit und Grenzen Israels durch den Aufbau einer starken Armee, Ausbau der Infrastruktur, Aufnahme weiterer jüdischer Einwanderer und deren Integration in die israelische Gesellschaft sowie die Fortsetzung der landwirtschaftlichen Erschließung des Landes. David Ben-Gurion befürwortete übrigens den Aufbau einer atomaren Streitmacht, um sich vor der zahlenmäßigen Übermacht der arabischen Staaten schützen zu können. 1954 bis 1955 pausierte er von seinen Ämtern. Am 3. November kehrte er als Premierminister zurück. Ein Jahr später folgte die nächste außenpolitische Herausforderung. Wegen der Verstaatlichung des Suezkanals durch den ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser kam es zu einer internationalen Krise. Großbritannien, Frankreich und Israel griffen am 29. Oktober Ägypten an. Zuerst rückten israelische Truppenverbände in den Gazastreifen und den Sinai vor, dann bombardierten die britische und französische Luftwaffe ägyptische Städte. Die israelischen Truppen konnten schnell bis zum Suezkanal vordringen. Erst auf intensives Drängen der USA, Sowjetunion und der UNO wurden die Kampfhandlungen eingestellt. Dies war eine Demütigung für Frankreich und Großbritannien, weil nun der Welt offenkundig wurde, dass sie nicht mehr die Schutzmächte des Nahes Ostens sind. Israel erwarb sich dagegen ein Image der Stärke. Zwar mussten die Israelis ihre Truppen bis März 1957 wieder aus dem Sinai zurückziehen, doch war der Welt gezeigt, dass Israel eine militärische Macht in Nahost geworden ist. Das selbstbewusste Auftreten Israels auf der internationalen Bühne war zu einem gewissen Teil auf das Engagement Ben-Gurions zurückzuführen. Innenpolitisch hatte Ben-Gurion mit Auseinandersetzungen innerhalb seiner Partei, der sozialistischen Arbeiterpartei, sowie mit zahlreichen Kabinetts- und Regierungsmitgliedern zu tun. Die Knesset war ein Ort lebhafter Diskussionen, doch die politischen Debatten und Auseinandersetzungen begannen mit der Zeit an seinen Kräften zu zehren. Seinen Lebensabend verbrachte David Ben-Gurion in dem Kibbuz Sede Boqer in der Negevwüste. Am 1. Dezember 1973 starb er an einer Hirnblutung.