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Haifa die drittgrößte Stadt Israels

Haifa ist eine moderne, saubere, lebendige und wirtschaftlich bedeutende Industrie- und Hafenstadt an der gleichnamigen Bucht und am Fuße des Karmelgebirges. Die Stadt ist bekannt für ihre schönen Parkanlagen und für eine weltoffene und tolerante Atmosphäre.


Video zu den Bahai Gärten, ein UNESCO Weltkulturerbe, in der Hafenstadt Haifa. - © STERN TOURS

Mit etwa 270.000 Einwohnern ist Haifa nach Tel Aviv und Jerusalem die drittgrößte Stadt Israels. Sie ist eine modere Industrie-, Hafen- und Handelsstadt, ein wichtiges Zentrum der israelischen Wirtschaft. Ihr Hafen ist der größte des Landes. Hier wird der größte Teil des israelischen Exports und Imports abgewickelt.

Von Tel Aviv sind es rund 90 Kilometer Autostrecke bis nach Haifa, die, je nach Verkehrslage, in einer bis eineinhalb Stunden zurückgelegt werden können. Von Haifa aus kann man den Norden Israels mit seinen Bergen, der Jesreelebene, dem See Genezareth und die Landschaften Galiläas erkunden. Nach Tiberias sind es etwas mehr als 60 Kilometer. Nach Nazareth rund 45 Kilometer. Bis nach Akko sind es weniger als 30 Kilometer.

Haifa ist eine junge Stadt. Zwar gab es an diesem Ort schon im Altertum eine phönizische Hafensiedlung und im Mittelalter ein Hafen- und Fischerdorf, doch stand Haifa lange Zeit im Schatten von Akko, das Haifa gegenüber auf der anderen Seite der Bucht liegt. Das, was man als Altstadt von Haifa bezeichnet, stammt größtenteils aus dem 18. Jahrhundert, als unter der Osmanenherrschaft lokale Paschas Akko und Haifa mit ihren Häfen ausbauen ließen.

Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts wuchs Haifa zu einer richtigen Stadt heran. Es waren hauptsächlich jüdische Einwanderer aus verschiedenen Ländern Europas, die die neue Stadt schufen. Aber auch lutherische Protestanten aus Deutschland und Katholiken aus Frankreich sowie Drusen aus Syrien, libanesische Christen und Anhänger der Bahai-Religion trugen zum Aufbau und zum kosmopolitischen Ambiente der Stadt bei.

Ende des 19. Jahrhunderts konnte Haifa der älteren, bekannteren und zunächst größeren Nachbarstadt Akko den Rang ablaufen. Zum einen gab es hier mehr Raum für neue Siedlungen für die zahlreichen Einwanderer, zum anderen war der Hafen tiefer und größer, um die anlaufenden Dampfschiffe und Containerschiffe aufzunehmen.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Stadt an die wichtigsten Bahnverbindungen der Levante angeschlossen. Nun war der Weg frei für die Entwicklung eines bedeutenden Industrie- und Handelstandortes. Trotz der wirtschaftlichen Bedeutung blieb Haifa auch eine beliebte Stadt zum Wohnen. Viele Einwanderer, die vor und nach der Gründung des Staates Israel 1948 ins Heilige Land kamen, landeten zunächst in Haifa, und beschlossen unmittelbar, vor Ort zu bleiben. Die Stadt hinterlässt einen gepflegten Eindruck mit ordentlichen Straßen, Parks, sauberen Vororten und hübschen Einfamilienhäusern. Zum Karmelgebirge hin breitete sich die Stadt auf mehreren Plateaus aus, die sich treppenartig erheben. Die unterschiedlich hohen Stadtviertel sind hier durch Treppenwege und steile Straßen erreichbar.

Eine atemberaubende Aussicht auf Haifa, den Hafen und die weite Meeresbucht ergibt sich bei einem Spaziergang auf der Louis-Promenade am Berg Karmel entlang der Yefe-Nof-Straße auf der Höhe der hängenden Bahai-Gärten (s.u.).

Als Urlaubsort lockt Haifa mit schönen Stränden, die sich hauptsächlich südlich des Stadtzentrums befinden. Die Strandanlagen sind infrastrukturell bestens an die Bedürfnisse der Touristen angepasst. Es gibt Duschen, Sanitäranlagen und Strandwachen.

Sehenswürdigkeiten

Nah am Stadtzentrum, auf halbem Wege zwischen Hafen, Hauptbahnhof, David-Ben-Gurion-Avenue und dem Heiligtum der Bahai (s.u.), befindet sich das sogenannte Deutsche Viertel oder die Deutsche Kolonie (vor Ort nach German Colony fragen!). Gegründet wurde die Siedlerkolonie 1868/69. Die Siedler waren hauptsächlich deutschstämmige Einwanderer, von denen viele Mitglieder der Tempelgesellschaft waren. Die Tempelgesellschaft war eine um 1850 in Schwaben gegründete religiöse Christengemeinde, die ihren Ursprung in der lutherisch-protestantischen Kirche hatte, aber sich in einer pietistischen Form abspaltete. Auch wenn die Mitglieder dieser Gemeinde oftmals Templer genannt werden, so darf man sie nicht mit dem mittelalterlich-katholischen Templer-Orden verwechseln, dessen Hinterlassenschaften aus der Kreuzfahrerzeit man im gegenüber liegenden Akko besichtigen kann. Vielmehr sahen sich die Gemeindemitglieder als Vertreter eines Tempels für Gott, den sie in Jerusalem für alle Christen zu errichten gedachten, wobei der Tempel auch als Synonym für die Gemeinde verstanden wird, in der jedes Mitlied der Gemeinschaft einen Baustein des Tempels symbolisiert. 1861 waren die Mitglieder der Tempelgemeinde geschlossen aus der lutherischen Kirche ausgetreten. Der Gemeinde schlossen sich Mitglieder aus anderen Ländern an. Gemeinsam wanderten sie 1868 nach Palästina aus, um dort ein neues Leben zu beginnen. Ihr Schiff legte in Haifa an. Dort gründeten sie ihren ersten Tempel. Schon 1869 konnte ein größeres Gebiet außerhalb der Altstadt von Haifa als Grundstück erworben werden, auf dem sich die Deutschen niederließen. Die deutsche Tempelgemeinde umfasste schnell mehrere Hundert Mitglieder, die in dieser Kolonie siedelten und mit ihren typischen Häusern und Alleen deutsches Flair in die Gegend brachten. Viele dieser Häuser wurden jüngst renoviert und restauriert. Da die deutschen Siedler bereits kurz nach ihrer Ankunft Marktlücken entdeckten, um ihre wirtschaftliche Existenz auf Dauer abzusichern, konnte die Gemeinde auch langfristig gedeihen. So organisierten die Templer lange Zeit die Kutschentransportdienste rund um die Stadt.

Haifa ist eine Stadt der Kunst, Kultur und Wissenschaft. Sie hat eine Universität, eine Technische Hochschule und viele Museen. Sehenswert sind in der Innenstadt das Künstlerhaus Chagall (ein kleines Museum mit wechselnden Ausstellungen), das Atelier und Museum des ukrainischstämmigen israelischen Künstlers Emmanuel Mané-Katz (1894 bis 1962), das mehrfach ausgezeichnete Tikotin-Museum für Japanische Kunst (das einzige seiner Art im Nahen Osten), der Skulpturengarten mit Werken der Künstlerin und Bildhauerin Ursula Malbin, das Dago-Silo-Museum (ein alter riesengroßer Getreidesilo mit angeschlossenem Getreidemuseum mit archäologischen Fundobjekten zur frühen Getreideverarbeitung), das Museum für Vor- und Frühgeschichte mit archäologischen Funden aus der Region, das israelische Eisenbahnmuseum, das israelische Museum für Wissenschaft, Technik und Raumfahrt, das Flotten- und Einwanderungsmuseum, das Museum für Musik und Völkerkunde sowie das Neue Haifa-Museum mit Artefakten jüdischer, muslimischer, antiker und moderner israelischer Kunst.


Video zum Ursula Malbin Park in Haifa - © STERN TOURS

Das Bahai-Weltzentrum: Der Schrein der Bab und der Persische Garten

Haifa ist Sitz des Weltzentrums der Bahai-Religion. Eine auffällige und weithin sichtbare Landmarke in Haifa ist der große, stufenartig angelegte persische Garten am Berg Karmel mit dem weiß-goldenem Schrein des Bab. Die gesamte Parkanlage gilt als schönste in ganz Israel. Der Schrein thront förmlich über der Stadt. Die „hängenden“ Gärten wurden in aufeinander folgenden Terrassen angelegt. Neun Terrassen liegen unterhalb des Schreins des Bab, neun oberhalb. Bäume, Blumen und Gräser stammen aus verschiedenen Teilen der Welt. Alle Gartenabschnitte sind liebevoll und bis ins Detail geplant und angelegt. Wegen ihrer Schönheit und Bedeutung wurde die gesamte Anlage 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Der Schrein des Bab ist ein Mausoleum. Hier werden die Gebeine des Bab aufbewahrt. Bab ist der Titel eines Persers namens Seyyed Ali Muhammad Schirazi (1819 bis 1850). Er hatte im Iran eine Religionsbewegung geschaffen, die sich zunächst als Erneuerung des Islam verstand. Diese Bewegung wird mit Bezug auf seinen Titel Babismus genannt. Aus dieser Glaubensbewegung hat sich die Bahai-Religion entwickelt, die sich unter dem ebenfalls aus Persien stammenden Baha’ullah (eigentlicher Name: Mirza Husain Ali Nuri, 1817 bis 1892) zu einer eigenständigen Religion entwickelt hat. Die Bahai-Religion hat heute weltweit bis zu acht Millionen Mitglieder. Im Ursprungsland Iran werden sie verfolgt. Das Bahaitum versteht sich als universelle monotheistische Religion, die die jüdischen Propheten wie Abraham und Moses, aber auch Zarathustra, Krishna, Buddha, Jesus Christus und den Propheten Mohammed in ihre Verehrung einschließt. Bab und Baha’ullah sind in dieser Reihefolge die jüngsten „Propheten“ bzw. irdischen Vermittler der göttlichen Botschaft. Gott selbst wird transzendent gedacht, der sich in allen Lebensformen manifestiert. Im Glaubensalltag wird Wert auf ausgewogene soziale Tugenden, Maßhaltung und Selbstzurücknahme gelegt. Rituale sind untergeordnet, die Spiritualität des Gläubigen steht im Vordergrund.

Zur großen Anlage gehört das Haus der Gerechtigkeit. Es handelt sich um ein großes weißes Gebäude mit Säulenumgang im antiken Stil. Hier residiert das höchste internationale Gremium der Bahai-Religion, eine Art Ratsversammlung von neun hohen Geistlichen, die auf fünf Jahre gewählt werden.

Ein weiteres wichtiges Gebäude ist das internationale Lehrzentrum, das optisch an das Weiße Haus in Washington erinnert. Ins Auge fällt ein weiteres Gebäude: das internationale Archiv der Bahai, dessen Architektur der Akropolis in Athen nachempfunden wurde.

Wichtige Informationen zum Bahai-Weltzentrum und zu den Gärten sowie den aktuell gültigen Besichtigungszeiten gibt es auf der offiziellen Internetseite www.ganbahai.org.il/en/.

Ein weiteres wichtiges Gebäude der Bahai-Religion ist der Schrein des Baha’ullahs, der sich allerdings in Akko befindet.

Karmeliterkloster

An einem Hang am Kap Karmel, in der Nähe des Leuchtturms Stella Maris – Stern des Meeres – steht das Karmeliterkloster. Das Kloster gehört dem römisch-katholischen Orden der Brüder der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel. Er wurde ursprünglich zur Zeit der Kreuzfahrer direkt am Berg Karmel gegründet. Die heutige Anlage mitsamt Klosterkirche wurde im 19. Jahrhundert errichtet. Die Bauarbeiten dauerten von 1827 bis 1867. Das Kloster ist neben der Jungfrau Maria auch den Propheten Elias (Elija) und Elischa (Elisa) geweiht. Diese Weihung nimmt Bezug auf eine Höhle am Berg Karmel, in welcher der Prophet Elias seine Jünger unterrichtet haben soll.

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg