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Golda Meir

Sie war eine der bedeutendsten politischen Persönlichkeiten im jungen Staate Israel: Golda Meir (1898-1978). Als Außenministerin und Premierministerin Israels war sie auch der europäischen und amerikanischen Öffentlichkeit gut bekannt. Sie war bisher die einzige Frau an der Spitze der israelischen Regierung. Geboren wurde sie 1898 im ukrainischen Kiew. Ihr Mädchenname war Golda Mabovitch. Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und erlebte die Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung in ihrem eigenen Umfeld. Um für sich und seine Familie eine bessere Zukunft zu eröffnen, wanderte ihr Vater, Zimmermann von Beruf, nach Amerika aus. Später holte er seine Frau und Kinder nach. Ihre Schulzeit verbrachte Golda in Milwaukee. Bereits als Teenager musste sie nebenbei arbeiten und engagierte sich politisch. Früh wurde sie mit den Ideen des Zionismus vertraut und schloss sich zionistischen Jugendbewegungen an. In Milwaukee besuchte sie eine pädagogische Hochschule, um Lehrerin zu werden. Angetan von sozialistischen Ideen der zionistischen Arbeiterbewegung, wanderte sie 1921 mit ihrem Mann nach Palästina aus. Sie lebten im Kibbuz Merhavia in der Jezreel Ebene und arbeitete auf den Feldern. Zu jener Zeit war Palästina noch britisches Mandatsgebiet. Nach drei Jahren im Kibbuz zog sie zuerst nach Tel Aviv, dann nach Jerusalem , um dort politisch aktiv zu werden. Schnell arbeitete sie sich in die Themen und Programme der zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei „Mapai“ ein, zu der auch David Ben-Gurion gehörte, und bekam früh Verantwortung übertragen. 1948 war sie in eine der 24 Unterzeichner der israelischen Unabhängigkeitserklärung. Erster Präsident wurde damals Chaim Weizmann. Golda Meir kam als erste israelische Botschafterin nach Moskau. Hier standen ihr wichtige Aufgaben bevor, denn Hunderttausende von osteuropäischen Juden und Holocaustüberlebende wollten nach Israel auswandern. Ob und wie dies möglich war, hing vom Wohlwollen Joseph Stalins ab, der als Staats- und Parteichef der Sowjetunion der mächtigste Mann in ganz Osteuropa war. 1949 wurde Golda Meir ins israelische Parlament, die Knesset , gewählt. Dort wurde sie zur Ministerin für Arbeit ernannt. Ihr Hauptanliegen als Arbeitsministerin war die Verbesserung der israelischen Infrastruktur, vornehmlich der Ausbau der Straßen und neuer Wohngebiete, und die Integration der in Scharen nach Israel strömenden jüdischen Einwanderer, für die man Arbeit und Unterkunft bereithalten musste. Am 18. Juni 1956 wechselte sie das Ressort und wurde Außenministerin. Als solche hatte sie nur wenige Monate nach Amtsantritt zusammen mit Premierminister David Ben-Gurion eine schwere Krise zu meistern, die beinahe einen Weltkonflikt auslöste. Der ägyptische Präsident Gamal Nasser beschloss am 26. Juli 1956, unter großem Jubel der ägyptischen Bevölkerung, den Suez-Kanal zu verstaatlichen. Dies war eine Trotzreaktion, weil sich die USA und Großbritannien geweigert hatten, den Bau des Assuan-Dammes zu unterstützen. Im Westen löste dies Bestützung aus, weil der Suez-Kanal eine wichtige Handelsroute ist. Frankreich, Großbritannien und Israel koordinierten ihr Vorgehen. Golda Meir, Schimon Peres und Mosche Dayan verhandelten mit der französischen Delegation. Schließlich einigten sie sich auf Krieg mit Ägypten. Ab dem 29. Oktober 1956 rückten israelische Truppen in den Gazastreifen und den Sinai vor. Zwei Tage später begannen die Franzosen und Briten mit massiven Luftangriffen auf Städte im Norden Ägyptens. Zur Überraschung der Angreifer, blieb die internationale Unterstützung aus. Im Gegenteil: Die UNO verurteilte das militärische Vorgehen der drei Staaten. Sogar die USA forderten ein Einhalten der Kampfhandelungen. Die Sowjetunion stand auf Seiten Ägyptens, griff aber in den Konflikt militärisch nicht ein. Allerdings drohte der damalige Staats- und Parteichef Chruschtschow mit großem Krieg gegen Westeuropa, wenn die Aggressoren ihre Kampfhandlungen nicht unverzüglich einstellten und den Status Quo wieder herstellten. Schließlich mussten Großbritannien und Frankreich auf Druck der Sowjetunion, der USA und der UNO ihre Kampfhandlungen einstellen. Israel wurde zum Rückzug aus dem Sinai aufgefordert. Bis zum Frühjahr 1957 hatte Israel seine Truppen komplett aus dem Sinai zurückgezogen. Trotz des Scheiterns der israelischen Politik während der Suez-Krise blieb Golda Meir bis 1966 Außenministerin und bemühte sich auf der internationalen Bühne um Verständnis für Israels Sicherheitslage und Politik. Es waren schließlich gesundheitliche Gründe, die sie dazu bewegten, vom Amt der Außenministerin zu scheiden. Eigentlich zur Ruhe gesetzt, wurde sie 1969 erneut von der Politik eingeholt. Der israelische Premierminister Levi Eshkol war an einem Herzinfarkt gestorben. Für kurze Zeit übernahm Yigal Allon als Interimslösung die Amtsgeschäfte wahr, bis schließlich Golda Meir zur Premierministerin ernannt wurde. Somit war sie erneut auf der internationalen politischen Bühne, empfing Staats- und Regierungschefs aus aller Welt. Wieder war ihre Amtszeit von Krisen geschüttelt. Das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft 1972 in München löste weltweit Erschütterung aus. Golda Meir rief dazu auf, israelische Staatsbürger besser zu schützen und Angriffe auf diese zu verdammen. 1973 wurde sie mit dem nächsten Krieg konfrontiert. Diesmal ging die Initiative von den Ägyptern aus. Der neue Präsident Anwar as-Sadat hatte seine Truppen am 6. Oktober, am jüdischen Feiertag Jom Kippur, israelische Stellungen am Suezkanal angreifen lassen. Der Sinai war nämlich seit dem Sechstagekrieg von 1967 von Israel besetzt. Die Israelis waren überrascht und mussten sich vom Kanalgebiet zurückziehen, konnten aber in einer Gegenoffensive wieder Land zurückgewinnen. Gleichzeitig griffen syrische Truppen an den Golanhöhen an. Golda Meir verordnete die volle Mobilmachung der israelischen Streitkräfte. Obwohl die israelischen Geheimdienste bereits vor dem Angriff feindliche Truppenbewegungen an der syrischen Grenze ausmachten, entschieden sich Golda Meir und ihr Verteidigungsminister Moshe Dayan in Absprache mit dem US-Außenminister Henry Kissinger nicht für einen Erstschlag. Denn das war die eigentliche Strategie Israels, im Falle eines drohenden Angriffes den Angreifer mit einem Erstschlag zuvorkommen und zu überraschen, bevor dieser mit seiner Aktion beginnen kann. Israel baute bei dieser Strategie auf seinen außerordentlichen Geheimdienst. Doch angesichts der aktuellen Situation äußerte Golda Meir Bedenken, dass ein israelischer Erstschlag das Land international isolieren und Israel als Aggressor dastehen würde. Unterschätzt wurde dabei der geplante ägyptische Angriff. Zwar konnte der anfängliche ägyptische Erfolg militärisch noch in ein Patt umgewandelt und ein Waffenstillstand ausgehandelt werden. Doch der Ruf der Unbezwingbarkeit der israelischen Armee hatte Risse bekommen. In der israelischen Öffentlichkeit wurden die Niederlagen des Jom-Kippur-Krieges noch lange diskutiert. Gold Meir musste sich Vorwürfe gefallen lassen, das Land und die Streitkräfte nicht genügend auf einen solchen Vorfall vorbereitet zu haben. Am 11. April 1974 schied sie freiwillig aus dem Amt. Am 8. Dezember 1978 starb sie in Jerusalem an Krebs. Sie wurde auf dem Jerusalemer Friedhof am Herzlberg bestattet, der nach dem Begründer des Zionismus, Theodor Herzl, benannt worden war. Golda Meir hatte in der israelischen und internationalen Öffentlichkeit den Ruf einer unnachgiebigen Verhandlungsführerin. Wegen ihrer konsequenten und verlässlichen Art genoss sie in Israel hohes Ansehen.

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg