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Geschichte und Kultur

Palästina ist seit zweitausend Jahren das Heilige Land der Christenheit. Heute leben auf der Erde mehr als zwei Milliarden Menschen, die sich zum Christentum bekennen. Für all diese Menschen gilt die Region zwischen Jordan und Mittelmeer als jenes Land, in dem Jesus Christus geboren wurde, lebte und wirkte und am Ende seiner Tage ans Kreuz genagelt wurde. Kirchen, Klöster und heilige Stätten zeigen in ganz Israel und Palästina die Präsenz dieser Weltreligion.

Keine Religion hat so viele Anhänger wie das Christentum. Doch im Gegensatz zum Islam, dessen Gläubige durch ihre Gebetsrichtung und Pilgerfahrt einen klaren Bezug nach Mekka kultivieren, hat sich das Christentum von seinem Ursprungsland stärker gelöst. Die christlichen Kirchen und Konfessionen haben ihre eigenen Zentren, wie etwa Rom für die Katholiken oder Moskau für die Russisch-Orthodoxen. Dieser Umstand liegt unter anderem darin begründet, dass das Christentum durch die Ausbreitung des Islams von seinem Ursprung räumlich abgetrennt war. Doch das war nicht immer so.

Auch wenn schon in der Antike Rom und Konstantinopel, auch Syrien und Ägypten, die klerikalen Zentren des Christentums wurden, war bis ins 7. jahrhundert Palästina das Heilige Land der Pilger und Teil der christlichen Weltgemeinschaft. Spätestens vom 3. Jahrhundert an und bis in 7. Jahrhundert hinein war die Mehrheit der Bevölkerung in Palästina christlich. Die Juden waren zur Minderheit im eigenen Lande geworden, denn sie hatten in großer Zahl entweder das Land verlassen ( Diaspora ) oder waren zum Christentum übergetreten. Hinzu waren viele Römer und Griechen, die sich während dieser Zeit in Palästina niederließen, Christen. Dennoch sind Judentum und Christentum gleichermaßen autochthon, denn das Christen war aus dem Judentum hervorgegangen. In den Evangelien des Neuen Testaments werden Jesus und seine Anhänger als gläubige Juden dargestellt. Sie sprachen, wie alle Juden damals, Aramäisch, besuchten den Jerusalem er Tempel und hielten sich an die Gebote ihres Glaubens. Es war vielmehr die frühchristliche Missionstätigkeit in den Ländern des Römischen Reiches, insbesondere jene des Paulus von Tarsus, die einerseits zur Verbreitung der christlichen Lehre im gesamten Mittelmeerraum führte und andererseits einer eigenständigen Entwicklung Raum gab. Denn nun begannen auch Nichtjuden zum Christentum zu wechseln. So wurde aus der jüdischstämmigen Urgemeinde die Urkirche und aus jener eine Weltreligion. Palästina blieb von dieser großräumigen Entwicklung nicht ausgeschlossen. In den ersten drei Jahrhunderten n. Chr. verbreitete sich der neue Glaube insbesondere im östlichen Mittelmeerraum von Ägypten bis Syrien und Anatolien so stark, dass bald die Mehrheit der Menschen in diesen Regionen Christen waren.

Insbesondere in Ägypten verbreitete sich nicht nur die christliche Lehre besonders zügig, sondern es entwickelte sich dort auch eine neue Form der Glaubenspraxis. Die Menschen zogen sich in die Wüste zurück, um sich als Einsiedler oder Mönchsgruppen ganz ihrem Glauben widmen zu können. Das alltägliche Leben wurde auf das Lebensnotwendige reduziert. Gebet und Andacht, Enthaltsamkeit und Genügsamkeit waren die Tugenden. Damit wollte man dem Beispiel Jesu folgen.

Die Idee des Einsiedler- und Mönchtums verbreitete sich von Ägypten aus über den Nahen Osten. Palästina als Heimstätte der Christenheit und Pilgerziel der Gläubigen war nach Ägypten das nächste Land der Mönche und Einsiedler. Die Wüste Juda zwischen der heiligen Stadt Jerusalem, dem Toten Meer und dem Jordan war für diese frühen Christen der ideale Ort der Besinnung. Hier wandelten sie auf den Spuren Jesu, der selbst, so erzählt es die Bibel, vierzig Tage in der Einöde dieser Landschaft verbracht hatte, um mit sich ins Reine zu kommen und den Versuchungen des Lebens in Form der Gestalt des Teufels zu widerstehen. Die Einsamkeit der Wüste als Ort der Einsicht und Selbstfindung hat somit eine bedeutende Tradition, von Moses, der in den Sinai zog und dort am Dornbusch Gottes Wort erhörte, über Jesus, der sich in die Wüste Juda zurückzog, bis hin zum Propheten Mohammed, der sich in einer Höhle in der Wüste verbarg. Die frühen Christen lebten als Mönchsgemeinschaften in Klöstern oder hausten in Höhlen und Einsiedeleien in der Wüste Juda und in der Negevwüste. In den Städten dagegen bildeten sich die ersten größeren Gemeinden mit ihren frühen Kirchenbauten, den Basiliken.

In den ersten drei Jahrhunderten n. Chr. waren die Christen ebenso wie die Juden starken Verfolgungen ausgesetzt. Im Römischen Reich waren viele Menschen von den Göttern der griechisch-römischen Welt abgefallen und suchten nach neuen Inspirationen für ihre Spiritualität. Der Mithras-Kult, der ursprünglich aus Persien kam, die ägyptischen Kulte des Osiris und der Isis sowie viele andere neue Lehren und Religionen konkurrierten mit dem Christentum. Doch kaum eine Religion war zunächst solch starken Anfeindungen ausgesetzt wie das Christentum und Judentum. Der, in den Augen der anderen, große Stein des Anstoßes sowohl der Juden als auch der Christen war der Monotheismus, der strikte Glaube an einen einzigen Gott. Während die polytheistischen Religionen, also die Viel-Götter-Religionen wie die griechisch-römische, neuen Gottheiten gegenüber offen waren und ihr Pantheon ständig erweiterten, weigerten sich die Juden und Christen strikt, anderen Göttern zu huldigen. Für Juden und Christen waren die Götter der anderen lediglich Götzen, die man nicht anbeten darf. Das war neu. Vorher kannte man nur die Unterscheidungen zwischen guten und bösen, mächtigen und weniger mächtigen Göttern. Nun kamen Minderheiten daher, die von falschen Götzen und dem einen wahren Gott sprachen. Hinzu kam der Umstand, dass sich auch der römische Kaiser als Gott anbeten ließ und die Verweigerung dieses Kultes so etwas wie Majestätsbeleidigung war. Mit wachsender Ausbreitung des Christentums nahm auch die Verfolgung der Christen zu. Besonders unter den römischen Kaisern Decius, Valerian und Diokletian arteten die Christenverfolgungen in blutige Massaker aus. Die Verfolgung der Christen und oft grausame Hinrichtung berühmter Gläubiger führte zur Tradition der Märtyreranbetung. Sie gaben das Vorbild, für ihren Glauben den Tod in Kauf zu nehmen.

Mit dem Toleranzedikt von Nikomedia im Jahre 311 brach unter dem römischen Kaiser Galerius eine neue Zeit an. Nun wurden die Christen nicht mehr verfolgt und konnten ungestört ihren Glauben ausüben. Im Jahre 313 wurden in dem Toleranzedikt von Mailand die Rechte der Christen erweitert. Die neuen Religionsfreiheiten erlaubten es den Christen, ihre Feste zu feiern, sich öffentlich zu bekennen und Gotteshäuser zu errichten.

Anfang des 4. Jahrhunderts gab es schon überall im Römischen Reich christliche Gemeinden. Doch in vielen Regionen waren sie noch eine Minderheit. Am stärksten hatten sich die neue Religion in Ägypten, Syrien, Kleinasien, Nordafrika (Tunesien und Kyrenaika) und in Mittelitalien ausgebreitet. Wegen der Toleranzedikte erlebte die Glaubensverbreitung einen neuen Aufschwung. Mit Konstantin I. (Regierungszeit von 306 bis 337) bekannte sich erstmals ein römischer Kaiser offen zum Christentum. Auch wenn er sich erst kurz vor seinem Tode taufen ließ, so förderte er das Christentum. Einen Schritt weiter ging Kaiser Theodosius, der im Jahre 380 das Christentum zur Staatsreligion des Römischen Reiches erklärte. Nun wendete sich das Blatt, und die anderen Religionen mussten um ihre Rechte und Zukunft bangen. In den beiden folgenden Jahrhunderten wurden viele Tempelkulte eingestellt. In Ägypten wurde die altägyptische Religion komplett von der christlichen abgelöst.

Das vierte Jahrhundert markiert somit einen Wendepunkt in der Geschichte Palästinas. Nun war es Teil eines von christlichen Kaisern regierten Weltreiches. Auch wenn die kirchliche Macht nicht im Heiligen Land ihr politisches Zentrum gefunden hatte, so blieb Palästina dennoch das Pilgerziel schlechthin. Die umfangreichen Wallfahrtsbewegungen im 4. bis 6. Jahrhundert veranlassten die Herrscher, den Bau von Kirchen und Klöstern im Heiligen Land zu fördern. Jerusalem war offiziell zur heiligen Stadt geworden.

Die Blütezeit des Christentums in Palästina dauerte etwa drei Jahrhunderte. Dann kamen zwei Ereignisse, die diese Entwicklung beendeten. Das Römische Reich und in dessen Nachfolge das Oströmische Reich (bzw. Byzantinische Reich) hatten über Jahrhunderte einen großen Rivalen an der Ostgrenze. Das waren zunächst die Parther, dann die Sasaniden. Die Sasaniden waren eine persische Herrscherdynastie, die im Mittleren Osten ein riesiges Reich erobert hatte. Mittlerweile waren die (ost)römisch-persischen Kriege schon zu einem andauernden Konflikt herangewachsen. Als der Osten des Reiches wieder zur offenen Front geworden war, eroberte im Jahre 614 der persische Großkönig Chrosrau II. Palästina. Jerusalem wurde eingenommen und die Reliquie des Heiligen Kreuzes verschleppt. Die Eroberung des Heiligen Landes durch die heidnischen Perser war ein Schock für das christliche Oströmische Reich, ja für die gesamte Christenheit. Doch die palästinischen Juden, die sich von der christlichen Vorherrschaft unterdrückt fühlten, begrüßten die Perser. Während der Eroberung soll es blutige Ausschreitungen zwischen Juden und Christen gegeben haben. Die persische Herrschaft hielt bis 629. Nach mehreren militärischen Siegen konnte das Oströmische Reich Syrien und Palästina wieder für sich beanspruchen. Doch nur wenige Jahre später kam der zweite Schock. Von der arabischen Halbinsel breitete sich eine neue Religion aus, der Islam. Die Araber eroberten 637 Jerusalem und weite Teile Palästinas und Syriens. Mit der arabischen Eroberung und der Ausbreitung des Islam endete die Blütezeit des Christentums in Palästina. Schon unter den Persern wurden viele Kirchen und Klöster zerstört und verwüstet. Unter der neuen Herrschaft der arabischen Kalifen war nun der Islam die bevorzugte Religion. Statt Kirchen wurden Moscheen gebaut. Auf dem Tempelberg wurden die Al-Aqsa-Moschee und der Felsendom errichtet. Dem Abendland schien es, als sei das Heilige Land auf immer verloren. Die Zahl der Christen in Palästina nahm rasch ab.

Eine zweite kurze Blütezeit erlebte das Christentum unter den Kreuzfahrerstaaten. 1099 eroberten die Kreuzritter Jerusalem. Sie gründeten mehrere christliche Staaten in der Levante. Das Lateinische Königreich von Jerusalem war der bedeutendste. Nun wurden wieder Kirchen errichtet und Moscheen in christliche Gebetshäuser umgebaut. Die Kreuzfahrer errichteten ein christliches Patriarchat in Jerusalem. Ritterorden organisierten sich zum Schutz der christlichen Pilger. Doch die ständigen Konflikte zischen den Kreuzfahrerstaaten und den muslimischen Nachbarreichen zerrten an der Kraft dieser neuen Staatsgebilde. Sultan Saladin, der Ägypten und Syrien beherrschte, konnte im Jahre 1187 das Heer der Kreuzritter vernichtend schlagen und Jerusalem zurückerobern. Trotz zahlreicher Rückeroberungsversuche konnten die Kreuzfahrer ihre Macht in Palästina nicht mehr festigen und erweitern. Im Jahre 1291 wurden bei Akko die letzten Kreuzritter von den ägyptischen Mamluken aus dem Heiligen Land vertrieben. Die Zeit der Kreuzfahrerstaaten führte zu einem starken kulturellem Austausch zwischen christlichem Okzident und islamischem Orient, der die Entwicklung Europas beeinflusste. Doch eine dauerhafte Wiederbelebung des christlichen Lebens in Palästina war nicht erreicht. Hinzu kam der unglückliche Umstand, dass die Kreuzritter sich insbesondere bei der Eroberung Jerusalems sehr brutal und blutrünstig gegenüber Nichtchristen verhielten und demzufolge im Orient den Ruf unzivilisierter Barbaren erwarben.

Vom Spätmittelalter bis heute bis zum heutigen Tage blieben die Christen eine Minderheit im Heiligen Land. Die wenigen Klöster, die sich temporär halten konnten, wurden von auswärts, etwa von der griechisch-orthodoxen Kirche unterstützt. Für den Erhalt der katholischen Heiligtümer setzten sich insbesondere die Franziskaner ein. Im Laufe des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wuchs unter dem kolonialen Einfluss der Europäer die Zahl der Klöster und Kirchen in Palästina. Zunächst durch die diplomatische Annäherung des Osmanischen Reiches an Europa und anschließend durch die Schutzmacht Großbritannien war genügend Sicherheit für umfangreiche Investitionen in neue Kirchenbauten und Klosteranlagen im Heiligen Land gewährleistet. Alle großen christlichen Konfessionen wollten im Heiligen Land vertreten sein.

Heute ist die christliche Minderheit in Israel offiziell mit 17 Konfessionen vertreten. Das kulturelle und spirituelle Zentrum aller Kirchen ist Jerusalem. Die lateinische Kirche ist seit 1847 wieder mit einem Patriarchat in Jerusalem vertreten. Die ägyptischen Kopten haben seit 1899 ein Patriarchat in Jerusalem. Durch zahlreiche Kirchenbauten in Palästina sind seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die protestantischen Kirchen, wie die Lutheraner, Baptisten und Anglikaner, vertreten. Sie können sich auf die Unterstützung reicher westlicher Länder in Europa und Nordamerika verlassen. Ein besonderes Gewicht unter den Christen Jerusalems hat die mitgliederstarke griechisch-orthodoxe Gemeinde. Die Äthiopische Kirche ist mit einem Bischof vertreten. Ebenfalls stark präsent sind die Armenier und Maroniten.

Heute wie damals sind die christlichen Feste die Höhepunkte der Pilgerfahrt ins Heiligen Land. Die Sicherheit der Pilger aus aller Welt ist in Israel gewährleistet. Die meisten heutigen Pilger kommen aus Europa und den USA. Wichtige Pilgerfeste sind neben Weihnachten und Ostern die Feste Pfingsten, Mariae Himmelfahrt und Christi Himmelfahrt.

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg