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Geschichte des Heiligen Landes

Die Geschichte der Region Palästina in der südlichen Levante am östlichen Mittelmeer ist die Geschichte vieler Stämme und Völker, die im Verlauf der Jahrtausende dort siedelten und mit ihrer Kultur und Religion die Entwicklung des Landes prägten. Die Überlieferungstraditionen der drei großen Weltreligionen – Christentum, Islam und Judentum – erzählen jeweils ihre eigene Version der Geschichte des Heiligen Landes. Nicht alle Details der Überlieferungen decken sich mit den Erkenntnissen, welche die Wissenschaftler aus den historischen Quellen und archäologischen Befunden ziehen. Wo es möglich ist, wird in den folgenden Ausführungen der historisch-wissenschaftlichen Perspektive der Vorzug geben.

Wir werden von Palästina reden, wenn allgemein von der Region die Rede ist, und von Israel, wenn explizit entweder der moderne Staat gemeint ist oder das gleichnamige antike Königreich.
 
Bereits in der Altsteinzeit (Paläolithikum, ca. 700.000 – 16.000 v. Chr.) ziehen erste Jäger und Sammler durch die Levante. Ihre Aufenthalte lassen sich an den Spuren, Steinwerkzeugen und Knochenfunden verschiedener Lagerplätze und in den Höhlen in der Region des Karmelgebirges nachweisen. In der mittleren Altsteinzeit leben zwei Gruppen von Hominiden nebeneinander: Neanderthaler und Homo Sapiens (Cro-Magnon). Für die Mittleren Steinzeit (Mesolithikum, ca. 16.000 – 8.000 v. Chr.) lassen sich an einigen Fundplätzen in Syrien und Palästina die ersten Versuche der Nahrungsmittelproduktion und sesshaften Lebensweise nachweisen. In der Jungsteinzeit und Kupfersteinzeit (Neolithikum, ca. 8000 – 4000 v. Chr., Chalkolithikum, ca. 4000 – 3200 v. Chr.) vollzieht sich der Übergang von der Lebensweise der Jäger und Sammler zum Ackerbau und zur Viehzucht. Es entstehen erste große Siedlungen, Kultanlagen und Befestigungsbauten. Während der frühen Bronzezeit nimmt die Anzahl der dörflichen Siedlungen zu und es bilden sich die ersten Städte mit urbaner Architektur, Palästen, Vorratsgebäuden, Tempelbauten sowie massiven Befestigungsanlagen und Stadtmauer n heraus. Es bestehen Handelskontakte nach Ägypten und ins Zweistromland. Zwischen 2200 und 2000 v. Chr. nimmt die urbane Besiedlung des Landes dramatisch ab. Es werden kaum nennenswerte Siedlungen gegründet. Stattdessen wird das Land verstärkt von Nomadengruppen durchstreift. Im 2. Jahrtausend v. Chr. blüht die Stadtentwicklung in Kanaan wieder auf. Zuerst steht Palästina unter ägyptischen Einfluss. Zum Ende der Mittleren Bronzezeit breitet sich ein Kulturkontinuum aus, das von Syrien über Palästina bis nach Nordägypten reicht. In Ägypten wird dies als Fremdherrschaft der Hyksos (Herrscher der Fremdländer) wahrgenommen. Nach Vertreibung der Hyksos aus Ägypten kommt Palästina unter den Einfluss der Pharaonen. Zahlreiche ägyptische Feldzüge führen zur wiederholten Eroberung kanaanitischer Städte, die immer wieder tributpflichtig gemacht werden. Dennoch blüht weiterhin eine urbane Kultur der Handel treibenden Stadtstaaten, die sich oft gegenseitig bekriegen. Zu Beginn der Eisenzeit dringen indogermanische Stämme im Zuge der mediterranen Seevölkerbewegungen in die südliche Levante ein, darunter die Philister, auf die der Landesname Palästina zurückgeht. Zeitgleich lassen sich semitische Stämme in den Regionen des Binnenlandes nieder. Einige Stämme vereinigen sich und erobern benachbarte Stammesgebiete. Hieraus entwickelt sich das Königreich Israel, dem für die Herrschaft der Könige David und Salomo eine besondere Blütezeit zugeschrieben wird. Ab 926 v. Chr. spaltet sich das Land in ein Südreich Juda und ein Nordreich Israel. Beide Reiche werden wiederholt Opfer militärischer Feldzüge seitens der Assyrer und Babylonier. Zahlreiche Städte werden zerstört. Wiederholt kommt es zu Deportationen jüdischer Bevölkerungsgruppen und schließlich zur Zerstörung Jerusalem s und zum Beginn des babylonischen Exils der gesellschaftlichen Elite Judas. Der persische König Kyros der Große erobert Mesopotamien, Syrien und Palästina. Die Exilanten der Babylonischen Gefangenschaft dürfen in ihre Heimat zurückkehren. Auch der Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels wird ermöglicht. Auf seinem Weg bei der Eroberung des Perserreiches zieht Alexander der Große auch durch Palästina. Nach Zusammenbruch des Alexanderreiches gerät Palästina abwechselnd in die Hände verschiedener Diadochenstaaten: dem Reich der Ptolemäer in Ägypten und dem Reich der Seleukiden in Syrien und Mesopotamien. Die Kultur des Nahen Ostens wird durch den griechischen Einfluss stark hellenisiert. Mit Judas Makkabäus erkämpft sich eine jüdische Freiheitsbewegung einen zeitweise unabhängigen Staat. Unter der Dynastie der Hasmonäer, die das Amt des Königs und Hohenpriesters vereinigen, werden große Teil Palästinas erobert. Das Verhältnis zum Seleukidenreich schwankt zwischen Autonomie und Teilsouveränität. Nach den Feldzügen des Pompejus wird Palästina zunächst indirekt über Vasallenkönige beherrscht, dann, unter Kaiser Augustus, ab 6. n. Chr. direkt von römischen Präfekten als Provinz verwaltet. Es kommt zu heftigen Aufständen gegen die römische Herrschaft. Während der byzantinischen Herrschaft wird das Christentum im Lande gefördert. Zahlreiche Klostergründungen, Kirchenbauten, Pilgerströme gläubiger Christen, ein reger Handel und friedliche politische Verhältnisse prägen die Epoche. Die Juden bilden bereits die Minderheit im Land. 529 kommt es zu einem Aufstand der Samariter, und 614 bis 627 besetzen die Perser Palästina. Die neue Religion des Islam verbreitet sich zügig mit der kriegerischen Expansion der Araber unter den ersten Kalifen, die alsbald mit den anderen Großmächten Byzanz und Persien aneinander geraten. Palästina wird in den Jahren 636 bis 639 erobert. 638 fällt Jerusalem. Papst Urban II. ruft 1095 zum Kreuzzug gegen die Heiden im Heiligen Lande auf. Bereits 1099 kann das erste Kreuzfahrerheer Jerusalem erobern. Es kommt zur Gründung christlicher Kreuzfahrerstaaten nach europäischem Feudalmuster. Zahlreiche Kreuzzüge und Kriege mit den muslimischen Staaten der Region verheeren die Region. 1291 endet mit dem Fall Akko s die Kreuzfahrerzeit. Im 13. Jahrhundert dringen von Ägypten aus die muslimischen Mamelucken nach Palästina vor und vertreiben die Kreuzfahrer. Das Land wird verwüstet und die Bevölkerungszahl nimmt ab. Der türkische Sultan Selim I. besiegt 1516 bei Aleppo das Heer der Mamelucken. 1517 wird Jerusalem erobert. Palästina wird zusammen mit Syrien Provinz des Osmanischen Reiches. Das Land bleibt gering besiedelt.
  • Britische Mandatszeit (1917 – 1948)
Aufgrund eines französisch-britischen Abkommens von 1916 und der britischen Besetzung Palästinas 1917/18 sowie des zeitgleichen Zusammenbruchs des Osmanischen Reiches wird das Land unter britische Militärverwaltung gestellt und 1922 durch den Völkerbund zum britischen Mandatsgebiet erklärt. Mit der Balfour-Erklärung von 1917 bekundet die Regierung Großbritanniens ihre Bereitschaft, langfristig der jüdischen Bevölkerung ein neues Heimatland in Palästina zu ermöglichen. Unter dem Druck der zunehmenden jüdischen Einwanderung, insbesondere ab 1933, kommt es zu militanten jüdisch-arabischen Konflikten sowie zu Aufständen und Gewaltakten gegen die britische Mandatsmacht. 1947 kommt es zu einem Teilungsplan der UNO, um den Weg für ein jüdisches Israel und ein arabisches Palästina frei zu machen.
  • Der moderne Staat Israel (1948 bis heute)
Am 14. Mai 1948 wird der moderne Staat Israel proklamiert. Das Staatswesen ist als Demokratie entworfen, mit der Knesset als Parlament. Unmittelbar folgt der Angriff der Arabischen Liga, die eine Gründung des jüdischen Staates verhindern will. Trotz UNO-Vermittlungsversuchen beginnt der erste Israelisch-Arabische Krieg, der zur Flucht großer arabischer Bevölkerungsteile aus Palästina führt und 1949 mit einem Waffenstillstandabkommen vorerst beendet werden kann. Die Staatsgründung hat einen weiteren Zustrom jüdischer Einwanderer zur Folge. Hebräisch wird als Umgangssprache wiederbelebt und schließlich zur neuen Nationalsprache (Iwrith) erklärt. 1956, 1967 und 1973 kommt es zu erneuten Kriegen mit den arabischen Nachbarländern. Die folgenden Jahre sind sowohl durch Friedensbemühungen (z.B. Friedensvertrag mit Ägypten 1979, Friedensvertrag mit Jordanien 1994) als auch durch militärisches Ausgreifen (z.B. Besetzung der Golan-Höhen 1981, Besetzung des Süd-Libanon 1982) geprägt. Israel hat einerseits die Entwicklung zu einem modernen Staat mit einer erfolgreichen Wirtschaft durchgemacht, andererseits ist das Land von zahlreichen Sicherheitskrisen und der Palästinenser-Problematik bewegt.

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg