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Der junge Staat Israel Teil2

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Der Jom-Kippur-Krieg (1973)

Von der herben Niederlage gegen die Israelis im Sechstagekrieg hat sich der ägyptische Staatspräsident Gamal Abdel Nasser nie erholt. Sein Nachfolger Anwar as-Sadat sah es als wichtigstes politische Ziel an, den Sinai wieder für Ägypten zurück zu gewinnen. Dies konnte er allerdings nur aus der Position der Stärke. Doch nach den militärischen Niederlagen der Araber von 1948, 1956 und 1967 galt die israelische Armee als unbezwingbar. Also war man auf List und geschickte Taktik angewiesen. Der Angriff der ägyptischen Truppen war über lange Zeit geplant und vorbereitet worden. Wegen der strengen Geheimhaltung wussten nur wenige Militärs vom Gesamtkonzept des Angriffsplans. Zunächst ließen die Ägypter ihre Truppen in der Kanalregion zusammenziehen. Die Israelis registrierten dies, erkannten aber noch keine Gefahr. Dann veranstalteten die Ägypter zahlreiche militärische Übungsmanöver, die bei den Israelis mehrfach falschen Alarm auslösten. Mit der Zeit breitete sich die Stimmung aus, das ägyptische Säbelrasseln sei nur Bluff. Doch am 6. Oktober 1973 griffen die ägyptischen Truppen tatsächlich an. Unter dem Feuerschutz der Artillerie überquerten die ägyptischen Truppen an fünf Stellen den Suezkanal und durchbrachen die israelischen Linien. Damit war diesmal der Überraschungseffekt auf Seiten der Ägypter. An der syrischen Grenze rückten arabische Truppen auf die Golanhöhen vor. Die israelische Seite war zunächst überrumpelt und konnte erst nach fast einer Woche zu einem effektiven Gegenangriff übergehen. Insgesamt dauerten die Kampfhandlungen bis zum 25. Oktober 1973 und konnten erst nach Vermittlungsbemühungen der UNO gestoppt werden. Am Ende des Krieges waren die Frontverläufe derart ineinander verzahnt, dass ein Truppenentflechtungsabkommen vereinbart werden musste. Obwohl im weiteren Verlauf des Krieges die israelischen Truppen wieder die Initiative und Oberhand gewinnen konnten, war der Schock für die israelische Bevölkerung groß. Der Regierung wurde vorgeworfen, sich fahrlässig auf den alten Siegen ausgeruht und die Gefahren eines Überraschungsangriffs nicht beachtet zu haben. Die Ministerpräsidentin Golda Meir musste daraufhin von ihrem Amt zurücktreten. Die ägyptische Regierung konnte ihr militärisches Vorgehen der eigenen Bevölkerung als Sieg verkaufen, obwohl klar war, dass die Israelis nach Überwindung der Schrecken der ersten Tage wieder die Oberhand über das Kriegsgeschehen zurückgewinnen konnten. Anwar as-Sadat hatte sein politisches Ziel erreicht und konnte von nun an mit den Israelis auf einer Augenhöhe verhandeln. Diese Ausgangssituation war Beginn des Friedensprozesses zwischen Israel und Ägypten.

Der Friedensprozess zwischen Israel und Ägypten (1974-1980)

Das Truppenentflechtungsabkommen von 1974 war der Anfang einer diplomatischen Entwicklung, die zum Frieden zwischen Ägypten und Israel führte. Der ägyptische Präsident Sadat hoffte, die Rückgabe des Sinai an Ägypten zu erwirken. Israel war an außenpolitischer Stabilität und Sicherheit interessiert. Ein erster Höhepunkt der diplomatischen Entwicklung war 1977 der Besuch Sadats in Jerusalem mit seiner Rede in der Knesset . Damit war er der erste arabische Staatschef, dem diese Ehre zuteil wurde. Unter der Vermittlung des US-amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter fanden schwierige Verhandlungen zum Friedensprozess im Nahen Osten statt, die schließlich am 17. Dezember im Abkommen von Camp David mündeten. Der amerikanische Präsident Jimmy Carter, der ägyptische Präsident Anwar as-Sadat und der israelische Ministerpräsidenten Menachem Begin unterzeichneten ein Schriftstück, das als Grundlage für den kommenden Friedensvertrag dienen sollte. Am 26. März 1976 unterzeichneten Begin, Sadat und Carter schließlich den endgültigen Friedensvertrag. 1980 wurden Botschaften in beiden Ländern eingerichtet, um die diplomatischen Beziehungen dauerhaft zu pflegen. Israel gab die Sinaihalbinsel an Ägypten zurück. Bis 1982 hatten die letzten israelischen Truppen den Sinai verlassen. Der Friedensprozess wurde in Israel und der westlichen Welt begrüßt. In Ägypten feierte man die Rückgabe der Sinaihalbinsel. Doch in weiten Teilen der arabischen Welt und auch in Teilen der ägyptischen Bevölkerung wurde Sadats Friedenspolitik als Verrat angesehen. Bis heute ist der ägyptische Friedensvertrag mit Israel beiderseits eingehalten worden. Er ist die Voraussetzung für die amerikanische Militärhilfe an Ägypten und eine große Entlastung Israels, das sich auf die Sicherheit der anderen Grenzen konzentrieren kann.

Das moderne Israel und der andauernde Nahostkonflikt (1980 bis heute)

Während sich die Beziehungen Israels zu Ägypten sich besserten, lodert der Nahostkonflikt zwischen Israelis und Palästinensern weiter. 1980 erklärte das israelische Parlament Jerusalem offiziell zur Hauptstadt. Diese Erklärung wurde in der arabischen Welt unter Empörung zur Kenntnis genommen. Die Aussichtslosigkeit der Palästinenser insbesondere in den Flüchtlingslagern der an Israel grenzenden Staaten sowie im Gazastreifen und auf der Westbank führte zur Radikalisierung und Militarisierung. Innerhalb der PLO („Palestine Liberation Organization“) entstanden Gruppierungen mit paramilitärischen Milizen, die für einen gewaltsamen Widerstand gegen Israel standen. Die Flüchtlingslager außerhalb des von Israel kontrollierten Gebietes waren das ideale Milieu, in dem solche Gruppierungen wuchsen. Im Libanon herrschte seit 1975 ein brutaler Bürgerkrieg, der zur Auflösung zentralstaatlicher Organisation führte. So entstanden Freiräume für die PLO, vom Libanon aus Angriffe auf israelisches Gebiet auszuführen. Dazu gehörte insbesondere der Beschuss von israelischen Siedlungen mit Raketen. Im Juni 1982 zog Israel die Konsequenzen und marschierte mit eigenen Truppen in Teile des südlichen Libanon ein. Die israelische Armee zog anschließend bis nach Beirut und zerstörte wichtige Basen der PLO. Die palästinensischen Flüchtlingslager wurden eingekesselt und abgeschirmt. Da auch Syrien in den libanesischen Bürgerkrieg verwickelt war, kam es zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen syrischen und israelischen Kampfeinheiten. Die PLO zog daraufhin ihr Hauptquartier aus dem Libanon ab und richtete es in Tunis ein, weitab und geschützt vor einem Übergriff Israels. Internationale Empörung löste ein Massaker aus, das unter den Augen der Israelis von libanesisch-maronitischen Milizen in den palästinensischen Flüchtlingslagern begangen wurde. Israels militärische Operation im Libanon dauerte bis September 1982. Ein weiteres ungelöstes Dauerproblem im Nahostkonflikt ist die israelische Siedlungspolitik im Westjordanland. Die palästinensischen Araber auf der Westbank fürchten um ihre restlichen Siedlungsgebiete. Im Jahre 1987 kam es deshalb zu erneuten Aufständen. Diese neuen Aufstände werden „Intifada“ genannt. Die Bedeutung „Kampf der Steine“ umschreibt den Widerstand des einfachen Volkes und insbesondere von Jugendlichen, Schülern und Studenten, die israelische Truppen und Sicherheitseinheiten mit Steinen bewerfen. Zu den Formen des Widerstands gehören auch Streiks und Demonstrationen. Heftiger als die demonstrierenden Studenten gingen die Mitglieder der Hamas, einer gewaltbereiten Unterorganisation der PLO vor. Auf ihr Konto gehen zahlreiche terroristische Selbstmordanschläge. Am 13. September 1993 wurde mit dem Gaza- Jericho -Abkommen der Friedenskurs fortgesetzt. Der PLO-Chef Jassir Arafat, der israelische Premierminister Yitzhak Rabin und der amerikanische Präsident Bill Clinten vereinbarten in diesem Abkommen weitere Autonomie für die Palästinenser im Gaza-Streifen und im Westjordanland. Doch radikal-nationalistische jüdische Gruppen und die radikalen palästinensischen Hamas reagierten mit Empörung. Den einen ging das Abkommen zu weit, den anderen nicht weit genug. Es kam zu weiteren Anschlägen. Radikale Islamisten verübten Selbstmordanschläge an öffentlichen Orten und rissen zahlreiche Menschen in den Tod. Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Autonomie der Palästinenser war das Abkommen vom 4. Mai 1994. Gaza und Jericho erhielten fast vollständige Autonomie. Im selben Jahr wurde das Abkommen von Oslo unterzeichnet, in dem Details zur vorübergehenden fünfjährigen Selbstverwaltung der Palästinenser geregelt sind. Für diese Entwicklung wurden Arafat, Rabin und der damalige Außenminister Peres noch im selben Jahr mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Ebenfalls im Jahr 1994 schloss Israel einen Friedensvertrag mit Jordanien. Damit war der seit Jahrzehnten andauernde Kriegszustand nun auch offiziell beendet und neben Ägypten ein weiterer Grenzabschnitt gesichert. Schließlich folgte im September 1995 das zweite Abkommen von Oslo, um die Autonomierechte der Palästinenser weiter auszudehnen. Die Wut radikaler israelischer Nationalisten über diese Entwicklung entlud sich bei einem Anschlag auf den Premierminister Yitzhak Rabin am 4. November 1995. Rabin starb noch am selben Tag an den Folgen der Schüsse. Der Anschlag wurde international mit großer Bestürzung zur Kenntnis genommen. Der Attentäter wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Vergleiche mit dem Anschlag auf den ägyptischen Präsidenten Sadat wurden laut. Sadat war wegen des Friedensvertrages mit Israel 1981 von Attentätern in Kairo erschossen worden. Bei den ersten freien Wahlen zur Autonomiebehörde wurde 1996 Jassir Arafat zu ihrem Präsidenten gewählt. Er behielt dieses Amt bis kurz vor seinem Tode im Jahre 2004. Nach der Jahrtausendwende setzte sich der Friedensprozess unvermindert fort, wurde jedoch immer wieder von Terroranschlägen und Vergeltungsaktionen unterbrochen. Besonders aus dem Gazastreifen und aus dem südlichen Libanon wurde Israel in unregelmäßigen Abständen mit Raketen beschossen. Größtes Problem des Friedensprozesses sind die jüdischen Siedlungen im Westjordanland und seit 2003 der Bau einer großen Mauer kreuz und quer durch die Westbank, angeblich um jüdische Siedlungsgebiete vor terroristischen Übergriffen zu schützen. Diese Mauer erinnert viele Menschen an den Kalten Krieg in Europa und die Mauer in Berlin. Außerdem fürchten viele Palästinenser, dass diese Mauer die endgültigen Grenzen markieren wird und die Hoffnung, wenigstens das komplette Westjordanland als Teil Palästinas begreifen zu können, auf immer verloren ist. Neben der arabisch-palästinensischen Bevölkerung im Westjordanland und Gazastreifen gibt es noch eine arabische Minderheit, die als israelische Staatsbürger auf israelischem Staatsgebiet lebt. Trotz ihrer arabischen Identität verstehen sie sich als Bürger Israels. Nicht alle sind Muslime. Viele sind Drusen und Christen. Heute sind etwa zehn Prozent der israelischen Staatsbürger Araber. Auch hier gibt es gelegentlich soziale Spannungen mit der jüdischen Bevölkerungsmehrheit. Auch wenn es im Friedensprozess immer wieder schreckliche Rückschläge gibt, so scheint er dennoch unaufhaltsam voranzugehen. Beide Seiten haben begriffen, dass eine Umkehr unmöglich ist. Und beide Seiten haben in ihren Reihen radikale Außenseiter, die immer wieder den Prozess stören. Letztlich hängt der zukünftige Frieden im Heiligen Land auch von der Lösung der sozialen und demographischen Probleme sowohl in Israel selbst als auch in den palästinensischen Autonomiegebieten ab. Als außenpolitische Gefahr für die Sicherheit Israels werden die jüngsten Entwicklungen des Bürgerkrieges in Syrien, die Revolutionen in Ägypten und die Haltung Irans zum Atomprogramm angesehen. Israel selbst ist längst eine moderne, westliche Industrienation geworden. Die Gesellschaft ist jedoch gespalten in progressiv-säkulare, nationalistisch-konservative und ultra-orthodoxe Milieus, die höchst unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft Israels haben. Welchen Weg das Land in Zukunft einschlägt, bleibt abzuwarten. (Zurück zu Teil I)
Autor dieses Artikels:
M.Hüneburg