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Der junge Staat Israel Teil1

Gründungsphase und erster arabisch-israelischer Krieg (1948-49)

Im Jahre 1947 gaben die Briten endgültig den Weg frei für einen jüdischen Staat auf dem Boden Palästinas. So wurde das Versprechen erfüllt, dass Großbritannien mit der Balfour-Deklaration von 1917 gab. Die Vollversammlung der Vereinen Nationen beschloss 1947 die Teilung Palästinas in einen jüdisches und einen palästinensisches Staatsgebiet. Dabei orientierte man sich an der Verteilung der Bevölkerungsmehrheiten. Dem jüdischen Gebiet wurden die nördlichen Regionen westlich des Sees Genezareth sowie die Küstenlinie von Haifa bis südlich von Tel Aviv und die schwach besiedelte Negevwüste im Süden zugesprochen. Das Kernland Palästinas um Jerusalem bis zum Jordan und der Gazastreifen an der Grenze zu Ägypten wurden den palästinensischen Arabern zugesprochen. Ebenso der nördlichste Küstenstreifen rund um die Hafenstadt Akko . Jerusalem selbst sollte als neutrale Stadt unter Aufsicht der Vereinten Nationen bleiben. Hierbei nahm man auf die unterschiedliche Bevölkerungszusammensetzung in den verschiedenen Jerusalemer Stadtvierteln Rücksicht, die eine Zuordnung der Stadt unmöglich machte. Der Teilungsplan der UNO wurde mit Zweidrittelmehrheit der Mitgliedsstaaten angenommen. Die Mehrzahl der europäischen Länder sowie die Vereinigten Staaten von Amerika stimmten für den Teilungsplan. Die islamischen Staaten und Indien waren dagegen. Großbritannien gehörte zu den Staaten, die sich der Stimme enthielten. Die Mehrheit der jüdischen Siedler in Palästina stimmte dem Plan begeistert zu, denn die Gebietszuweisungen waren großzügiger als beim Teilungsplan der Peel-Kommission von 1937. Nun war der Traum vom eigenen Staatsgebiet zum greifen nahe. Lediglich eine radikale Minderheit forderte mehr Gebietszuspruch. Die Mehrheit der Palästinenser lehnte den Plan ab. Sie wollten unter keinen Umständen einen jüdischen Staat auf dem Boden Palästinas dulden. Bereits unmittelbar nach Verkündung der UNO-Resolution kam es zu Anschlägen, Aufständen und Demonstrationen. Großbritannien legte einen Plan zum Abzug ihrer Truppen vor. Am 14. Mai 1948 sollte das Mandat offiziell enden und der letzte britische Hochkommissar das Land verlassen. Bereits am Nachmittag desselben Tages proklamierte David Ben Gurion vor dem versammelten jüdischen Nationalrat in einem modernen Museumsgebäude in Tel Aviv, unter der Flagge Israels und dem Porträt Theodor Herzl s, feierlich die Unabhängigkeit des neuen Staates Israel. Die Freude unter der jüdischen Bevölkerung war groß. Die USA erklärten noch am selbigen Tag, den neuen Staat anzuerkennen. Noch in der Nacht vom 14. zum 15. Mai reagierten die arabischen Staaten. Jordanien, Libanon, Syrien und Ägypten sowie Saudi-Arabien und der Irak ließen ihre Truppen gegen Israel marschieren. In den palästinensischen Gebieten flackerten die Aufstände wieder auf. Ziel der Attacken war es, die Realisierung des israelischen Staates zu verhindern. Wegen der konfliktreichen Vorgeschichte waren beiden Seiten auf diesen Krieg vorbereitet. Die jüdischen Siedler hatten in den Jahrzehnten zuvor die paramilitärische Streitmacht der Haganah aufgebaut, die nun offiziell zur israelischen Armee wurde. Auch die palästinensischen Araber verfügten über eine paramilitärische Miliztruppe, die sich „Armee des Heiligen Krieges“ nannte. Die Aufrüstung der israelischen Haganah begann schon viele Monate vor der Unabhängigkeitserklärung. Die USA, Frankreich und Großbritannien hatten zuvor bekräftigt, keine Konfliktpartei mit Waffen zu versorgen, um die Gefahr eines Krieges nicht weiter zu schüren. Doch die jüdischen Siedler bekamen Waffenlieferungen sowjetischer Bauart aus der Tschechoslowakei. Im Verlauf des ersten arabisch-israelischen Krieges erwies sich die aus der Haganah entstandene israelische Armee als effizient und schlagkräftig, zur Überrauschung der arabischen Staaten. Statt eines schnellen Sieges, der die Umsetzung des neuen Staates im Keim ersticken sollte, gab es verlustreiche Kämpfe und empfindliche Niederlagen für die Truppen aus den arabischen Nachbarländern. Die israelische Armee ging in die Offensive über und konnte große Gebiete des arabischen Teils von Palästina besetzen. In den Monaten Februar bis Juli 1949 schloss Israel mit seinen arabischen Kontrahenten separate Waffenstillstandsvereinbarungen. Der erste Nahostkrieg hatte die Situation in Palästina verändert. Die palästinensischen Gebiete hatten ihre Chance auf Autonomie verloren. Stattdessen wurden das Westjordanland der Veraltung des Königreichs Jordanien und der Gazastreifen der Kontrolle Ägyptens unterstellt. Die Küstengebiete nördlich von Haifa und Westgaliläa wurden Teil des neuen Staates Israel. Entgegen der internationalen Forderung, Jerusalem unter UNO-Verwaltung zu stellen, wurde die heilige Stadt geteilt. Die Palästinenser waren die großen Verlierer des Konfliktes, der junge Staat Israel der große Gewinner. Somit war die Geburt des neuen Staates auch eine Feuertaufe. Israel war eine politische Realität geworden, mit der sich die arabischen Nachbarstaaten abfinden mussten. Die Gestaltung des neuen Nationalstaates Israel nahm weitere Konturen an. Im Februar 1949 wurde Chaim Weizmann zum ersten Staatspräsident des Landes ernannt. Im Mai desselben Jahres wurde Israel als Mitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen. Die Großmächte USA, Frankreich und die ehemalige Mandatsmacht Großbritannien erkannten den Staat Israel in seinen neuen Grenzen an und gaben sogar eine offizielle Schutzgarantie für Wahrung dieser Grenzen ab. Die arabischen Staaten erkannten die neuen Grenzen Israels dagegen nicht an. Die Staatsgründung und erfolgreiche Verteidigung Israels lockte weitere Ströme jüdischer Migranten ins Land. In den fünfziger Jahren kamen mehr als eine halbe Million Einwanderer. Die Orte Tel Aviv und Haifa entwickelten großstädtischen Charakter. Auf dem Lande wurden weitere Kibbuzim und Genossenschaftssiedlungen gegründet. Der Ausbau der Infrastruktur zur Unterbringung und Versorgung der Einwanderer und der Aufbau einer modernen, schlagkräftigen Armee standen auf der politischen Agenda ganz oben. In den arabischen Teilen Palästinas verschärfte sich die gesellschaftliche Lage durch palästinensische Flüchtlinge. Etwa eine dreiviertel Million Menschen fanden auf der Westbank und im Gazastreifen Zuflucht. Der plötzliche Zustrom von verarmten und besitzlosen Flüchtlingen sorgte für soziale Spannungen. Auch im Kernland von Jordanien wuchs die Zahl der palästinensischen Flüchtlinge. Bis heute ist dieses Problem ungelöst.

Die Suezkrise (1956)

Der zweite israelisch-arabische Konflikt wurde zu einer internationalen Krise inmitten des Kalten Krieges. In Ägypten regierte der panarabische Sozialist Gamal Abdel Nasser. Zu seinen politischen Zielen gehörte die Schaffung eines arabischen Staatenbundes. Bei den westlichen Staaten hatte sich Nasser unbeliebt gemacht. Frankreich war darüber erzürnt, dass Ägypten die algerische Unabhängigkeitsbewegung unterstützte. Israel fühlte sich durch die ägyptisch-syrischen Beziehungen und von Terrorattacken bedroht, die vom Sinai und Gazastreifen ausgingen. Die USA und Großbritannien beobachteten mit Sorge die diplomatische Annäherung Ägyptens an die Sowjetunion. Als Reaktion zogen die USA ihr Finanzierungsangebot für den Assuanstaudamm zurück. Damit war ein wichtiges Prestigeobjekt der ägyptischen Regierung in Gefahr. Gamal Abdel Nasser beschloss daraufhin die Verstaatlichung des Suezkanals. Damit waren die westlichen Staaten, allen voran Großbritannien und Frankreich, alarmiert. Nachdem die diplomatische Bemühungen, Nasser zum Nachgeben zu bewegen, gescheitert waren, entschlossen sich Israel, Frankreich und Großbritannien zu einem koordinierten Militärschlag gegen Ägypten. Als offizielle Reaktion auf Terrorangriffe rückte die israelische Armee ab dem 29. Oktober in den Sinai vor. Frankreich und Großbritannien bombardierten zunächst militärische Ziele, dann ägyptische Küstenstädte und die Städte der Kanalregion. Fallschirmjäger und Geschütze der britischen Kriegschiffe kamen zum Einsatz. Ziel war es, Gamal Abdel Nasser und seine Regierung zu stürzen und eine Umkehr der ägyptischen Politik zu erzwingen. Die ägyptischen Truppen waren zahlenmäßig, technologisch und organisatorisch den Israelis, Franzosen und Briten hoffnungslos unterlegen. Doch die internationale Weltpolitik kam Ägypten zu Hilfe. Für alle Seiten unerwartet traten die USA nicht auf die Seite Israels und Großbritanniens in den Konflikt ein. Die USA befürchteten, die arabischen Staaten endgültig in die Arme der Sowjetunion zu treiben, und brachten die Angelegenheit vor den UN-Sicherheitsrat. Dort konnten die ständigen Mitglieder Großbritannien und Frankreich mit ihren Vetos eine Resolution gegen Israel verhindern. Die Sowjetunion äußerte sich empört über das französisch-britisch-israelische Vorgehen und forderte eine sofortige Beendigung der Kampfhandlungen. Der damalige Staats- und Parteichef der UdSSR, Nikita Chruschtschow, drohte sogar mit nuklearen Militärschlägen gegen Westeuropa. Schließlich mussten Israel, Großbritannien und Frankreich dem Druck der neuen Supermächte USA und UdSSR nachgeben. Die Kampfhandlungen wurden im Dezember 1956 eingestellt. Frankreich und Großbritannien zogen ihre Truppen unmittelbar ab. Das israelische Militär zog sich in Etappen bis März 1957 aus dem Sinai zurück. Die Suezkrise hat historische und weltpolitische Bedeutung erlangt, weil den ehemaligen Kolonialmächten Frankreich und insbesondere Großbritannien das Ende ihrer globalen Weltmachtstellung vor Augen geführt wurde. Ohne Rücksicht auf die neuen Supermächte USA und UdSSR konnte keine Nahostpolitik mehr umgesetzt werden. Ägypten war zwar militärischer Verlierer, konnte sich aber als politische Gewinner von der arabischen Welt feiern lassen. Israel hatte trotz des Rückzugs aus dem Sinai zweierlei gewonnen: der Gazastreifen wurde unter internationale Aufsicht gestellt und der Welt war die Schlagkraft der israelischen Armee demonstriert worden. Beide Aspekte waren Pluspunkte für die Sicherheit des jungen Staates.

Der Sechstagekrieg (1967)

Der Sechstagekrieg wurde von Ägypten provoziert. Präsident Gamal Abdel Nasser ließ die Meerenge, die zum Golf von Akaba führt, sperren. Gleichzeitig zwang er die UN-Sicherheitskräfte, die an der ägyptisch-israelischen Grenze stationiert waren, zum Abzug und verstärkte den Aufmarsch ägyptischer Truppen im Sinai. Israel befürchtete einen Militärschlag aus Ägypten, Syrien und Jordanien. Um nicht von einem plötzlichen Überfall überrascht zu werden, entschloss sich die israelische Führung für einen Erstschlag. Am 5. Juni startete die israelische Luftwaffe mit Überraschungsangriffen auf ägyptische Militärflughäfen. Damit wurde innerhalb kürzester Zeit ein großer Teil der ägyptischen Luftwaffe unbrauchbar gemacht. Dies war für Ägypten ein herber Schlag, da man die eigene Luftwaffe zuvor extra mit sowjetischen Jagdflugzeugen und Bombern aufgerüstet hatte. Dank dieses Erstschlags aus der Luft, hatte Israel von Beginn an die Lufthoheit. Innerhalb von nur vier Tagen konnten die israelischen Bodentruppen durch den Sinai bis zum Suezkanal vordringen. Zusätzlich wurden die syrischen Golanhöhen nordöstlich des Sees Genezareth sowie das Westjordanland besetzt. Sowohl an der ägyptischen wie auch an der syrischen und jordanischen Front waren die arabischen Truppen von Israels schnellem Vorrücken überrumpelt worden. Israel feierte einen grandiosen militärischen Sieg bei nur äußerst geringen Truppenverlusten, während auf der arabischen Seite mehr als dreißigtausend Soldaten ihr Leben ließen. Am 10. und 11. Juni wurden zwischen den Kriegsparteien Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Die Niederlage war für die arabischen Staaten verheerend und demütigend. Israel kontrollierte nun das Westjordanland, den Gazastreifen, die Halbinsel Sinai bis zum Suezkanal und die syrischen Golanhöhen. Der junge Staat war nun unzweifelhaft zu einer regionalen Macht herangewachsen. Weiter zu Teil II
Autor dieses Artikels:
M.Hüneburg