Kulturreisen suchen

Früheste Hinreise

...

Späteste Rückreise

...
(?)

Das Tote Meer

Nur 40 Kilometer östlich von Jerusalem liegt eine einzigartige Naturlandschaft: Umgeben von gewaltigen Felsmassiven und Tafelbergen liegt tief im Wüsten-Tal das dunkelblau glitzernde Tote Meer (hebr. „Yam Hamelah“). Wer an seinen Ufern steht, befindet sich am tiefsten Punkt der Erdoberfläche. „Mittelpunkt der Welt“, nannte es einst der jüdische Schriftsteller Franz Werfel.


Video zum Toten Meer - © STERN TOURS

Sonnenaufgang über dem Toten Meer

Eigentümlich schimmert das Wasser. Meisten tiefblau, manchmal türkis, an anderen Stellen grün. Weiße Salzsäulen ragen hie und da aus dem trägen Nass. Der Salzgehalt ist so hoch, dass man nicht untergehen kann. Ein Salzsee zum im Wasser sitzen. An den Ost- und Westflanken türmen sich die Felsmassive der hohen Tafelberge Hunderte Meter über den See. Nach Süden hin verliert sich der Blick am blauen Horizont. Das Tote Meer ist sicherlich die faszinierendste Landschaft Israels.

Zu Israel und Palästina gehört nur die Westküste des Salzsees. Auf der anderen Seite liegt das Königreich Jordanien. Gespeist wird das Tote Meer vom Jordan und von kleinen Wasserläufen und Wadis aus den Tälern der umliegenden Gebirgswüste. Zurzeit verdunstet mehr Wasser, als durch den Jordan nachkommt. Durch die ernorme Hitze im Sommer wird das Tal zum Backofen. Im Juli und August sind mittägliche Rekordtemperaturen von weit über 40 Grad Celsius keine Seltenheit. Selbst das Wasser kann sommers bis zu 30 Grad Celsius heiß werden. So ist im Laufe der Jahrtausende durch die hitzebedingte Verdunstung der Salzgehalt des Meeres erheblich gestiegen. Einen natürlichen Abfluss hat der Salzsee nicht. Der Salzgehalt schwankt je nach Tiefe, Uferregion und Jahreszeit zwischen 28 und 33 Prozent. Er ist somit fast zehnmal so hoch wie im Mittelmeer. An einigen Küstenabschnitten lagern sich weiße Salzkristalle ab.

Wegen des hohen Salz- und Mineraliengehaltes, insbesondere wegen der hohen Brom-, Magnesium-, Kalium- und Jod-Werte, wird dem Wasser des Toten Meeres eine besondere Heilwirkung zugesprochen. Zusammen mit dem einzigartigen Badespass in einem Wasser, in dem man auch ohne Bewegung nicht untergehen kann, haben die Eigenschaften des Salzsees ihn für den Erholungstourismus interessant gemacht. Kurzentren bieten Behandlungen für alle möglichen Arten von Leiden und Erkrankungen, wie zum Beispiel Rheuma- und Gelenkbeschwerden oder Hauterkrankungen wie zum Beispiel Schuppenflechte an. Thermalbäder mit schwefelhaltigem Wasser ergänzen das breite Heiltourismusangebot. Heilwirkungen verspricht man sich auch von kräftigen Packungen mit dem Schlamm des Seebodens. Zudem sollen das trockene Klima und die salzhaltige Lust positiv bei Bronchialleiden wirken. Wichtige Kurzentren gibt es in Neve Midbar, Einot Tsukim, Atraktzia, En Gedi , En Boqeq und Neve Zohar.

Der Badespass ist nicht ungefährlich. Man sollte sich davor hüten, Salzwasser in die Augen zu bekommen oder davon zu trinken. Auch die seltsame Tragfähigkeit des salzreichen Wassers schützt nicht davor, umzukippen und ungünstig mit dem Kopf im Wasser zu liegen. Nach dem Baden entwickelt sich schnell eine Salzkruste auf der Haut. Deshalb sollte man sich nach jedem Bad mit Süßwasser abduschen. Das Salzwasser kann an offenen Wunden brennende Schmerzen verursachen.

Fische gibt es im Toten Meer nicht. Deshalb heißt es ja auch Totes Meer, weil es darin kein Leben gibt. Dass Biologen Mikroorganismen, Bakterien und spezielle Algen im Wasser entdeckt haben, ändert nichts an der Wahrnehmung des Salzsees zwar schönes und faszinierendes, jedoch auch lebloses Gewässer. Taucher müssen nach Eilat am Roten Meer ausweichen.

Zurzeit liegt die Wasseroberfläche etwa 418 Meter unterhalb des Meeresspiegels. Doch jede genaue Zahlenangabe kann im nächsten Jahr schon veraltet sein. Denn die Tendenz ist sinkend und der Wasserspiegel jahreszeitlich schwankend. Er schwankt manchmal innerhalb eines Jahres um mehrere Meter. Damit ändert sich auch die maximale Tiefe des Sees. Die tiefste Stelle liegt 794 Meter unterhalb des Meeresspiegels. Das ist ein Fixpunkt, da sich der Meeresspiegel, im Gegensatz zur Wasseroberfläche des Toten Meeres, nur geringfügig ändert. Bei aktuellem Stand ergibt dies eine maximale Wassertiefe des Toten Meeres von etwa 376 Metern. Auch die Fläche ist geschrumpft. Insgesamt sind es zurzeit ungefähr 1000 Quadratkilometer. Davon entfallen rund 800 Quadratkilometer auf das nördliche Becken und 400 Quadratkilometer auf das mittlerweile abgeschnittene südliche Becken. Wie der Wasserspiegel, so schwankt auch die Wasseroberfläche des Toten Meeres mit der Jahreszeit und nimmt langfristig tendenziell ab.

In historischer Zeit unterschieden sich die Wasserstände sehr von den heutigen. Im zweiten Jahrtausend v. Chr. war der Wasserstand des Sees um mehr als hundert Meter höher und der Salzgehalt wesentlich niedriger. Dehnt man die Betrachtung auf geologische Zeitspannen aus, gab es abwechselnd Phasen, in denen der See komplett ausgetrocknet war, und andere, in denen der Wasserstand überdurchschnittlich hoch war.

Der See ist das Ergebnis einer tektonischen Entwicklung, die zum Grabenbruch in der Levante geführt hat. Geologische gesehen sind das Tote Meer und der Jordangraben Fortsetzungen des Afrikanischen Grabenbruchs. In vielen Millionen Jahren könnten hier neue Meere entstehen.

Die Tiefe des Tales hat noch einen anderen Effekt. Vom Ufer des Toten Meeres wirken die umliegenden Tafelberge riesig. Tatsächlich ragen sie mehrere Hundert Meter hoch auf. Doch gemessen am Meeresspiegel – und das ist die geographisch verbindliche Angabe – sind sie wesentlich niedriger. Insofern kann man das Tal des Toten Meers auch als Canyon bezeichnen.

Im südlichen Becken, das durch den sinkenden Wasserstand vom nördlichen abgetrennt ist, wird industriell Salz gewonnen sowie Phosphat, Brom und Pottasche abgebaut. In Erinnerung an eine biblische Geschichte (s.u.) wird das Industrie- und Salzabbaugebiet am Südbecken des Toten Meeres Sodom bzw. Sedom genannt.

Sodom und Gomorra

Sie sind das Symbol für Sündenpfuhle, die durch die strafende Hand Gottes vernichtet wurden. Jene Geschichte des Alten Testaments, nach der vor vielen Tausend Jahren Sodom und Gomorra für das sündhafte Verhalten ihrer Bewohner mit Feuer und Schwefel bedeckt und zerstört wurden, hat sich tief in das kulturelle Gedächtnis des Abendlandes eingegraben. Ihr Schicksal steht sprichwörtlich für alle Orte, an denen der konservative Geist sittenwidriges Verhalten ahndet und Strafe herbeiwünscht. Doch niemand weiß, wo einst Sodom und Gomorra wirklich gelegen haben könnten. Handelt es sich tatsächlich um die Namen historischer Orte? Wissenschaftler haben hierzu unterschiedliche Vermutungen. Da das Tote Meer an einer geologischen aktiven Zone liegt, könnten die Orte einst durch ein Erdbeben zerstört worden und durch einen gewaltigen Erdrutsch ins Tote Meer gesunken sein.

Der alttestamentlichen Geschichte nach, ließen die Engel Gottes Lot, den Neffen Abrahams, und dessen Familie rechtzeitig fliehen. Doch Lots Frau blickte trotz Warnung zurück und erstarrte so zur Salzsäule. Diese Anekdote inspirierte viele Besucher des Toten Meeres, in der einen oder anderen natürlichen Salzskulptur die Frau Lots zu erkennen.

Anfahrt

Die Anfahrt kann von Jerusalem problemlos per Auto, aber auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus) erfolgen. Die Fahrtdauer ist abhängig vom Ort, den man am Toten Meer als Destination eingeplant hat und dauert in Regel mehr oder weniger eine Stunde. Das bedeutet, dass eilige Reisen de das Tote Meer von Jerusalem aus auch in Form eines Tagesausfluges besuchen können und umgekehrt. (Da man für die nördliche Region des Toten Meeres durch palästinensisches Gebiet fahren muss, können bei angespannten politischen Sicherheitssituationen polizeikontrollenbedingte Verzögerungen entstehen.)

Ausflugsziele am Toten Meer

Am Toten Meer gibt es zahlreiche herausragende Sehenswürdigkeiten. Die spektakuläre Felsenfestung von Masada (Mezada, Massada) ist eine der Hauptattraktionen Israels. Der Naturpark von En Gedi überrascht mit tropischer Vegetation und Leoparden. Sehenswert ist auch die Stadt Jericho , nördlich des Toten Meeres, mit ihren archäologischen Ausgrabungen. Jericho ist die älteste Stadt der Welt. Von religionshistorisch großer Bedeutung ist Qumran . Dort hatten die Essener einst ein Kloster, von dem Ruinen ausgegraben wurden. Im nahe gelegenen Wadi Qumran wurden rund 800 Schriftrollen mit religiösen Texten aus der Klosterbibliothek gefunden. Da die Rollen auch biblische Texte überliefern, galt der Fund als große Sensation.

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg