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Byzantinische Herrschaft (395 bis 638 n. Chr.)

Ein wichtiges Geschichtsdatum ist das Jahr 395 n. Chr., das Jahr, in dem das Römische Reich in ein Westreich und ein Ostreich aufgeteilt wurde. Hauptstadt des Westens blieb zunächst Rom (später wurde es Ravenna), Hauptstadt des Ostens wurde Byzanz (Konstantinopel). Anlass war der Tod des römischen Kaisers Theodosius I. (Regierungszeit: 379 bis 394). Die Nachfolgefrage wurde mit einer Teilung der Herrschaft zwischen seinen zwei Söhnen Honorius und Arcadius geklärt. Der eine bekam den Osten, der andere den Westen. Reichsteilungen dieser Art hatte es zuvor schon häufiger gegeben, da das römische Reich mit seiner gewaltigen Größe als Einheit ohnehin schwer zu regieren und zu verwalten war. (Man erinnere sich an die Soldatenkaiser oder an die Aufteilung des Reiches in ein Ost- und Westteil zwischen Marcus Antonius und Octavian.) Doch diesmal war es der Schritt zu einer dauerhaften Teilung. Denn das Westreich ging während der Völkerwanderungen unter, und das Ostreich entwickelte sich zu einem eigenständigen politischen Gebilde. Vorausgegangen war die Herrschaft des Kaisers Konstantin dem Großen (Flavius Valerius Constaninus, Regierungszeit: 306 bis 337), in welcher die Hauptstadt von Rom nach Konstantinopel verlegt wurde. So war im Reich eine neue ebenbürtige Hauptstadtmetropole entstanden, die nun zum Zentrum des Oströmischen Reiches wurde.Eine thematische Trennung zischen römischer und byzantinischer Herrschaft in Palästina mag einerseits nur bedingt sinnvoll sein, handelt es sich beim Byzantinischen Reich doch nur um eine eigenständige Fortsetzung des Römischen Reiches im Osten, deshalb ja auch Oströmisches Reich genannt. Dennoch gibt es zwei wichtigste Charakteristika, welche die byzantinische deutlich von der gesamtrömischen Herrschaft zuvor unterscheiden. Dies war zum einen die stärkere Betonung des Christentums, das unter Konstantin favorisiert und unter Theodosius I. zu einer Art Staatsreligion geworden war, und zum anderen die stärkere Dominanz der griechischen Sprache und Kultur und die Zurückdrängung der lateinischen. Griechisch war zwar auch im Zeitalter des Zenits der gesamtrömischen Herrschaft die Sprache des Ostens bzw. Ostreiches, doch war sie immer flankiert gewesen von der römisch-lateinischen. Nun wurde Latein zur Lingua Franca des Westens, Griechisch zur Sprache des Ostens. In Palästina war die Zeit der byzantinischen Herrschaft eine friedliche. Kriege fanden in anderen Regionen des Reiches statt. Palästina lag abseits davon. Andererseits erkannte man in Byzanz die Bedeutung des Heiligen Landes für das Christentum. Da das Christentum nun oströmische Staatsreligion geworden war und die christlichen Kaiser die Position der Kirche stärken wollten, begann in Palästina eine Ära des Kirchen- und Klosterbaus. Christliche Pilgerströme aus dem ganzen Reich brachten Wohlstand in die Region. Reiche Amts- und Würdenträger des Oströmischen Reiches und hohe Geistliche finanzierten – dies wurde als fromme Tat angesehen – zahlreiche Kirchenbauten und christliche Institutionen. Die Juden selbst waren zur Minderheit im eigenen Land geworden, profitierten aber vom Frieden und von der Prosperität. Zu großen jüdischen Aufständen kam es nicht mehr, auch wenn sie durch die pro-christliche Politik und diverse antijüdische Gesetzgebungen der byzantinischen Herrscher benachteiligt wurden. Für die Christen war es also eine Blütezeit, insbesondere in Palästina. Für andere Religionsgemeinschaften wurde es dagegen schwieriger sich zu behaupten. Sowohl heidnische Religionen als auch von der byzantinischen Staatskirche abweichende christliche Lehren wurden mit Restriktionen bedacht, teils sogar verboten. Besonders unter Justinian I. (Regierungszeit: 527 bis 565) wurden in verschiedenen Regionen des Reiches Anhänger heidnischer Religionen verfolgt, Tempel und Kulte geschlossen. In Palästina gab es in den Jahren 484, 529 und 556 Aufstände der Samaritaner. Die Samaritaner sind eine religiöse Gruppe, die sich schon im Altertum von Judentum abgespalten hatte. Sie sehen sich selbst als Bewahrer des alten hebräischen Jahwe-Glaubens. Unter einem Anführer namens Julian Ben Sabar kam es insbesondere im Jahre 529 zu schweren Unruhen und schließlich zu einer Rebellion gegen die byzantinische Oberherrschaft in Palästina. Zahlreiche christliche Kirchen wurden zerstört. Doch Kaiser Justinian I. ließ seine Regierungstruppen mit aller Härte gegen die Aufständischen vorgehen. Die Rebellion wurde blutig niedergeschlagen und ihr Anführer, Julian Ben Saber, hingerichtet. Wie zuvor viele Kirchen, wurden nun im Gegenzug zahlreiche samaritanische Synagogen zerstört.Die wirtschaftliche Blüte, die Teile des Oströmischen Reiches Wohlstand ermöglichte, wurde in gewissen Abständen durch Kriege und Naturereignisse getrübt. So wütete die Pest in Jahren 541 und 542 im ganzen östlichen Mittelmeergebiet und in Teilen Europas. Sie war für einen massiven Rückgang der Bevölkerungszahlen mitverantwortlich. Auch Palästina war davon stark betroffen, denn die Pest bereitete sich von Ägypten über die ganze Levante aus. Im Jahre 614 wurde das zu jener Zeit mehrheitlich christliche Palästina wieder von außenpolitischen Ereignissen eingeholt. In den Jahren 611 bis 613 hatten die Perser große Teile Syriens erobert und drohten nun in Palästina einzumarschieren. Dieses Ereignis war die Folge einer langen Kriegsgeschichte zwischen dem Römischen Reich und Persien. Die Konflikte beider Reiche hatten wechselseitig einen hohen Blutzoll gefordert. Unter der Herrscherdynastie der Sasaniden (Sassaniden) waren die Perser zu einer ähnlichen Großmacht herangewachsen, wie sie es schon im Altertum unter den Achämeniden waren. Unter dem persischen Großkönig Chosrau (Chosrow) II. Parwiz erlangte das Sasanidenreich eine letzte Blütezeit. Er führte durch seine militärischen Unternehmungen das Reich zu seiner größten Ausdehnung. Anfangs war seine Außenpolitik auf einen Frieden mit Byzanz ausgerichtet. Als er in Folge eines Umsturzes den Thron verlassen musste und in Byzanz Zuflucht fand, unterstützte ihn der byzantinische Kaiser Maurikios, wieder auf den Thron zu kommen. Im Gegenzug überließ Chosrau den Byzantinern einige umstrittene Grenzgebiete. Doch als Maurikios vom politischen Opponenten Phokas gestürzt und mitsamt seinen Söhnen hingerichtet wurde, war man in Persien bestürzt. Der Vorfall bewog Chosrau dazu, den Krieg gegen Byzanz wieder aufzunehmen. Er marschierte in Mesopotamien, Armenien, Ostanatolien und Syrien ein. Im Zuge dieser Eroberungen kamen seine Truppen bis nach Palästina.Im Jahre 614 wurde nach langer Belagerung Jerusalem eingenommen. Die Perser sollen Teile der Stadt geplündert, die Kirchen zerstört, zahlreiche Christen getötet und sogar eine wichtige Ikone des Christentums, nämlich ein Teil des Kreuzes von Jesus Christus, in ihre Hauptstadt Ktesiphon gebracht haben. Angeblich sollen die palästinischen Juden die Perser willkommen geheißen und bei der Eroberung Jerusalems unterstützt haben. Von Palästina aus zogen die Truppen der Perser 616 weiter nach Ägypten. Für eine kurze Zeitspanne sah es so aus, als würde sich das Rad der Geschichte eindeutig zugunsten der Perser drehen. Im Jahre 626 konnten die Perser sogar bis nach Konstantinopel vordringen und mithilfe ihrer Verbündeten, den zentralasiatischen Awaren, belagern. Allerdings blieb die Belagerung erfolglos. Der ab 610 regierende byzantinische Herrscher Herakleios (Regierungszeit bis 641) hatte von Anfang an gegen diese persische Invasion zu kämpfen. Er konnte schließlich das Ruder herumreißen. In mehreren Feldzügen konnte er die Perser zurückdrängen und bis nach Mesopotamien vordringen. Von dort brachte er das gestohlene Kreuz Christi zurück nach Jerusalem. Die persische Herrschaft in Palästina endete im Jahr 628. Die Wiederherstellung der byzantinischen Macht im östlichen Mittelmeerraum war jedoch nur von kurzer Dauer. Auch die Tage des persischen Sasanidenreiches waren gezählt. Und für Palästina stand ebenso ein neues Zeitalter bevor. Denn in derselben Zeit wuchs eine neue politische Macht im Nahen Osten heran: der Islam. Im Jahre 622 begann mit der Auswanderung des Propheten Mohammed (Muhammad) von Mekka nach Medina (beide Städte liegen in Westarabien) die islamische Zeitrechnung. Von Medina und dann später wieder von Mekka unternahmen Mohammed und seine Nachfolger, die Wahlkalifen, zahlreiche Feldzüge. Doch zunächst beschränkte sich die arabisch-islamische Herrschaft auf die arabische Halbinsel. Erst 637 zogen die muslimischen Araber nach Palästina, nachdem sie schon große Teile Syriens unter ihre Kontrolle gebracht und 635 Damaskus erobert hatten. Die Einnahme Jerusalems durch die Araber erfolgte nach mehrmonatiger Belagerung im Jahre 638. Und 639 war Palästina und Syrien komplett in der Hand der Araber. Ein neues Zeitalter hatte begonnen.

 

Auswahl weiterführender Literatur

  • Kuhnen, Hans-Peter, Palästina in griechisch-römischer Zeit, (Handbuch der Archäologie, Vorderasien Band II/2), München 1990.
  • Lilie, Ralph-Johannes, Byzanz: Geschichte des Oströmischen Reiches 324 – 1453, München 2010 (5. Aufl.)
  • Schäfer, Peter, Geschichte der Juden in der Antike. Die Juden Palästina von Alexander dem Großen bis zur arabischen Eroberung, Stuttgart 2010.

 

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg