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Britische Mandatszeit

Mit dem Ende dem Ersten Weltkrieg kam der Untergang des Osmanischen Reiches. Die europäischen Großmächte sahen im Osmanischen Reich schon lange den „kranken Mann am Bosporus“. Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Russland hatten wirtschaftliche und territoriale Interessen im Nahen und Mittleren Osten. Da Afrika bereits bis auf wenige Gebiete kolonial aufgeteilt war, suchte man nach neuen Expansionsmöglichkeiten. Insbesondere Deutschland strebte nach einem „Platz an der Sonne“ und nach weltpolitischer Bedeutung. Intensive diplomatische Beziehungen zum osmanischen Herrscherhaus und der Bau der Bagdadbahn trugen dazu bei, den deutschen Einfluss im Orient auszudehnen. Kaiser Wilhelm II. besuchte Konstantinopel und das Heilige Land, schmiedete ein Bündnis mit den Türken und hielt martialische Reden. Großbritannien und Frankreich beobachteten diese Entwicklung mit Argwohn. Als dann der Erste Weltkrieg ausbrach und das Osmanische Reich dem Deutschen Reich als Bündnispartner zur Seite trat, war im Falle eines Sieges der westlichen Alliierten die Voraussetzung für eine Ausweitung des britischen und französischen Einflusses im Nahen Osten gegeben. Bereits das berüchtigte Sykes-Picot-Abkommen von 1916 machte die Ambitionen der alliierten Kolonialmächte deutlich. Im Falle eines Sieges über das Osmanische Reich sollte Frankreich die Kontrolle über Syrien und den Libanon erhalten. Großbritannien beanspruchte Palästina, Transjordanien und den Irak. Den verbündeten Arabern wurde von diesem Abkommen zunächst nichts berichtet. Gleichzeitig wuchs das Interesse der internationalen zionistischen Bewegung an einer jüdischen Besiedlung Palästinas. Der Erste Weltkrieg mit den militärischen Erfolgen der Alliierten in der Levante bot Raum zur Hoffnung auf das schier unmögliche – der Verwirklichung eines jüdischen Staates auf dem Boden des Heiligen Landes. Jahrzehntelanger Lobbyismus zeigte schließlich Früchte: Die Balfour-Deklaration von 1917 war das Dokument, in dem Großbritannien sich offiziell bereit erklärte, sich um die Errichtung einer nationalen Heimat für die Juden aus aller Welt in Palästina zu bemühen. Diese Deklaration war der Hoffnungsschimmer für die jüdischen Migranten, die nach dem Ersten Weltkrieg aus allen Teilen Europas nach Palästina strömten, um sich dort niederzulassen. Ende 1917 nahmen die Briten Jerusalem ein. 1918 gab es weitere Gefechten im Norden Palästinas. Die entscheidende letzte Schlacht fand schließlich im September 1918 bei Megiddo in der Jesreelebene statt. Palästina wurde unter britische Militärverwaltung gestellt. Die türkische Fremdherrschaft war nach vier Jahrhunderten beendet. Großbritannien und Frankreich konnten nach Besetzung der im Sykes-Picot-Abkommen gegenseitig versprochenen Gebiete ihre Ansprüche auch vor der internationalen Gemeinschaft durchsetzen. Vom 19. bis zum 20. April 1920 fand in San Remo (Italien) eine internationale Konferenz statt, bei der die Siegermächte des Ersten Weltkriegs ihre Interessensphären auf dem Gebiet des ehemaligen Osmanischen Reiches absteckten. Damit war Palästina offiziell zu britischem Mandatsgebiet geworden. 1922 wurde dieses Mandat durch den Völkerbund bestätigt. Großbritannien sah sich nun allerdings der Schwierigkeit ausgesetzt, dass es sowohl den Arabern als auch den zionistischen Bewegungen Versprechen gemacht hatte. Die Araber waren als Bündnispartner gegen die Türken von großer Bedeutung. Doch man konnte sie nur als Verbündete gewinnen und halten, wenn man ihnen große Versprechungen hinsichtlich der Unabhängigkeit arabischer Gebiete machte. Nun musste die Balance gefunden werden, um einerseits die eigenen imperialen und wirtschaftlichen Interessen im Nahen Osten durchzusetzen und andererseits die Versprechen an die Araber und Juden zu halten. Die durch Zuwanderung stark anwachsende jüdische Bevölkerung in Palästina nahm unterdessen die Dinge in die eigenen Hände. Neue Städte und landwirtschaftliche Siedlungen entstanden. Eine jüdische Schutztruppe, die Haganah, wurde gegründet, um die jüdischen Siedlungen zu verteidigen. Die Spannungen zwischen palästinensischen Arabern und jüdischen Zuwanderern wuchsen. Eine große Zuwanderungswelle kam aus den ehemaligen Ländern Österreich-Ungarns und vor allem aus den Ländern des ehemaligen Russischen Reiches, auf dessen Gebiet nun der Kampf der Bolschewisten gegen ihre konterrevolutionären Gegner tobte. Viele osteuropäischen Juden fürchteten sich vor neuen Pogromen und vor der ungewissen Zukunft in der neu entstandenen Sowjetunion. Palästina war für diese Menschen ein ideales Auswanderungsziel. Um ihren Interessen nicht nur vor den britischen Mandatsherren sondern auch auf der internationalen Bühne Gehör zu verschaffen, wurde die „Jewish Agency for Palestine“ gegründet. Je mehr Juden aus Europa und mittlerweile auch aus Amerika in Palästina einwanderten, desto bedeutungsvoller wurde die Stimme dieser neuen Institution wahrgenommen. Weitere Einwanderungswellen folgten auf die wachsenden antisemitischen Tendenzen in Mitteleuropa, insbesondere nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland 1933. Durch die immer neuen Einwanderungswellen wuchs der Druck auf die arabischen Palästinenser, die sich bedrängt fühlten und sich um ihre nationale Souveränität sorgten. Ein besonderes Problem war der Streit um Land. Die Zahl der jüdischen Siedlungen nahm rapide zu. Viele palästinensische Bauern („Fellahin“ genannt) hatten wegen wirtschaftlicher Probleme und hoher Verschuldung ihr Land aufgeben müssen und siedelten an den Stadträndern als neues Proletariat. So wuchs der Anteil jüdischer Landwirtschaftssiedlungen und schrumpfte Zahl palästinensischer Landdörfer. Die offene Konfrontation ließ sich nicht mehr aufhalten. 1936 kam es zum palästinensischen Aufstand. Zunächst hatten die arabischen Eliten und Intellektuellen des „Higher Arab Committee“ zu Generalstreiks ausgerufen. Doch mittels intensiver Verhandlungen und militärischer Drohungen konnte die britische Mandatsverwaltung den Streik beenden. Dann folgte dem Streik ein offener Volksaufstand. Wortführer der palästinensischen Araber war der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin el-Husseini, der offen den diplomatischen Kontakt zu den deutschen Nationalsozialisten suchte. Die britische Mandatsverwaltung stand zunächst zwischen den Fronten, ließ dann jedoch den Aufstand niederringen. Er wurde immer deutlicher, dass eine Lösung des jüdisch-palästinensischen Konfliktes gefunden werden müsse. Beide Seiten erhoffen sich nationale Anerkennung und Souveränität. Beiden Seiten waren Versprechungen gemacht worden. Doch konnte nicht beiden Seiten gleichzeitig entgegengekommen werden. Ein erster Schritt zu einem seriösen Lösungsversuch war die Einsetzung einer Kommission, die mögliche Kompromissvorschläge erarbeiten sollte. Dies war die sogenannte Peel-Kommission. Benannt war sie nach dem britischen Politiker Sir William R. W. Peel, der die Kommission als Vorsitzender leitete. Eine der Kernvorschläge der Kommission war die Teilung Palästinas in ein jüdisches und arabisches Staatsgebiet. Der Norden (Galiläa) und die Küste von Haifa bis südlich von Tel Aviv sollte den Juden, der Rest den Arabern zugesprochen werden. Lediglich Jerusalem und ein schmaler Korridor zum Meer sollten britisches Mandatsgebiet bleiben. Die Araber lehnten den Plan ab. Auch auf der jüdischen Seite war er heftig umstritten. Die britische Regierung nahm den Plan der Kommission zunächst wohlwollend zur Kenntnis, lehnt ihn jedoch nach der Studie einer weiteren Kommission als unpraktikabel ab. Von 1937 bis 1939 gab es eine Welle der Gewalt. Nach Guerillataktik griffen palästinensische Rebellen britische Einrichtungen und jüdische Siedlungen an. Die jüdischen Siedler reagierten prompt mit Gegengewalt. Die britische Mandatsregierung begegnete den Aufständischen mit rigorosem Vorgehen und strengen Strafen. Es kam zu Massenverhaftungen. Dabei wurden palästinensische Dörfer oft kollektiv bestraft, indem die Häuser zerstört und das Vieh konfisziert wurde. Viele Familien wurden mit Reparationszahlungen belastet. Durch diese Schulden sowie den wirtschaftlichen Schäden durch die Zerstörung der landwirtschaftlichen Lebensgrundlage verschärfte sich vie Verzweiflung und somit der Widerstand der Palästinenser. Je rigoroser die Briten vorgingen, desto gewalttätiger wurde der Aufstand. Zeitweise konnten die Aufständischen die Jerusalemer Altstadt unter ihre Kontrolle bringen. Zur Niederschlagung des Aufstandes mussten die Briten ihre Truppen aufstocken und die Unterstützung von Luftwaffe und Marine anfordern. Die Haganah, die paramilitärische Organisation der jüdischen Siedler, die sowohl als Polizei als auch als Schutztruppe der Siedlungen fungierte, kooperierte mit den Briten. Die Briten statteten die Einheiten der Haganah mit Waffen aus. Die britischen Truppen und jüdischen paramilitärischen Einheiten waren sowohl zahlenmäßig als auch waffentechnisch den arabischen Aufständischen überlegen. Daher hielten sich ihre Verluste in Grenzen. Doch auf palästinensischer Seite wurden mehr als zwanzigtausend Menschen verwundet oder getötet. Der Schaden für die arabisch-palästinensische Zivilbevölkerung war groß. Viele Familien verloren ihr Hab und Gut und verarmten. Zwar konnten die Briten die Revolte niederringen. Doch die Spannungen blieben.

Das Dilemma und Ende der britischen Mandatsregierung

Die Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten in Deutschland und ab 1938 in Österreich sowie die wachsende Furcht der europäischen Juden vor einem expandierenden Deutschen Reich hatten direkten Einfluss auf die Entwicklung in Palästina. Im Laufe der 1930er Jahre wuchs der Zustrom jüdischer Einwanderer und Flüchtlinge ungebrochen. Die jüdische Bevölkerung in Palästina hatte sich innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt. Die palästinensischen Araber befürchteten, eine Minderheit im eigenen Land zu werden. Die antijüdische Stimmung unter den Palästinensern bereitete der britischen Mandatsmacht Sorgen. Denn diese Stimmung bereitete den Boden für eine pro-deutsche Haltung unter den Arabern. Großbritannien, das einen Krieg mit Deutschland heraufkommen sah, wollte diese anti-britische und pro-deutsche Haltung der Araber auf keinen Fall aufkommen lassen. So beschlossen die Briten 1939, die Zuwanderung der Juden nach Palästina einzuschränken. Innerhalb von fünf Jahren sollten nicht mehr als maximal 75.000 Juden ins Land gelassen werden. Doch dieser Plan ignorierte die dramatische Entwicklung der Judenverfolgung in Mitteleuropa, die nach der Reichskristallnacht und dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich erschreckende Ausmaße annahm. Die Zahl der Juden, die aus Europa nach Palästina auswandern wollten, wuchs unaufhörlich. Den Juden in Palästina war es ein höchstes Anliegen, diesen Menschen zu helfen und sie ins Land zu holen, notfalls illegal und gegen die Autoritäten der britischen Mandatsherrschaft. Enttäuscht, dass die Briten von ihrem Versprechen nach einem jüdischen Staat in Palästina abrückten, gingen viele Juden in den Untergrund, um gegen die britische Herrschaft zu kämpfen. Während des gesamten Zweiten Weltkriegs (1939-1945) konnten die Briten keinen Weg aus dem Dilemma finden. Als das deutsche Afrikakorps durch Libyen nach Ägypten zog und den britischen Streitkräften große Verluste zufügte, äußerten viele Palästinenser die Hoffnung, dass die Deutschen die Briten aus Palästina verdrängen mögen. Unter der jüdischen Bevölkerung löste diese Entwicklung Entsetzen aus. Den Briten entglitt die Kontrolle. Alle Vermittlungsversuche zwischen palästinensischen Arabern und Juden scheiterten. Schließlich war dieses Dilemma eines der Gründe, weshalb nach dem Zweiten Weltkrieg das britische Interesse an Palästina geschwunden war. Großbritannien hatte erkannt, dass es in Palästina auf einem Pulverfass saß. 1947 gaben die Briten die Verantwortung für die weitere Zukunft Palästinas an die Vereinten Nationen ab. Auf der UNO-Vollversammlung wurde im November 1947 die Teilung des Landes in einen jüdischen und arabischen Staat beschlossen. Der Weg zur Unabhängigkeit Israels war somit frei.

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg