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Ariel Sharon

Vielen Israelis gilt er als Patriot und Kriegsheld, international ist er umstritten – der Offizier und Politiker Ariel Sharon . Als Soldat hatte an allen israelischen Kriegen teilgenommen. Als Politiker war er einer der führenden Köpfe der Likud- und später Kadima-Partei. Er diente als General, als Landwirtschaftsminister, Verteidigungsminister, Außenminister, Minister für Handel, Industrie und Bauwesen und war zum Schluss Ministerpräsident des Landes. Im Januar 2014 starb er nach acht Jahren Wachkoma, die Folge eines Schlaganfalls waren. Ariel Sharon gehört zu den Politikern Israels, an dem sich die Geister scheiden. Die Einen ehren ihn wegen seines unumstößlichen Patriotismus und seiner Erfolge im Sechstagekrieg und Jom-Kippur-Krieg. Die Anderen kritisieren ihn wegen seiner Siedlungspolitik und für militärische Entscheidungen während des Libanonkrieges und spezieller Kommandoeinsätze in den 1950er Jahren. Wie bei den meisten Politikern der ersten Generation Israels, liegen auch Sharons familiäre Wurzeln in Osteuropa. Seine Eltern waren aus Weißrussland nach Palästina ausgewandert, das damals noch britisches Mandatsgebiet war. Dort kam Ariel Sharon im Jahre 1928 in der Genossenschaftssiedlung (Moshav) Kfar Malal zur Welt. Wie Shimon Peres, Yitzhak Rabin, Moshe Dayan und viele andere prominente israelische Persönlichkeiten , war Ariel Sharon schon als Jugendlicher der Hagana beigetreten, der paramilitärischen Kampforganisation der jüdischen Siedler im Mandatsgebiet Palästina. Bereits im ersten israelisch-arabischen Krieg, dem Unabhängigkeitskrieg von 1948, der ausbrach, kurz nachdem David Ben-Gurion in Tel Aviv den Staat Israel ausgerufen hatte, kam der junge Ariel Scharon als Soldat zum Fronteinsatz. Als Zugführer übernahm er den Befehl über eine etwa hundert Mann starke Infanterieabteilung, die zwischen Tel Aviv und Jerusalem in einem Gefecht gegen Truppen der arabischen Legion schwere Verluste hinnehmen musste. Nach dem Krieg setzte er seine Militärlaufbahn fort, wurde Hauptmann. Erst 1952 schied er aus dem Militärdienst aus – vorerst. An der Hebräischen Universität zu Jerusalem schrieb er sich als Student ein. Er begann Geschichte des Nahen Ostens zu studieren. Doch musste er bereits 1953 sein Studium unterbrechen, um erneut im Militärdienst aktiv zu werden. Er war in mitverantwortlicher Position an militärischen Aktionen gegen palästinensische Widerstandsgruppen beteiligt. Um Terrorattacken zu begegnen, die immer wieder von jordanisch-palästinensischem Gebiet ausgingen und Zivilisten in israelischen Städten zum Ziel hatten, plante man kleine, gut organisierte militärische Operationen. Sie sollten im Siedlungsgebiet der Palästinenser die Terroristennester auskundschaften und eliminieren. International umstritten war hierbei eine größere Vergeltungsaktion israelischer Elitesoldaten im palästinensischen Dorf Qibya, nordwestlich von Jerusalem. Dort wurden mehrere Gebäude zerstört. Dabei kamen 69 Palästinenser ums Leben, mehr als die Hälfte davon Zivilisten. Ariel Sharon befehligte bei dieser Aktion eine Spezialeinheit, die von Fallschirmjägern unterstützt wurde. Ende 1953 wurde Ariel Sharon Bataillonskommandeur bei den Fallschirmjägern. 1956 kam es zur Suezkrise, die sich schnell zu einem internationalen Konflikte ausbreitete, bei dem Israel zusammen mit Großbritannien und Frankreich militärisch gegen Ägypten vorging. Der Konflikt konnte erst auf Drängen der USA und Sowjetunion beendet werden. Sharons Fallschirmjägertruppe war an den Kämpfen an vorderster Front beteiligt. Umstritten war eine Spähaktion seiner Truppe, bei der es zu erhöhten Verlusten kam. Während des Sechstagekrieges von 1967 befehligte Ariel Sharon eine Panzerdivision. Wegen innovativer taktischer Entscheidungen und großer Erfolge während des Sinaifeldzuges erwarb er sich große Anerkennung bei den Militärs und in der israelischen Öffentlichkeit. Nach einem kurzen Ruhestand wurde Ariel Sharon anlässlich des Jom-Kippur-Krieges wieder in den Führungsstab der Streitkräfte zurückberufen. Auch hier trug er mit taktischen Entscheidungen erheblich zum Erfolg der israelischen Truppen bei den Kämpfen am Suezkanal bei. Dieser Einsatz bestätigte seinen Ruf als geschickter Militärführer. Nach dem Jom-Kippur-Krieg widmete sich Ariel Sharon der Politik. Bereits 1973 und 1974 war er kurzzeitig Parlamentsmitglied in der Knesset . Mit dem Sieg der Likud-Partei unter Menachem Begin im Jahre 1977 zog Ariel Sharon erneut in die Knesset ein. Seinen Sitz im Parlament behielt er offiziell bis 2006, nachdem er aufgrund eines Schlaganfalls sein Amt nicht mehr ausüben konnte. Im Kabinett des Likud-Politikers Menachem Begin übernahm Sharon zunächst das Amt des Landwirtschaftsministers. Als solcher unterstützte er die israelischen Siedler in den besetzten Gebieten. 1981 wechselte er das Ressort und wurde Verteidigungsminister. In seine Amtszeit als Verteidigungsminister fällt die israelische Besetzung des südlichen Libanon im Jahre 1982. Während dieser Zeit kam es zu blutigen Massakern in palästinensischen Flüchtlingslagern, bei denen christliche Milizen mehrere Hundert Palästinenser ermordeten. Ariel Sharon wurde vorgeworfen, diese Vorgänge fahrlässig in Kauf genommen und nicht eingegriffen zu haben. Von 1990 bis 1992 war Sharon Minister für Industrie, Handel und Bauwesen. Mitte der 1990er Jahre war Sharon als Oppositionspolitiker ein leidenschaftlicher Kritiker der Friedenspolitik von Yitzhak Rabin . Nach einem erneuten Regierungswechsel war Sharon 1996 zum Infrastrukturminister und 1998 zum Außenminister ernannt worden. Dieses Amt behielt er jedoch nur bis 1999. International heftig kritisiert wurde sein provokativer Besuch des Tempelberges im Jahr 2000. Dieser Akt löste große Proteste bei den Palästinensern aus und trug zur Eskalation der zweite Intifada bei. 2001 wurde Sharon Premierminister. Wichtigste Entscheidung seiner Amtszeit war die Räumung der israelischen Siedlungen im Gazastreifen und in einigen Teilen des Westjordanlandes. Diese Entscheidung stieß bei den betroffenen Siedlern auf heftige Kritik, zumal sich Sharon zuvor immer als deren Fürsprecher ausgegeben hatte. 2005 gründete Sharon aufgrund der innerparteilichen Auseinandersetzungen der Likudpartei eine eigene Partei, die Kadima. Ende 2005 erlitt der seit Jahren chronisch an Übergewicht und hohem Cholesterinspiegel leidende Ariel Sharon einen Schlaganfall. Im Januar 2006 folgte eine Hirnblutung. Seitdem befand sich Sharon in einer Art Wachkomazustand. Am 11. Januar 20014 starb er an Organversagen.

 

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg