Kulturreisen suchen

Früheste Hinreise

...

Späteste Rückreise

...
(?)

Arabische Herrschaft und früher Islam

Während der spätrömischen bzw. byzantinischen Zeit war nicht nur Palästina, sondern der ganze östliche Mittelmeerraum stark vom Christentum geprägt. Überall, in Kleinasien, Syrien, Ägypten und Griechenland, wurden Kirchen errichtet und Klöster gegründet. In Palästina wurden während dieser Phase die Christen zur Mehrheit, die Juden und Samaritaner zur Minderheit im eigenen Land. Palästina war zum Heiligen Land der Christenheit geworden. Doch nun stand eine erneute, eine weit reichende Veränderung bevor: Mit dem Islam war eine neue Weltreligion entstanden, die auch für die Entwicklung Palästinas von großer Bedeutung werden sollte.Es fing zu jener Zeit an, als Byzanz bzw. das Oströmische Reich mit dem Reich der Perser um die Vorherrschaft in der Levante kämpfte. Der persische Großkönig Chosrau II. hatte zuerst Syrien, Palästina (614) und Ägypten (616) erobert, der byzantinische Kaiser Herakleios hatte sie bis 628 wieder zurückerobert. Während dieser Zeit ereignete sich in einer abgelegenen Gegend Arabiens die Geburtsstunde einer neuen Religion. In Mekka, einer Handels- und Pilgerstadt im gebirgigen Hedschas Westarabiens, sammelte ein Religionsverkünder namens Mohammed (Muhammad) Anhänger um sich, um einen radikalen Monotheismus zu predigen. Botschaft: Es gibt nur einen Gott, und Mohammed ist sein Prophet. Die Menschen jener Zeit und jener Region waren beeinflusst vom Christen- und Judentum, den wichtigsten nahöstlichen Religionen jener Zeit, und von arabischen Götzenkulten, die rund um einen heiligen Stein zelebriert wurden. Dieser Stein (ein schwarzer Meteorit) wurde in einem würfelförmigen Heiligtum, der Kaaba, aufbewahrt. Dieses Heiligtum soll schon von Adam errichtet, unter Abraham und Ismail erneuert und schließlich von Götzenanbetern missbraucht worden sein. Die Kaaba war schon vor Mohammed da Ziel zahlloser Pilger. Mohammed fühlte sich nach einem Berufungserlebnis in einer Höhle bei Mekka (im Jahre 610) dazu berufen, eine neue Religion zu verkünden. In dieser Religion ist Gott (Allah) alleiniger Schöpfer und Weltenlenker. Jesus sei, so Mohammed, zwar auch ein Gesandter Gottes gewesen, aber kein Sohn, keine Verkörperung Gottes. Die christliche Dreifaltigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist wurde abgelehnt. Die Kaaba in Mekka sollte das geographische Zentrum der islamischen Weltgemeinschaft werden, zu der fromme Muslime pilgern sollen. Alle Muslime richten sich beim Beten nach Mekka aus.Zunächst angefeindet in seiner Heimatstadt, zog Mohammed mit seinen Anhängern von Mekka nach Medina. Dieser Auszug (Hedschra genannt) gilt als Beginn der islamischen Zeitrechnung. Nach unserer Zeitrechnung geschah dies am 15. Juni 622. Acht Jahre später kehrte Mohammed mit seiner Heeresschar wieder nach Mekka zurück. Die Kaaba wurde von den heidnischen Götzenkulten gereinigt und zum allerheiligsten Ort des Islam erklärt. Von da ab war der Siegeszug des Islam nicht mehr aufzuhalten. Mohammed und (nach seinem Tode im Jahre 632) die Wahlkalifen eroberten ganz Arabien und sammelten immer größere Scharen von Anhängern um sich. Unter dem Kalifen Abu Bakr rücken die arabischen Beduinenstämme nach Syrien und Mesopotamien vor. Zunächst eroberten sie die syrischen Ebenen im Osten, rückten 635 in Damaskus ein, zogen 637 nach Palästina und nahmen im Jahre 638 Jerusalem ein. Der Eroberung von Jerusalem war eine überaus lange Belagerung vorausgegangen, die von den Bewohnern große Entbehrungen abverlangte. Als klar wurde, dass keine Hilfe von Byzanz mehr zu erwarten war, gab man auf. Damit war die über Jahrhunderte dauernde Herrschaft Roms und Ostroms über Palästina endgültig beendet. Das Heilige Land der Christenheit war nun in den Händen einer anderen Religionsgemeinschaft. Doch auch für den Islam sind Palästina und Jerusalem etwas Besonderes. Nach dem Koran soll der Prophet Mohammed einen Traum gehabt haben. Demnach sei er auf einer nächtlichen Traumreise nach Jerusalem gekommen und soll von dort mit einem Pferd in den Himmel gesprungen sein. Für die Christen und Juden war die islamische Oberherrschaft in Palästina zunächst keine große Belastung. Zum einen, weil die Muslime anfangs nahezu überall in ihrem riesigen Reich (außer in Arabien selbst) noch in der Minderheit waren. In Syrien, Palästina und Ägypten blieb die Mehrheit noch bis in hohe Mittelalter christlich. Auch in Persien standen die Muslime anfangs einer großen zoroastrischen Mehrheit gegenüber. Hierauf antworteten die Muslime mit einer moderaten Politik der religiösen Toleranz. Solange die anderen Religionsgemeinschaften bereit waren, Steuern zu entrichten und die islamischen Herrscher anzuerkennen, wurden sie kaum bedrängt. Zum anderen waren die Juden und zum Teil sogar Christen bestimmter Konfessionen auch in byzantinischer Zeit immer wieder in schwierige Außenseitersituationen gedrängt worden, wenn ihre Glaubensvorstellungen nicht mit den orthodoxen Vorgaben von Byzanz im Einklang standen. Insofern hielt sich die Verschlechterung ihrer Situation in Grenzen. Allerdings war mit der islamischen Eroberung Palästinas klar, dass Kultur und Zeitgeist von nun an islamisch geprägt waren und es nur noch eine Frage der Zeit war, bis auch die Bevölkerung mehrheitlich zum Islam übertrat.In den folgenden Jahrzehnten des 7. Jahrhunderts eroberten die Araber große Teile Nordafrikas (z.B. 640-642 Einnahme Ägyptens) und Vorderasiens. Sie brachten das Sasanidenreich der Perser zu Fall (Einnahme der persischen Residenzstadt Ktesiphon um 636) und wurden zu einer ernsthaften Bedrohung für Byzanz, dessen Herrschaftsgebiet sich zunehmend auf Griechenland und Kleinasien beschränkte. Im 8. Jahrhundert reichte das Großreich der arabischen Kalifen von Spanien und Marokko im Westen bis nach Vorderindien im Osten. Im Westen wurden sie erst in der Doppelschlacht von Tours und Poitiers (732) von den Franken aufgehalten. Das arabisch-islamische Imperium wurde schließlich zum größten Weltreich, das bis dahin die Geschichte gesehen hatte. Innerhalb dieses Weltreiches war Palästina nicht an der Peripherie gelegen, sondern nahe des Zentrums, denn die Residenzstadt der ersten Kalifen war Damaskus. Kurz nach der Eroberung Jerusalems wurde dort die erste Moschee vom Kalifen Omar I. an der südlichen Umfassungsmauer des Tempelberges gebaut. In den Jahren 688 bis 691 wurde unter dem Kalifen Abd el-Malik auf dem Tempelberg der berühmte Felsendom errichtet, an der Stelle eines Felsens, von dem Mohammed mit dem Pferd in den Himmel gesprungen sein soll (s.o.) und Abraham seinen Sohn Isaak seinem Gott opfern wollte. Einige Jahre später begann man mit dem Bau der Al-Aqsa-Moschee wenige Meter südlich des Felsendoms. Im Verlauf des 8. Jahrhunderts wechselte mit der Kalifenresidenz das islamische Machtzentrum von Damaskus nach Bagdad. Dies lag am Wechsel der Herrscherdynastie von den Omayyaden (Omaijaden, benannt nach dem Kalifen Omar) zu den Abbasiden (benannt nach dem Kalifen Abu’l Abbas). An der Situation Palästinas änderte sich dadurch zunächst nichts. Allerdings war das islamische Riesenreich mit der Zeit unregierbar und die Zahl der konfessionellen und politischen Abspaltungen zu groß geworden, um von einem einzigen Herrscher regiert zu werden. Dementsprechend begannen sich im 9. Jahrhundert Regionen und Dynastien in den fernen Provinzen vom Zentrum unabhängig zu machen. Es entwickelten sich selbständige islamische Teilreiche, so etwa in Spanien, Nordafrika, Ägypten oder Syrien. Diese Entwicklung war für den Frieden in Palästina gefährlich, denn wie so oft in der Geschichte, lag es geographisch zwischen den Großmächten und war somit umkämpftes Gebiet. So beispielsweise, als im Jahre 979 die schiitischen Fatimiden aus Ägypten in Palästina einmarschierten und es dem Kalifat der Abbasiden entrissen. Dabei gingen die Eroberer nicht nur hart gegen ihre islamischen Widersacher vor, sondern auch gegen Christen und Juden im Lande. Die Repressionen gegen Nichtmuslime wurden schärfer, Christen und Juden stärker benachteiligt. Unter dem ägyptischen Kalifen Al Hakim wurden zahlreiche Kirchen und Synagogen zerstört. Sogar die Grabeskirche in Jerusalem wurde angezündet. Christen und Juden wurden verfolgt und geächtet. Im Jahre 1078 kamen die Seldschuken nach Palästina. Die Seldschuken waren eine islamisch-sunnitische Gruppe türkischstämmiger Stämme, die sich in Vorderasien ein eigenes Reich aufgebaut hatten. Als sie in Palästina und Jerusalem einfielen, kam es zu weiteren Christen- und Judenverfolgungen. Da nach wie vor ein großer Teil der Bewohner Palästinas Christen oder Juden waren, und die Bevölkerung bei den Kriegen der dominierenden Herrscher immer im Mitleidenschaft gezogen wurde, kamen auch bei den Kämpfen zwischen den ägyptischen Fatimiden und türkischen Seldschuken viele Christen und Juden ums Leben. Je nachdem auf welche Seite sie sich schlugen, waren sie automatisch Opfer der Rachefeldzüge der anderen Seite. So auch bei der erneuten Eroberung Jerusalems durch die Fatimiden im Jahre 1098. Die permanenten Christenverfolgungen der wechselnden islamischen Herrscher, die blutigen Kämpfe zwischen den Herrscherdynastien und die Zerstörungen der Kirchen waren Anlass für zahllose Hilfegesuche an das Byzantinische Herrscherhaus. Man erhoffte sich ein Eingreifen der christlichen Mächte, um die palästinischen Christen und heiligen Stätten zu schützen. Letztendlich drangen diese Hilferufe bis nach Rom vor. Sie waren der Anlass für die Kreuzzüge der Europäer, die sich zum Schutz des Heiligen Landes berufen fühlten.

Auswahl weiterführender Literatur

  • Haarmann, Ulrich, Geschichte der Arabischen Welt, München 2001.
  • Hourani, Albert, Die Geschichte der arabischen Völker, Frankfurt am Main 1992.

Autor dieses Artikels:

M.Hüneburg