Intifada

Als Intifada werden zwei Perioden (1987 bis 1993 und 2000 bis 2005) in der Geschichte der israelisch-palästinensischen Beziehungen bezeichnet, die von zahlreichen Demonstrationen, Auseinandersetzungen und Anschlägen gekennzeichnet waren.

Immer wieder kommt es in Israel vor, dass es an bestimmten Orten zu Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften kommt. Im Jahre 2014 hat es verschiedene Anschläge gegeben und 2015 vereinzelte Messerattacken auf Israelis.

Diese Aktionen werden allgemein als Nachwirkungen des Gaza-Konfliktes von 2014 gewertet. Im Zuge der israelischen „Operation Protective Edge“ hatte Israel militärisch im Gaza-Streifen eingegriffen, um Raketenstellungen und Waffenlager der Hamas zu zerstören.

Droht nun eine neue Intifada? Mi dem arabischen Wort Intifada, das so viel wie „Aufstand, abschütteln, abwehren“ bedeutet, wurden zwei längere Krisen und Phasen der Gewalt benannt, die von 1987-1993 und von 2000-2005 dauerten. Es handelte sich nicht um Kriege, aber um Phasen des Aufstandes und vermehrter Anschläge.

Die aktuellen vereinzelten Anschläge bedeuten allerdings nicht zwangsläufig, dass die Verhältnisse der Intifada zurückkehren müssen. Selbst der Gaza-Krieg hatte langfristig keine neue Intifada zur Folge.

Ein Blick zurück:

Erste Intifada (1987-1993)

In den 1980er Jahren war die Stimmung unter den jungen Palästinensern besonders angespannt. Während in den Jahren zuvor die israelische Bevölkerung hauptsächlich durch Zuwanderung gewachsen war, hatte die Zahl der jungen Palästinenser aufgrund einer hohen Geburtenrate zugenommen – trotz der misslichen wirtschaftlichen Lage in den Palästinensergebieten.

In den 1980er Jahren waren schließlich die Folgen eines sogenannten „Youth Bulge“ spürbar. Den Jugendlichen der geburtenstarken Jahrgänge standen wenige berufliche Zukunftschancen offen. Hinzu kamen die ohnehin vorhandenen Nachteile für Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen, die einen deutlich geringeren Lebensstandard hatten als die Israelis. Die Stimmung war aufgeheizt.

Nachdem im Dezember 1987 bei einem Verkehrsunfall ein israelischer Militärtransporter in zwei palästinensische Taxis gestoßen war und hierbei vier Palästinenser ums Leben gekommen waren, brachte dies das Fass zum Überlaufen. Es entwickelte sich eine Hasswelle auf israelische Soldaten, die durch gewaltsame Zusammenstöße bei Demonstrationen verstärkt wurden.

Überall im Lande begannen jugendliche Palästinenser ihrem Frust freien Lauf zu lassen. Dabei kam es immer wieder zu bezeichnenden Situationen des asymmetrischen Konfliktes, weil Israel hochbewaffnet und mit militärischer Schutzbekleidung und Panzern gegen zivil gekleidete palästinensische Jugendliche vorging, die vornehmlich Steine warfen. So kam die Intifada zu ihrem Spitznamen „Krieg der Steine“. Diese Bilder gingen durch die internationalen Medien, wobei die Sympathie der Weltöffentlichkeit zunächst auf Seiten der jugendlichen Palästinenser war. Diese Stimmung kippte jedoch durch die wachsende Zahl der Anschläge.

Begleitet wurden die Demonstrationen von Streiks, beschränkter Mitarbeit gegenüber israelischen Behörden, durch das provokative Zeigen palästinensischer Flaggen und das Sprühen von palästinensischen Slogans an allen erdenklichen Orten. Wegen der israelischen Sicherheitsvorkehrungen und palästinensischen Streiks war die Infrastruktur nur bedingt nutzbar. Viele Schulen und Universitäten wurden geschlossen.

Schließlich war der Aufstand Wasser auf die Mühlen der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas. Es kam zu Angriffen auf israelische Soldaten und Siedler der Westbank sowie zu zahlreichen Morden. Die israelische Armee reagierte ihrerseits mit harschen Maßnahmen und hielt die Demonstranten mit Gummigeschossen und Tränengas in Schach. Diese angeblich harmlosen Methoden führten in Tausenden von Fällen zu Verletzungen durch die Gummigeschosse sowie zu Verätzungen und Vergiftungen durch das Tränengas.

In einigen Situationen wurde scharf geschossen. Teilweise gingen die israelischen Soldaten mit Schlagstöcken vor, um den Steinewerfern die Knochen zu brechen. Weiterhin wurden Häuser niedergerissen und Plantagen zerstört, um aufständischen Familien und Dörfern die Lebensgrundlage zu nehmen. Dies führte immer wieder zu Rackeaktionen der Palästinenser und Übergriffe auf israelische Siedler. Radikale Palästinenser regierten auf die israelischen Repressionen mit Bombenanschlägen. Die israelischen Sicherheitsbehörden konterten mit Massenverhaftungen.

Insgesamt waren in den Jahren der ersten Intifada, 1987-1993, insgesamt 160 Israelis und mehr als 2000 Palästinenser getötet worden. Viele Tausende wurden verletzt.

Der Friedensprozess war ein langer Weg. Der wichtigste Meilenstein war das erste Osloer Abkommen, das im Beisein des israelischen Premierministers Jithzak Rabin, des US-amerikanischen Präsidenten Bill Clinton und des Chefs der PLO, Jassir Arafat, von Mahmud Abbas, Schimon Peres und dem US-Außenminister Warren Christopher unterzeichnet wurde. Ein wichtiger Teil dieses Abkommens war die palästinensische Selbstverwaltung.

Die Zweite Intifada (2000-2005)

Auslöser der Zweiten Intifada war der Besuch des damaligen israelischen Oppositionspolitikers Ariel Scharon auf dem Tempelberg und in der Al-Aksa-Moschee . Ariel Scharon hatte sich den Ruf eines Hardliners erworben, weil er mehrfach ein hartes Vorgehen gegen die Palästinenser gefordert hatte und die israelischen Siedler auf der Westbank unterstütze. Der Besuch Scharons konnte nur unter großem Aufgebot an Sicherheitskräften stattfinden.

Die anfangs friedlichen Proteste der Palästinenser weiteten sich schnell aus und eskalierten. Schließlich kam es zu einer Schießerei, bei der rund 200 Menschen verletzt und vier getötet wurden. Damit war das Tor zu einer neuen Welle der Gewalt geöffnet.

In den folgenden Jahren gab es mehr als 20.000 Anschläge sowie mehr als 130 Selbstmordanschläge. Hinzu kam es, über fünf Jahre verteilt, zu mehreren tausend Schießereien und bewaffneten Auseinandersetzungen. Am Ende waren mehr als 1000 Israelis und mehr als 3000 Palästinenser ums Leben gekommen.

Als offizielles Ende der Zweiten Intifada gilt das Gipfeltreffen von Mahmud Abbas und Ariel Scharon im ägyptischen Sharm el-Scheikh am Roten Meer am 8. Februrar 2005.